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Koblenz

Der deportierten und ermordeten Opfer gedenken: Sieben neue Stolpersteine in Koblenz verlegt

Peter Karges

111 Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig bislang in Koblenz verlegt. Sie sind immer vor dem Haus im Boden eingelassen, in dem die Opfer vor Inhaftierung oder Ermordung einmal gelebt haben. Nun sind sieben neue Stolpersteine dazugekommen.

Für die ermordeten Schwestern Johanna, Dorothea und Elisabeth Schneider verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig drei Stolpersteine im Markenbildchenweg 30.
Für die ermordeten Schwestern Johanna, Dorothea und Elisabeth Schneider verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig drei Stolpersteine im Markenbildchenweg 30.
Foto: Doris Schneider

Markenbildchenweg 30: Dort lebten die drei Schwestern Johanna, Dorothea und Elisabeth Schneider. Ihr Vater, der noch eine weitere Tochter hatte, war Weinhändler und von Bad Kreuznach nach Koblenz gezogen. Im November 1941 wurden die drei Schwestern gezwungen, in das sogenannte Judenhaus nach Kobern umzuziehen. Von dort wurden sie im März 1942 nach Polen in das Getto Izbica deportiert und dann ermordet. Bei der Verlegung der drei Gedenksteine erinnerte sich die Nichte der Ermordeten, Hanna Miley, wie sie aus der Eifel, wo sie in den 30er-Jahren mit ihren Eltern in Gemünden lebte, nach Koblenz kam, um ihre drei Tanten zu besuchen. „Und als einziges Kind der Familie wurde ich natürlich dementsprechend umsorgt und geliebt“, erzählte die in den USA lebende 85-Jährige, die mit ihrem Mann und einer größeren Gruppe nach Koblenz zur Verlegung der Stolpersteine gekommen war. Zum Gedenken an die Ermordeten legten evangelische Ordensschwestern Blumen neben die Stolpersteine.

Gunter Demnig verlegte in Koblenz nun sieben neue Stolpersteine.
Gunter Demnig verlegte in Koblenz nun sieben neue Stolpersteine.
Foto: Peter Karges

Emser Straße 365: Dort lebte die jüdische Metzgerfamilie Salomon. 1869 wurden hier Berta Salomon und 1871 Alexander Salomon geboren. Nach ihrer jeweiligen Heirat zogen beide aus Horchheim weg. 1942 wurden sowohl Alexander als auch Berta Salomon in den Osten deportiert und ermordet. Dem Holocaust entkommen konnte ihre Schwester Rebekka Salomon, die mit ihrem Mann Robert Fried Anfang 1939 in die USA flüchten konnte. Ihrem Sohn Otto Fried, der später ein renommierter Maler werden sollte, gelang bereits 1936 die Flucht in die USA. Sein Bruder Ernst Fried starb 1937 an den Folgen einer schweren Diphterie, Berichten zufolge war ihm ärztliche Behandlung verweigert worden.

Ravensteynstraße 10: Mathilde Morgenthau, die dort bis 1942 lebte, stammte ursprünglich aus St. Johann in Rheinhessen. Mit ihrem Mann Otto Morgenthau betrieb sie eine Metzgerei in der Eltzerhofstraße, die sie 1918 aufgab, nachdem ihr Ehemann in Frankreich gefallen war. Im Sommer 1942 wurde sie in Treblinka ermordet.

Damit sind 118 Stolpersteine in Koblenz verlegt worden. In diesem Jahr soll noch ein Buch von Hans-Peter Kreutz von der Koblenzer Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit erscheinen. Zudem ist für 2019 das Verlegen weiterer Stolpersteine geplant.

Von unserem Mitarbeiter Peter Karges

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