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Fehlender Aufzug: Bahn lässt Rollstuhlfahrerin am Gleis stehen

Auch Tage nach dem Vorfall sind Edwin Mandelkow und seine Frau Monika noch entsetzt. „So kann man doch nicht mit Menschen umgehen“, empört sich der 62 Jahre alte Ettringer. Grund für die Aufregung von Mandelkow ist ein Vorfall mit der Deutschen Bahn.

An Gleis zwei am Bopparder Bahnhof gibt es keinen Aufzug. Trotzdem ließ hier die Deutsche Bahn eine Rollstuhlfahrerin aussteigen. Erst das Rote Kreuz konnte die Frau aus ihrer misslichen Lage befreien, die Bahn konnte nicht helfen.  Foto: Sascha Ditscher
An Gleis zwei am Bopparder Bahnhof gibt es keinen Aufzug. Trotzdem ließ hier die Deutsche Bahn eine Rollstuhlfahrerin aussteigen. Erst das Rote Kreuz konnte die Frau aus ihrer misslichen Lage befreien, die Bahn konnte nicht helfen.
Foto: Sascha Ditscher

Mandelkow erzählt: „Wir hatten ein befreundetes Paar aus Hagen zu Besuch.“ Die Frau, Barbara, ist querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. „Aber ihr großer Wunsch war es schon immer, mit einem Schiff auf dem Rhein zu fahren“, sagt der 62-Jährige. Das Problem: In Koblenz gibt es keinen Einstieg für Rollstuhlfahrer, weil zur Schiffsanlegestelle Treppen hinunter führen. Deshalb wurde der Gruppe vom Köln-Düsseldorfer (KD) Schifffahrtsbetrieb am Fahrkartenstand am Koblenzer Rheinufer empfohlen, mit der Bahn nach Boppard zu fahren und dort aufs Schiff zu steigen. Denn in Boppard ist ein barrierefreier Einstieg möglich. Ein weiterer Pluspunkt: In Boppard hält das Ausflugsschiff MS Asbach – das einzige Rheinschiff mit Aufzug an Bord. Monika Mandelkow sagt: „Und Barbara wollte natürlich oben sitzen und die Aussicht auf die Burgen genießen.“

Am Koblenzer Bahnhof sollten die Fahrkarten für die Zugfahrt nach Boppard und auch fürs Schiff gekauft werden. Am Ticketschalter bat die Gruppe um eine mobile Rampe zum Ein- und Ausstieg in den Zug. „Bis dahin lief auch alles ohne Probleme ab“, erzählt Monika Mandelkow. Doch als die vier schließlich in Boppard den Zug mithilfe der Rampe verließen, nahm das Unheil seinen Lauf. „An Gleis zwei in Boppard gibt es keinen Aufzug“, berichtet Edwin Mandelkow – und somit auch keine Möglichkeit für Barbara, das Gleis zu verlassen. „Wir haben noch den Schaffner gefragt, was wir tun sollen. Aber in dem Moment haben sich die Türen geschlossen, und der Zug ist abgefahren“, fügt er hinzu. Den rund 30 Kilogramm schweren Rollstuhl samt Insassin selbst die steile Treppe am Gleis runterzutragen, trauten sich Edwin und Barbaras Mann nicht zu.

Die erste Anlaufstelle der Gruppe: die DB-Servicestation im Bopparder Bahnhof. Doch dort konnte nicht weitergeholfen werden. Achselzucken, Unverständnis, Hilflosigkeit, so beschreibt Monika Mandelkow die Reaktion der Mitarbeiter vor Ort. „Leider war es nicht das erste Mal für Barbara, dass ihr so was in der Art passiert. Sie hatte also noch ein paar Telefonnummern parat, die sie anrufen konnte“, erzählt die 60-Jährige weiter.

Zuerst wurde die Telefonnummer vom DB-Mobilitätsservice gewählt. Dort wurde ihnen geraten, in den nächsten Zug nach St. Goar oder Bad Salzig zu steigen. „Aber wie soll das denn gehen, mit Rollstuhl und ohne Rampe?“, fragt Edwin Mandelkow und schüttelt den Kopf.

Als Nächstes wurde bei der 3-S-Zentrale der Bahn angerufen. Diese Telefonnummer soll einen schnellen und unkomplizierten Austausch zwischen Bahnfahrern und Mitarbeitern ermöglichen – und ist eigentlich für genau solche auswegslosen Situationen wie die der Mandelkows eingerichtet worden. Der 62-Jährige berichtet, dass dort dann ein Azubi ans Telefon ging. „Der konnte uns zwar sagen, dass es wohl eine dienstliche Anweisung von der Bahn gibt, dass man keine Rollstuhlfahrer in Boppard aussteigen lassen darf – weil es eben keinen Aufzug gibt. Aber weiterhelfen konnte der uns auch nicht.“ Der Tipp des Telefonisten: den nächsten Zug nach Koblenz zurück nehmen. „Und dann verliert man schon langsam die Geduld“, gibt Monika Mandelkow zu.

Rund zweieinhalb Stunden und viele erfolglose Anrufe später, musste schließlich das Rote Kreuz anrücken und Barbara aus ihrer misslichen Lage befreien. „Die wussten, wie man den Rollstuhl anpacken muss, und haben ihn und Barbara die Treppe runtergetragen“, erzählt Edwin Mandelkow. Und die Kosten für diesen Einsatz? Hätte eigentlich die Gruppe tragen müssen. „Aber sie haben uns gesagt, sie machen das aus Nächstenliebe“, erzählt Monika Mandelkow, und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Das Schiff haben sie dann sogar auch noch rechtzeitig erreicht – allerdings ohne davor einen schönen Nachmittag in Boppard verbracht zu haben. „Als wir am Abend dann wieder in Boppard angelegt haben, haben wir uns dann ein Behindertentaxi gerufen. Der Bahn haben wir nicht mehr vertraut“, sagt Monika Mandelkow.

Die Mandelkows und Barbara verlangen nun von der Bahn die Rückerstattung des Zugtickets und der Taxifahrt – auf beides warten sie bis heute vergebens. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte ein Sprecher der Deutschen Bahn lediglich, dass „mobilitätseingeschränkte Personen sich bei der Reiseplanung an den Mobilitätsservice der DB zu wenden haben ... für einen reibungslosen Ablauf der Reise“.

In den Ohren von Edwin und Monika muss das wie Hohn klingen, haben sie doch genau das getan, bevor sie nach Boppard gefahren sind. Ob sie rechtliche Schritte gegen die Bahn einleiten werden, sollten die Kosten nicht zurückerstattet werden, hält sich die Gruppe offen. „Aber eine ehrliche Entschuldigung, das ist doch das Mindeste“, findet Edwin Mandelkow.

Von unserer Reporterin Nina Kugler

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