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Füttern verboten: Was Sie noch über Nutrias wissen sollten – 5 Fragen und Antworten

Vermutlich seit der Jahrtausendwende leben sie hier bei uns: Nutrias. Siedlungsschwerpunkte sind die Rheinlache und der Schwanenteich sowie die Mosel oberhalb der Koblenzer Staustufe. Zudem schätzen die Nutrias, die nach Europa vermutlich über die Aufzucht in Pelztierfarmen kamen, die Rheinaue in Kaltenengers. Die RZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem auch Biberratte genannten Tier.

Von Scheu keine Spur: Die aus Südamerika stammenden Nagetiere sind auch in unseren Breiten längst heimisch geworden – wie hier am Schwanenteich auf dem Oberwerth.
Von Scheu keine Spur: Die aus Südamerika stammenden Nagetiere sind auch in unseren Breiten längst heimisch geworden – wie hier am Schwanenteich auf dem Oberwerth.
Foto: Peter Karges

1 Wie groß ist die Population der Nutrias? Da keine Zählungen vorgenommen wurden, gibt es dazu nur vage Vermutungen. Das Umweltamt der Stadt Koblenz schätzt allerdings, dass sich die Population innerhalb der vergangenen zehn Jahre mindestens verdoppelt hat.

2 Verdrängen die Nutrias heimische Tierarten? Nicht wirklich. „Die einzige Art, die aufgrund einer Nutriapopulation zurückgeht, ist die Bisamratte“, sagt Andreas Klein von der BUND-Kreisgruppe Koblenz. Auch die Bisamratte, die zoologisch gesehen nicht zu den Rattenarten zählt, ist ein Einwanderer aus Amerika. Sie wurde vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa exportiert, rund 30 Jahre vor den Nutrias.

3 Richten Nutrias Schäden an? Die Meinungen gehen hierüber auseinander. „Die Tiere können durch Tunnelbauten Schäden an Ufern oder Deichen anrichten, allerdings ist dies für Koblenz noch nicht dokumentiert“, sagt Thomas Knaak, Pressesprecher der Stadt Koblenz. Für Dieter Kronenberg von der Unteren Jagdbehörde der Stadt Koblenz ist das allerdings nur eine Frage der weiteren Entwicklung der Population. „Wenn die Tiere weiter zunehmen, dann können ihre Bauten auch Bahnstrecken oder Straßen unterhöhlen, und einen daraus entstehenden Unfall will sich niemand vorstellen.“ Andreas Klein hält ein solches Szenario allerdings eher für unwahrscheinlich: „Die Höhlen der Tiere sind direkt am Ufer und ein bis maximal drei Meter lang. Und wenn sie nicht von Hunden oder anderen Tieren gestört werden, benutzen sie diese Höhlen auch immer wieder. Sie entwickeln keine Wühltätigkeit wie die Bisamratte.“ Klein sieht ganz andere Gefahren für Straßen und Schiene: in der Flächenversiegelung.

Nicht füttern, auch wenn sie noch so niedlich sind: Das fällt vielen Kindern (und auch Erwachsenen) schwer.
Nicht füttern, auch wenn sie noch so niedlich sind: Das fällt vielen Kindern (und auch Erwachsenen) schwer.
Foto: Doris Schneider

4 Sollte man Nutrias füttern? Auf keinen Fall, sagt Dieter Kronenberg und weist zugleich darauf hin, dass dies der Gesetzgeber auch verbietet. „Außerdem haben Nutrias eine Fütterung auch gar nicht nötig, der Tisch ist für sie nämlich von der Natur schon reichlich gedenkt. Das ist nicht so wie bei Vögeln, die aufgrund des Insektensterbens nun Schwierigkeiten bei der Nahrungssuche haben“, erläutert Andreas Klein. Nutrias sind vorwiegend Vegetarier, ernähren sich von Blättern, Wurzeln und Stängeln. Larven, Schnecken oder Käfer verfeinern nur ihren Speiseplan.

5 Sollte man Nutrias bejagen oder die Population anderweitig verkleinern? Andreas Klein sieht hierfür keinen Grund: „Die Population regelt sich über kurz oder lang von allein. Ein harter Winter beispielsweise verringert die Population auf ganz natürliche Weise.“ Das Klima ist allerdings gerade der Punkt, warum Dieter Kronenberg für ein Eingreifen des Menschen plädiert: „Es gibt diese harten Winter wegen des Klimawandels nicht mehr, sodass nun der Mensch eingreifen muss, um die Population zu verringern.“

Von unserem Mitarbeiter Peter Karges

Koblenz
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