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Mosel/Koblenz

Blaualgen-Alarm: In der Mosel ist Vorsicht angesagt

Vorsicht beim Schwimmen in der Mosel oder bei sonstigen Freizeitaktivitäten am oder im Fluss: Landesumweltministerin Ulrike Höfken warnt vor einer Verseuchung durch sogenannte Blaualgen. Und die können Mensch und Tier gefährlich werden. Doch wo kommen die massenhaft auftretenden Bakterien plötzlich her?

Blaualgen breiten sich aus – hier in Sachsen.
Blaualgen breiten sich aus – hier in Sachsen.
Foto: Christian Fischer

In der Mosel von Traben-Trarbach bis Koblenz hat das Landesamt für Umwelt eine Massenentwicklung von Cyanobakterien in Teilbereichen festgestellt. „Vorsorglich sollten daher Gewässer- und Uferbereiche mit deutlich grüner Färbung gemieden werden. Dies gilt insbesondere für Kleinkinder, aber auch für Badende und Wassersportler. Das Trinken oder Verschlucken von Moselwasser ist zu vermeiden, auch Haustiere sind vom Moselwasser fernzuhalten“, warnt Höfken laut Pressemitteilung ihres Ministeriums.

Die konkreten Ursachen für dieses für die Mosel neue Phänomen sind demnach bislang nicht bekannt. „Die zunehmend warmen Temperaturen durch den Klimawandel sowie die Nährstoffbelastung der Flüsse können zu solchen Belastungen führen“, erklärt die Ministerin lediglich.

Die weitere Entwicklung der Algenblüte wird intensiv von den zuständigen Behörden verfolgt. Vereinzelt treten diese Erscheinungen auch an der Obermosel und an der Saar auf. Blaualgen sind als grüne Schlieren und schwimmende grüne Teppiche – insbesondere in langsam fließenden Bereichen – zu beobachten. Gebildet werden diese Schlieren von Vertretern der Gattung Microcystis. Sie gehört zu den Cyanobakterien, die schädliche Stoffe für die menschliche Gesundheit bilden können, wie das Ministerium weiter erläutert.

Die Mosel ist der Freizeitfluss schlecht hin – ein Wassersportparadies, wie hier auf Höhe des Winninger Uhlen eingefangen. Doch derzeit sollte man lieber aus dem Wasser bleiben: Das Landesumweltministerium warnt vor massenhaft auftretenden Blaualgen.
Die Mosel ist der Freizeitfluss schlecht hin – ein Wassersportparadies, wie hier auf Höhe des Winninger Uhlen eingefangen. Doch derzeit sollte man lieber aus dem Wasser bleiben: Das Landesumweltministerium warnt vor massenhaft auftretenden Blaualgen.
Foto: Tim Kosmetschke

„Mir ist eine Ausbreitung in der Form an der Mosel bislang nicht bekannt“, sagte der Leiter des Referats Gewässerökologie und Fischerei beim Landesamt für Umwelt, Lothar Kroll. Blaualgen kämen im Sommer immer mal wieder in stehenden Gewässern vor, vereinzelt seien sie auch in langsam fließenden Flüssen zu finden. Dass sie aber derart Oberwasser bekommen wie nun in der Mosel, sei neu. Die Dominanz der Blaualgen in Teilen der Mosel könnte mit der explosionsartigen Ausbreitung des Fisches Schwarzmundgrundel zu tun haben, sagte Kroll. Die Grundeln, die jedes Jahr mehr würden, hätten von April bis September ständig Nachwuchs, der sich von kleinen Wasserflöhen und Hüpferlingen ernähre. „Wenn viele davon gefressen werden, ist dann keiner mehr da, der die Algen frisst“, sagte Kroll.

Angesichts dieser Entwicklung ist es möglicherweise von Vorteil, dass das Wetter derzeit eh nicht zu Badespaß in den Flüssen einlädt – dabei sind Rhein und Mosel gerade im Sommer beliebte Ausweichziele für alle, die nicht ins Freibad möchten. Ziele freilich, die nicht ungefährlich sind: Erst zum Beginn des Sommers hatte die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord vom Baden in Fließgewässern grundsätzlich abgeraten – nicht nur wegen der Gefahr durch Schiffsverkehr und Strömungen, sondern auch wegen der Wasserqualität. Dabei ist diese insbesondere von Rhein und Mosel in den vergangenen Jahren zwar besser geworden. Aber auch die modernsten Kläranlagen könnten „nicht alle bakteriellen Belastungen“ zurückhalten, wie die SGD im Juni gegenüber der RZ erklärte.

„Grundsätzlich können sich im Abwasser alle im menschlichen Umfeld vorkommenden Keime wiederfinden. Keimbelastungen können zudem auch unabhängig von Abwassereinleitungen auftreten“, erklärte die SGD, wobei nicht alle Keime zwangsläufig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen führen.

Cyanobakterien kommen immer mal wieder in Badeseen vor, zuletzt beispielsweise auch im Maxsainer Weiher im Westerwald, wo das Baden nur unter Warnstufe möglich ist. Das dortige Gesundheitsamt warnte, dass es wegen der Bakterien zu Magen-Darm-Beschwerden und Reizungen der Haut kommen kann. Diese Algen zählen zu den ältesten Lebensformen überhaupt. Hoher Phosphat- und Nährstoffgehalt im Wasser begünstigen in Verbindung mit höheren Wassertemperaturen die Entwicklung der Bakterien. In diesem Jahr war ein Berliner See so stark mit Blaualgengift belastet, dass Fische am Gift der Blaualge gestorben sind. red

Koblenz
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