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Koblenz

Furchtbare Wahrheit: So bestialisch wurde Obdachloser in Koblenz getötet

Der Tod von Gerd Michael Straten ist seit Tagen das Thema in der Stadt. Eine Frage beschäftigt viele Koblenzer besonders: Wie ist der Obdachlose umgekommen? Gruselige Gerüchte machten die Runde. Nun herrscht Gewissheit.

Gerd Michael Straten.
Gerd Michael Straten.
Foto: Polizei

Die Leiche des Wohnungslosen war am Freitagnachmittag in der Nähe des sogenannten Pulverturms auf dem Hauptfriedhof gefunden worden. Von wem, dazu sagt Thomas Lauxen, Leiter der Soko Hauptfriedhof nichts. Und auch zum Tatwerkzeug macht die Polizei keine Angaben.

Allerdings wird aus Gerüchten in den sozialen Netzwerken grausame Wahrheit: Die Polizei bestätigt auf Anfrage der Rhein-Zeitung, dass Gerd Michael Straten enthauptet wurde. Zum Tatwerkzeug macht sie keine Angaben.

Der Tote lag unterhalb der Schwarzen Madonna, einer etwa drei Meter hohen Figur, die auf dem Gelände der Batterie Hübeling steht, beschreibt Lauxen den Fundort. Der 59-jährige Straten hat seit vielen Jahren hier oben am Pulverturm campiert. Er war wohnungslos, entsprach dem gängigen Klischee aber absolut nicht, sagt Lauxen, und auch Stratens Bekannte bestätigen dies: Er war ein sehr gepflegter Mann, trank keinen oder zumindest nur sehr wenig Alkohol, nahm keine Drogen. Oft war er in der Stadt unterwegs, hielt sich aber nie lange zum Beispiel am Szenetreff am Bahnhof auf. Seine Post bekam er über die Wohnungslosenberatungsstelle in der Neustadt, und ab und zu aß er auch mal dort oder im Obdachlosenrestaurant Mampf.

Hier an der Batterie Hübeling auf dem Hauptfriedhof hat der Wohnungslose regelmäßig campiert. Und hier wurde er auch getötet. Seine enthauptete Leiche wurde am Freitagnachmittag entdeckt.
Hier an der Batterie Hübeling auf dem Hauptfriedhof hat der Wohnungslose regelmäßig campiert. Und hier wurde er auch getötet. Seine enthauptete Leiche wurde am Freitagnachmittag entdeckt.
Foto: Doris Schneider

Ansonsten aber lebte er sehr zurückgezogen, was auch viele Zeugen aus der Wohnungslosenszene bestätigen. Seine Leiche wurde jetzt in der Rechtsmedizin in Mainz obduziert, zu den Ergebnissen macht die Polizei keine Angaben. Denn das ist Täterwissen und kann von der Polizei bei Vernehmungen entsprechend genutzt werden, erklärt Lauxen im Gespräch mit der RZ. Aus diesen Gründen wollte die Polizei zunächst auch zur Todesart nichts sagen, entschloss sich dann aber nach den immer weiter um sich greifenden Gerüchten und nach den vielen Medienanfragen dazu, die Enthauptung jetzt doch zu bestätigen.

Gerd Michael Straten hat Angehörige, die aber nicht in Koblenz wohnen. Zeugen haben ihn gegenüber der Rhein-Zeitung immer wieder als belesenen, gebildeten Mann beschrieben. Und auch Lauxen bestätigt, dass die Polizisten von Bekannten und Freunden aus dem Umfeld gehört haben, dass Straten sein Leben wieder in den Griff bekommen wolle. Er strebte wohl eine Selbstständigkeit an, in Richtung Kunsthandel, sagt Thomas Lauxen. Ob das zeitnah spruchreif geworden wäre, weiß man natürlich nicht, aber offensichtlich hatte Straten Pläne für sein weiteres Leben. Die wurden jäh und gewaltsam zerschlagen.

Am Freitag ist der Tote gefunden worden, am Montagnachmittag ist die Polizei mit dieser Information an die Öffentlichkeit gegangen. Dazu hatte es Kritik vonseiten einiger Anwohner gegeben, die ihre Sicherheit bedroht sahen, nachdem auf dem Friedhof ein solch furchtbares Verbrechen verübt worden war. Von Mord spricht die Polizei (noch) nicht, denn dazu müssten verschiedene Kriterien erfüllt sein, von denen man bisher noch nichts weiß.

Seit zwei Tagen arbeitet die gut 30-köpfige Soko Hauptfriedhof an dem Fall, von morgens bis tief in die Nacht. Manche sind auf bestimmte Ermittlungsweisen spezialisiert, zum Beispiel auf Kriminaltechnik oder Datenforensik, also die digitale Auswertung von Spuren und Zusammenhängen. Mindestens einmal am Tag treffen alle zusammen zu einer Besprechung, mehrmals täglich außerdem in Kleingruppen, um den aktuellen Ergebnisstand abzugleichen und weiter zu planen, beschreibt der Soko-Leiter die Arbeitsweise. „Noch stehen wir ganz am Anfang“, sagt Lauxen. Ermittelt wird in alle Richtungen, denn noch sei völlig unklar, was genau passiert ist am Pulverturm.

Die Polizei sucht Zeugen und fragt:

  • Wer kannte Gerd Michael Straten?
  • Wer kann Angaben zu seinem Umfeld und Kontaktpersonen machen?
  • Wer hat Auffälliges im Bereich des Hauptfriedhofes bemerkt?
  • Wer kann Angaben zu Streitigkeiten zwischen dem Opfer und anderen Personen machen?
  • Wer kann sonstige sachdienliche Hinweise geben?

Hinweise von Zeugen nehmen die Kriminaldirektion Koblenz unter der Telefonnummer 0261/1031 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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