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Koblenz

Bildungsforum holt Provokateure an die Uni

Die klassische Schule: abschaffen! Die private Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar: alles andere als ein Ort der universitären Glückseligkeit. Abi? Geht auch ohne Gymnasium. Mit diesen provokanten Thesen wird das 2. Bildungsforum an der Uni Koblenz sicherlich für reichlich Zündstoff im Hörsaal sorgen.

Bildungsforum
Sie bereiten das Bildungsforum an der Koblenzer Uni vor, das mit einem ehrgeizigen und kontroversen Programm nicht nur Studenten offen steht: (von links) Peter Babnik, Jana Veith, Christine Troles, Catharina Fuhrmann, Miriam Löhr, Benjamin Brass und Dominik Müller.
Foto: Annette Hoppen

Koblenz – Die klassische Schule: abschaffen! Die private Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar: alles andere als ein Ort der universitären Glückseligkeit. Abi? Geht auch ohne Gymnasium. Mit diesen provokanten Thesen wird das 2. Bildungsforum an der Uni Koblenz sicherlich für reichlich Zündstoff im Hörsaal sorgen.

Die Schule nennt er einen „tragischen Unfall“. Stattdessen postuliert er eine „Kultur der Muße“ und singt ein Loblied auf die Langweile: Wer sich im Internet durch die Bibliografie des „frei schaffenden Philosophen“ Bertrand Stern klickt, merkt schnell, welch streitbarer Geist da publizistisch, gesellschafts- und zivilisationskritisch am Werke ist. Mit seinem herausfordernden Bekenntnis, die Schule kurzerhand abzuschaffen, ist Stern nun zu Gast an der Universität Koblenz (Mittwoch, 12. Juni, 16 bis 18 Uhr, Raum B 016/017) – als einer von zahlreichen namhaften Referenten, die beim zweiten Bildungsforum auf dem Campus in Metternich sicherlich für eine lebhafte bildungspolitische Debatte sorgen werden.

Zeit zur Diskussion soll es, wie bei fast allen der rund 30 Veranstaltungen des Bildungsforums, auch nach dem Vortrag von Bertrand Stern geben, wie Dominik Müller, Lehramtsstudent und einer der Initiatoren des Bildungsforums, ankündigt. Der Gedankenaustausch ist den Organisatoren wichtig. Und das Anregen zum Gedankenmachen. Und weil das in der Regel dann besonders fruchtbar gelingt, wenn provokante Thesen im Raum stehen, ist Stern beileibe nicht der einzige Provokateur in dem über eine Woche laufenden Veranstaltungsreigen.

Der soll übrigens nicht nur Studenten ansprechen. „Das Bildungsforum ist ein offener Ort für alle, denen eine vielseitige, kritische und innovative Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Phänomen Bildung am Herzen liegt“, ergänzt Jana Veith, wie Müller Lehramtsstudentin und ebenfalls im Organisationsteam aktiv. Innovativ und kritisch sind die Themen in der Tat, die das Bildungsforum aufgreift.

„Ich lerne was ich will“ etwa heißt ein Dokumentarstreifen über das Konzept des Offenen Unterrichts von Falko Peschel, den der Filmemacher Georg Lolos gedreht hat und der am Montag, 17. Juni, in der Uni zu sehen sein wird (14 bis 16 Uhr, Raum B 016/017). Falko Peschel, Grundschullehrer und Erziehungswissenschaftler, propagiert in Anlehnung an die Freinet-Pädagogik einen Unterricht ohne zu unterrichten. Nach der Filmvorführung steht auch Filmemacher Georg Lolos für eine Diskussionsrunde bereit.

Auf eine solche darf sich auch Mojtaba Sadinam bereits einstellen. Der gebürtige Iraner war Stipendiat der Otto Beisheim School of Management (WHU) in Vallendar, einer der europaweit angesehensten Wirtschafts-Kaderschmieden. Aber Sadinam schmiss hin – und ließ jüngst in einem „Spiegel“-Interview kein gutes Haar an der Privat-Uni. In Koblenz wird Sadinam auch seine Zeit an der WHU zum Thema machen. Unter der Überschrift „Normierung durch Bildung“ spricht er mit seinem Bruder Masoud über ein Buch, das er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern geschrieben hat. Der Titel: „Unerwünscht – Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte“ (Montag, 17. Juni, 16 bis 18 Uhr, Raum B 016/017).

Vielleicht hätte Sadinam nie das Bedürfnis einer Bildungsschelte gehabt, wäre er in eine Schule gegangen, die nach den Prinzipien und Postulaten des Reformpädagogen Otto Herz handelt. Herz, beteiligt am Aufbau der Bielefelder Laborschule und bis Mitte der 80er-Jahre Oberleiter an der reformpädagogischen Hermann-Lietz-Schule auf Spiekeroog, ist am Donnerstag, 13. Juni, in Koblenz zu Gast. Seine Fragestellung wird lauten: „Ist die – gegenwärtige – Schule ein Auslaufmodell?“ (18 bis 20 Uhr, Hörsaal M 001).

Oder vielleicht hätte Sadinam seine Bildung einfach selbst in die Hand nehmen sollen, so wie eine Gruppe von Schülern aus Freiburg, die „Methodos“ gegründet haben: eine Lerngruppe, in der sich Oberstufenschüler selbstbestimmt, selbstverwaltet und selbstorganisiert auf das Abitur vorbereiten. Dass dies gelingen kann, hat Alia Ciobanu unter Beweis gestellt. 2011 legte die Freiburgerin ihre Allgemeine Hochschulreife ab, ohne die gymnasiale Oberstufe besucht zu haben. Die Autorin des Buches „Revolution im Klassenzimmer – wenn Schüler ihre eigene Schule gründen“ spricht am Freitag, 14. Juni, an der Koblenzer Uni (16 bis 18 Uhr, Raum B 016/017).

Annette Hoppen


Das komplette Programm des Bildungsforums gibt es

im Internet unter www.uni-koblenz.de/bildungsforum

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