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Koblenz

Florinsmarkt: Sanierung wird teuer und dauert länger

In drei Gebäuden im Herzen von Koblenz soll das Isso-Institut aufgebaut werden: dem Dreikönigenhaus, dem Alten Kaufhaus und dem Bürresheimer Hof. Doch während in dem ersten schon gearbeitet wird, zieht sich bei den anderen beiden Denkmälern die Sanierung hin. "Schuld" ist eine Mauer.

Das Mittelrhein-Museum ist eines der Gebäude in der Altstadt, in denen das Isso-Institut aufgebaut werden soll. Im November sollen die nötigen Sanierungsarbeiten am Florinsmarkt nun weitergehen.
Das Mittelrhein-Museum ist eines der Gebäude in der Altstadt, in denen das Isso-Institut aufgebaut werden soll. Im November sollen die nötigen Sanierungsarbeiten am Florinsmarkt nun weitergehen.
Foto: Thomas Frey

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

Im vergangenen Jahr sah es schon mal so aus, als würde der Umbau von Bürresheimer Hof und Altem Kaufhaus endlich losgehen: Nach langen Planungen und Vorbereitungen haben die Bauarbeiten am Florinsmarkt begonnen, wo Teile des gemeinnützigen Isso-Instituts für soziales und nachhaltiges Wirtschaften entstehen sollen. Das Verbindungsstück zwischen den beiden Gebäuden verschwand. Doch dann – tat sich nichts mehr. Zumindest nichts, was man hätte sehen können.

Der Grund war ein unerwarteter Fund: Bei der Erkundung des Grundes an der Moselseite wurde im Mai 2015 eine spätantike Kastellmauer gefunden – eine sensationelle Entdeckung, die dem Bauherrn allerdings das Leben schwer machte. Denn der Bau verzögerte sich erheblich, eine neue Planung musste gemacht, eine neue Baugenehmigung beantragt werden. Und: Die Kosten explodierten. Das Projekt kostet nun 3 Millionen Euro mehr als geplant.

Denn neben der kompletten Sanierung und Umgestaltung der beiden historischen Gebäude, die Investor Martin Görlitz im Herbst 2013 zusammen mit dem mittlerweile fertig sanierten Dreikönigenhaus gekauft hatte, muss nun auch ein kleines Museum entstehen. Die römische Mauer, so haben sich Bauherr und Denkmalschutz geeinigt, soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Vom Peter-Altmeier-Ufer aus kann man hier den Fund besichtigen.

"Mit einem weinenden Auge müssen wir dafür ein Stück einer mittelalterlichen Mauer opfern, die wir ebenfalls gefunden haben", sagt Martin Görlitz. Diese ist der römischen Mauer vorgelagert, steht also ein Stück näher am Moselufer. Außerdem muss Platz für den vorgeschriebenen Hochwasserschutz vorhanden sein.

Nach langen Planungen hat man sich schließlich auf dieses Modell geeinigt, und seit wenigen Wochen liegt nun auch die nötige Baugenehmigung vor. "Im November gehen die Arbeiten weiter", kündigt Görlitz an. Diese sollen in zwei Bauabschnitten vonstatten gehen.

Im ersten wird der Bürresheimer Hof zu einem Hotel- und Gastronomiebetrieb umgebaut, im zweiten wird das Alte Kaufhaus zu einem Ort für Seminare, aber auch für Veranstaltungen, die die Öffentlichkeit anziehen sollen. Beide Gebäude werden durch einen von der Mosel sichtbaren Glasturm verbunden, der Treppenhaus und Fahrstuhl beherbergen und die Denkmäler barrierefrei erschließen wird.

An der Rückseite des Bürresheimer Hofs wurden eine mittelalterliche (zur Mosel hin) und eine spätantike Stadtmauer (dahinter) gefunden.
An der Rückseite des Bürresheimer Hofs wurden eine mittelalterliche (zur Mosel hin) und eine spätantike Stadtmauer (dahinter) gefunden.
Foto: Thomas Frey

Komplett entkernt sind bereits beide Gebäude, ab November wird nun zunächst ein Teil der mittelalterlichen Mauer abgerissen, außerdem stehen Tiefbauarbeiten an. Nach der Winterpause wird das Haus nach und nach saniert und umgebaut.

Wo früher Kinder- und Jugendbücher standen, werden dann Hotelzimmer entstehen. Für das Restaurant mit Moselterrasse wird ein Betreiber gesucht, Gespräche mit Gastronomen laufen bereits. Der "neue" Bürresheimer Hof könnte im zweiten Quartal 2018 eröffnet werden, wenn alles gut läuft.

Im Anschluss soll es möglichst nahtlos mit der Sanierung des Alten Kaufhauses weitergehen, in dem früher das Mittelrhein-Museum ansässig war. Dafür allerdings fehlt noch Geld, vor allem deshalb, weil das Gesamtprojekt durch den Mauerfund viel teurer geworden ist als geplant. "Wir werden noch 5 Millionen Euro brauchen", kündigt Görlitz an. Er hofft auf Unterstützung von Bund und Land, "bislang haben wir noch keinen Cent an öffentlichen Mitteln bekommen". Außerdem will man Großspender gewinnen.

  • Einen virtuellen Rundgang durch einen Teil des neuen Bürresheimer Hofs inklusive dem kleinem Museum, in dem die römische Stadtmauer zu sehen sein wird, kann man ab sofort im Internet machen: florinsmarkt.wordpress.com
  • Tag des offenen Denkmals: Am „Tag des offenen Denkmals“ kann man das bereits fertig sanierte Dreikönigenhaus besichtigen und einen Eindruck vom Isso-Institut bekommen, das hier im vergangenen Jahr seine Arbeit aufgenommen hat. Am Sonntag, 11. September, 10 bis 17 Uhr, stehen die Türen in der früheren Stadtbibliothek in der Kornpfortstraße 15 offen, von 12 bis 17 Uhr ist auch das Bistro Soulfood geöffnet. Um 11, 13 und 15 Uhr gibt es Führungen mit Bauherr Martin Görlitz und Architekt Jens Ternes, bei Interesse können kleinere Gruppen auch erste Einblicke in die noch zu sanierenden Denkmäler am Florinsmarkt bekommen.

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