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Bassenheim

Bassenheim: Sieben ermordete Juden, sieben Stolpersteine

Winfried Scholz

Am 22. März 1942 sind in Bassenheim Menschen jüdischen Glaubens auf einem Lastwagen aus ihrem Heimatort abtransportiert und anschließend in überfüllten Viehwaggons in das Vernichtungslager Izbica deportiert worden, wo sie dann ermordet wurden oder aufgrund der menschenverachtenden Behandlung im Lager ums Leben kamen. 75 Jahre später hat die Ortsgemeinde Bassenheim nun sieben ehemaligen jüdischen Mitbürgern mit der Verlegung von Stolpersteinen durch den Kölner Künstler Günter Demnig gedacht. Rund 20 Bürger waren dabei anwesend.

Vor dem Haus Koblenzer Straße 46 wurde mit Stolpersteinen der vier ermordeten Mitglieder der Familie Simon gedacht. Sie gehörten zu den sieben Bassenheimer Juden, die am 22. März 1942 über Koblenz ins Nazi-Vernichtungslager Izbica deportiert worden waren.
Vor dem Haus Koblenzer Straße 46 wurde mit Stolpersteinen der vier ermordeten Mitglieder der Familie Simon gedacht. Sie gehörten zu den sieben Bassenheimer Juden, die am 22. März 1942 über Koblenz ins Nazi-Vernichtungslager Izbica deportiert worden waren.
Foto: Winfried Scholz

Ortsbürgermeister Arno Schmitz betonte: „Wir wollen damit das Bewusstsein wachhalten und schärfen, dass nie mehr ein solches Unrecht geschehen darf.“ Die Initiative war von einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss ausgegangen. Schmitz erklärte: „Wir erinnern heute an die sieben Menschen, deren Schicksal uns bekannt ist.“

Am 30. Januar 1933, als die Nazis die Macht ergriffen, lebten rund zwei Dutzend Juden in Bassenheim. Ein Teil konnte ins Ausland fliehen, einige starben eines natürlichen Todes oder könnten die Lager überlebt haben. Nach dem Ratsbeschluss im Mai 2015 hatte eine Arbeitsgruppe in verschiedenen Archiven recherchiert. Der kürzlich zum Ehrenbürger ernannte Josef Seul erinnerte vor den beiden Häusern in der Mayener und der Koblenzer Straße an die sieben heute bekannten Opfer. Klara und Rosa Haimann führten in der Mayener Straße 28 ein Café. Ältere Bassenheimer erinnerten sich noch an die Liebenswürdigkeit der beiden Frauen und den hervorragenden Kuchen. Der ältere Bruder Isidor betrieb eine kleine Landwirtschaft und eine Pferdehandlung. Die drei wurden vor 75 Jahren über Koblenz ins Vernichtungslager Izbica deportiert. Ihre Schwester Tilly konnte nach dem Krieg mit ihrer Familie, darunter vier Kindern, in die USA auswandern. Das Adoptivkind Paul, der katholischen Glaubens war, wurde ebenfalls von den Nazis ermordet. Über das Schicksal der Schwester Regine ist nichts mehr bekannt. Im Haus Koblenzer Straße 46 lebten mehr als drei Generationen Bassenheimer Juden, bis 1932 die Familie Simon. Sie verkaufte das Haus und zog in das jüdische Bethaus in der Charlottenstraße. Frieda Simon und ihre Söhne – der Anstreicher Manfred, der Schreiner Siegfried und der Schüler Norbert – wurden ebenfalls am 22. März 1942 ins Lager Izbica deportiert und ermordet. Siegfried Simon wurde in das KZ Mauthausen gebracht, wo er am 16. Mai 1945, wenige Tage nach dessen Befreiung, starb.

Musikalisch umrahmt wurde die Zeremonie durch ein in Bassenheim ansässiges Quartett der Kreismusikschule Mayen-Koblenz. Sie spielten jüdische Klezmer-Melodien des Komponisten Mordechai Gebirtig, der ebenfalls 1942 in einem KZ ermordet worden war.

Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz
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