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Bendorf

Bendorf: Einblicke in die schöne, neue Wirtschaftswelt

Reinhard Kallenbach

Da hilft kein Jammern und kein Klagen: Das Rad der technologischen Veränderungen dreht sich immer schneller. Und wer sich auf diese Entwicklung nicht einstellt, wird irgendwann vom Markt verschwinden. Das ist die zentrale Botschaft des 23. Bendorfer Wirtschaftstages, der ganz anders war als sonst. Und das lag nicht nur am Wechsel des Veranstaltungsortes.

Der Marketingspezialist Marc Ulrich referierte beim Bendorfer Wirtschaftstag nicht nur über das Silicon Valley, sondern auch über Veränderungen, auf die sich auch die Unternehmer in der Region einstellen müssen.
Der Marketingspezialist Marc Ulrich referierte beim Bendorfer Wirtschaftstag nicht nur über das Silicon Valley, sondern auch über Veränderungen, auf die sich auch die Unternehmer in der Region einstellen müssen.
Foto: Reinhard Kallenbach

Weg von der Stadthalle hin zur Krupp’schen Halle, die auch für Vortrags- und Podiumsabende sehr gute Rahmenbedingungen bietet: Mehr als 200 Besucher wussten diese Veränderung zu würdigen – die Wirtschaftstag-Kulisse 2017 war in der Tat rekordverdächtig. Auch auf der Bühne lief alles anders. Im Mittelpunkt stand vor allem die vierte industrielle Revolution, wobei Michael Kessler lieber von Wirtschaft 4.0 – dem Leitmotiv des Abends auf dem Denkmalareal Sayner Hütte – sprach. Denn nicht nur in der Produktion beschleunigen sich die Entwicklungen. Für den Bürgermeister war dies ein Anlass, auf den traditionellen Rückblick über Aktivitäten und Erfolge von Verwaltung und Gremien zu verzichten. Stattdessen erinnerte er an die wichtigsten Stationen der Geschichte der Sayner Hütte. Ist das Industrie- und Kulturdenkmal doch das Sinnbild für den Beginn der Industrialisierung im Königreich Preußen – und leider auch ein Symbol für das, was passiert, wenn sich infolge des technologischen Fortschritts Schwerpunkte verlagern. So weit soll es dieses Mal nicht kommen. Nicht umsonst war der Begriff Digitalisierung das eigentlich Schlüsselwort des Abends, wobei Landrat Alexander Saftig nicht mit kritischen Anmerkungen sparte. Denn nicht nur aus seiner Sicht geht es mit dem flächendeckenden schnellen Internet viel zu langsam, obwohl es sogar Förderprogramme gibt. Die Frage, warum man eigentlich den kompletten Ausbau der hierfür erforderlichen Infrastruktur ausschließlich der Privatwirtschaft überlässt, stand offen im Raum, denn bekanntlich können Unternehmen nur dann investieren, wenn unter dem Strich für sie etwas herauskommt. Weitere Kritikpunkte Saftigs waren zu lange Verhandlungs-, Planungs- und Genehmigungszeiträume. Das geht in anderen Ländern flotter. Wie schnell es mitunter zugeht, zeigte Marc Ulrich am Beispiel Silicon Valley. Der Inhaber einer Marketingagentur in Bad Neuenahr-Ahrweiler hatte jüngst im Rahmen einer Kalifornienreise die Chance erhalten, hinter die Kulissen der Branchengrößen der Digitalisierung zu sehen. Und sein Impulsvortrag war – je nach Standpunkt – faszinierend und auch besorgniserregend. Wie dem auch sei: Der Vortrag zeigte auf jeden Fall das, was die amerikanischen Unternehmen der deutschen Konkurrenz voraushaben: Die wenigsten erklären, warum etwas nicht geht, sondern blicken nach vorn. Das führt oft zu erstaunlichen Ergebnissen. So gibt es in den USA den Prototyp eines Autos, dessen Teile zu 90 Prozent biologisch abbaubar sind. Ob das Ganze jemals in Serie gehen wird, ist offen. Die Entwickler gehen unter der Devise „egal ob das was wird, unsere Autos der Zukunft können fliegen“, einfach das nächste Großprojekt an. Denn: Wer mit der serienreifen Entwicklung und Vermarktung eines Projekts – egal als Forscher oder Unternehmer – scheitert, ist nicht so schnell „verbrannt“ wie in Deutschland. Der Neustart wird somit schneller. Umgekehrt hat die deutsche Nachdenklichkeit auch ihre Vorteile. Der Vortrag zeigte nämlich auch, dass es nicht immer sinnvoll ist, das Machbare sofort in Serie gehen zu lassen. Die Folgen für den weltweiten Arbeitsmarkt und damit für die Gesellschaften wären kaum zu kalkulieren.

Fazit des Abends: Auf die richtige Dosis kommt es an, wobei selbst Kleinunternehmer in der Pflicht sind, wachsam zu sein. So steht in Kürze eine Revolution im Internetmarketing bevor. Schon jetzt ist es möglich, im Netz vieles mündlich zu erledigen. Die Betreuung von Kunden über das weltweite Netz muss also individueller werden. Unternehmer, die sich nicht mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ auseinandersetzen, laufen Gefahr, einfach nicht mehr gefunden und damit abgehängt zu werden. Der Niedergang des Weltunternehmens Kodak hat gezeigt, wie schnell es gehen kann, wenn man technologische Veränderungen verschläft oder einfach nicht ernst nimmt.

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

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