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Koblenz

Ehrenbreitstein: Durch Festungsführung Gedächtnis trainieren

Winfried Scholz

Führungen auf der Festung Ehrenbreitstein gibt es eine Menge, oft sogar mehrere gleichzeitig. Der Niederberger Christof Wölk fragte sich: „Was bleibt eigentlich bei den Menschen nach einer Führung im Gedächtnis?“ Er hat die Erfahrung gemacht: „Leute, die Schloss Stolzenfels besucht haben, konnten sich kurz danach nur noch an die Filzpantoffel erinnern.“ Für die Festung Ehrenbreitstein bietet Wölk in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe daher Führungen mit Gedächtnistraining an.

Bei der Gedächtnisübung am Ehrenmal des Heeres galt es, sich Details der Bronzeskulptur des gefallenen Soldaten zu merken, die Christof Wölk (links) abfragt.
Bei der Gedächtnisübung am Ehrenmal des Heeres galt es, sich Details der Bronzeskulptur des gefallenen Soldaten zu merken, die Christof Wölk (links) abfragt.
Foto: wfs

Wölk ist zertifizierter Gedächtnistrainer und Fachreferent beim Bundesverband Gedächtnistraining. Beim Sportbund Rheinland hält er Seminare zum Thema „Denken und bewegen“. Wölk sagt: Bewegung fördert die Gehirntätigkeit.“ Bei einem gut 90-minütigen Rundgang über das Festungsgelände will Christof Wölk nach dem Motto „Den grauen Zellen Beine machen“ Historisches mit Gehirnjogging und Bewegung verbinden und auf diese Weise möglichst viel „Merk-Würdiges“ vermitteln.

Positiv gespannt sind Victoria und Sigmar Micke aus Koblenz. Sie sagen: „Wir finden das eine tolle Idee. Die Festung ist unser Hausberg. Einen Rundgang mit gleichzeitigem Test unserer Gehirnfunktion hat es bisher noch nicht gegeben.“ Nach kurzer Einführung am Modell im Eingangsbereich gibt es erste Übungen zur Siedlungsgeschichte und den verschiedenen Völkern und Menschen, die hier gewirkt haben. Vor dem Zugang zur eigentlichen Festung sollen sich die Teilnehmer anhand von mathematischen Kombinationen die Zahl 1139 merken, das Jahr, in dem die damalige Burg erstmals urkundlich erwähnt wurde. Es folgt eine Koordinationsübung beim Gang entlang der Langen Linie. Beim Auftreten mit links sollen die Teilnehmer von eins an aufwärts zählen, mit rechts von 99 an abwärts. Das erweist sich als zunehmend schwierig, auch wegen der Marschmusik in diesem Bereich und der zahlreichen anderen Besucher.

Am Ehrenmal des Heeres, das 1972 vom damaligen Verteidigungsminister Georg Leber feierlich eröffnet wurde, soll man sich Details der Bronzeskulptur des gefallenen Soldaten merken und aus den Antworten ein Lösungswort ermitteln. Aus der Inschrift auf der 2006 dazu gekommenen Stele, die an die gefallenen Soldaten der Bundeswehr erinnert, sollen Buchstaben- und Wortkombinationen gebildet werden. Mathematische Kombinationen sind gefordert im Zusammenhang mit wichtigen Daten aus der neueren Festungsgeschichte: 1794 – Eroberung von Koblenz durch französische Revolutionstruppen, 1795 bis 1799 – Belagerung des barocken Festungsbaus durch die französischen Truppen, 1801 Sprengung der barocken Festung durch die Franzosen, 1817 bis 1834 – Neubau der preußischen Festung unter König Friedrich Wilhelm III. Beim Gang durch die Lange Linie kommt die Gruppe auch an der Riesenkanone „Greif“ aus dem Jahr 1524 vorbei. Christof Wölk erzählt dabei deren wechselvolle Geschichte.

Auf dem Oberen Schlosshof gibt es noch mal Koordinationsübungen, zum Schluss die schwierigste: Die Teilnehmer sollen mit links die Zahl 1817 und mit rechts die Zahl 1834 in die Luft schreiben. Wölk rät: „Machen Sie das am Anfang nacheinander, gleich mit beiden Händen sind Sie überfordert.“ Auch bei Annette Sailer aus Koblenz gelingt es nicht sofort. Sie sagt trotzdem: „Diese Führung war bestens zum Entspannen geeignet und hat Spaß gemacht.“ Aber haben sich die Teilnehmer denn auch mehr gemerkt? Bei zwischenzeitlichen Abfragen durch Wölk antworteten sie zumindest meist richtig.

Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz

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