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Barcamp, Hackathon und noch mehr Zukunft: Warum Digitalisierung eine große Chance fürs Handwerk ist

Im Handwerk tut sich was. Das ist klar zu beobachten. Denn auch hier greift die Digitalisierung um sich. Das war beim Barcamp Koblenz 2018 Anfang Juni deutlich zu erkennen. Doch wie kann eine solche Veranstaltung das Handwerk voranbringen?

Christoph Krause ist Projektleiter beim Kompetenzentrum Digitales Handwerk. Als gelernter Designer kann er, wie er selbst sagt, den komplexen Fragen, die die Digitalisierung stellt, begegnen. Von gemeinsam mit anderen erarbeiteten Lösungsansätzen soll dann auch das Handwerk profitieren. Das Foto zeigt der 40-Jährige im Atrium des Zentrums für Ernährung und Gesundheit, dort wo auch das Barcamp stattfindet. Foto:  Markus Eschenauer
Christoph Krause ist Projektleiter beim Kompetenzentrum Digitales Handwerk. Als gelernter Designer kann er, wie er selbst sagt, den komplexen Fragen, die die Digitalisierung stellt, begegnen. Von gemeinsam mit anderen erarbeiteten Lösungsansätzen soll dann auch das Handwerk profitieren. Das Foto zeigt der 40-Jährige im Atrium des Zentrums für Ernährung und Gesundheit, dort wo auch das Barcamp stattfindet.
Foto: Markus Eschenauer

Was sind die Chancen? Wie bereiten sich die Akteure auf Herausforderungen vor? Gemeinsam mit Christoph Krause, Projektleiter beim Kompetenzzentrum Digitales Handwerk, geben wir Antworten:

1 Warum ist das Barcamp eine Ideenschmiede? Rund 200 Menschen waren ins Zentrum für Ernährung und Gesundheit der Handwerkskammer nach Koblenz gekommen, um sich über Digitalisierung in all ihren Facetten auszutauschen. Dieses vierte Barcamp Koblenz, im Internet präsent unter dem Hashtag #bcko18, ist bislang das Größte in der Rhein-Mosel-Stadt gewesen. So unterschiedlich die Teilnehmer waren, so vielseitig waren auch die angebotenen Sessions – also Vorträge und offene Workshops in Kleingruppen. Die Themen reichten vom 3-D-Druck über Markenbildung bis hin zu Internetsicherheit und dem großen Schlagwort Mindset.

Der Erfolg gibt den Machern, neben Christoph Krause die kreativen Köpfe der Medienagentur 247grad, recht. Aus diesem Grund sei eine wichtige Entscheidung bereits gefallen: „Es wird das Barcamp Koblenz 2019 geben“, sagt Krause. Alle Sponsoren seien wieder im Boot, um einen Ort des Austauschs zu schaffen, an dem gemeinsam die Zukunft gedacht werden kann.

2 Was ist aus dem Barcamp heraus entstanden? Ende Juli geht in Koblenz der erste Hackathon Handwerk über die Bühne. Dabei werden keine Sicherheitssysteme im Internet gehackt, sondern Geschäftsmodelle“, erklärt Christoph Krause. Konkret werden zehn Unternehmen aus zehn verschiedenen Gewerken an zwei Tagen zehn Geschäftsmodelle erarbeiten. Die Idee für diesen ersten deutschen „Handwerk Hackathon“ wurde im vergangenen Jahr beim Barcamp geboren – bei Überlegungen zum Begriff „Internet der Dinge“. Das gilt es jetzt, weiter mit Inhalten zu füllen.

Das Barcamp 2018 in Koblenz: Session-Plan am ersten Tag.
Das Barcamp 2018 in Koblenz: Session-Plan am ersten Tag.
Foto: Markus Eschenauer

3 Was ist das „Internet der Dinge“? 2017 tauchte das „Internet der Dinge“ als großes Thema der Digitalisierung auf. „Aber eigentlich hat keiner Antworten auf die Frage, was das konkret für mein Handwerksunternehmen, für meine Handwerksbranche, für mein Gewerk, für die Wirtschaft heißt “, sagt der gelernte Designer Krause. Wichtiger Aspekt: Was wird sich durch Sensoren, die Daten aufzeichnen, die Daten an eine Plattform geben und daraus eine Wertschöpfung generieren, verändern? Weil es darauf im Handwerk derzeit im Grunde noch keine Antworten gibt, habe das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Kompetenzzentrum Digitales Handwerk selbst mal eine gebaut: ein Stück Holz von Julia Kasper aus Koblenz ( www.holzgespuer.de), mit dem man chatten kann. Man kann fragen „Wie geht's Dir?“ und dann antwortet das Holz mit der Holzfeuchtigkeit, der Umgebungstemperatur und der Raumfeuchtigkeit.

„Das sind wichtige Faktoren für einen Tischler, denn der muss das bisher händisch messen und kann das nun über einen Sensor und eine Plattform machen“, erklärt Krause das Beispiel. Einblicke in die Möglichkeiten, die dieses noch neue Feld fürs Handwerk bietet, welche Sensoren es gibt, welche Daten aufgezeichnet werden können, wie diese ausgewertet werden, soll dann auch der Hackathon im Juli verdeutlichen und demonstrieren.

4 Was braucht man für das Internet der Dinge im Handwerk? „Drei Dinge“, lautet die Antwort von Christoph Krause:

  • die Sensoren.
  • das Netz, in dem die Daten transportiert werden. Für den Hackathon wurde eigens ein mehrere Kilometer umfassendes Funknetzwerk geschaffen, damit sich die Beteiligten austauschen können.
  • eine Plattform, auf der aus den Daten Wertschöpfungsketten abgeleitet werden.

„Diese drei Komponenten haben wir gemeinsam mit der Universität Koblenz für das Handwerk umgesetzt. Die sind jetzt in Koblenz verfügbar und können auf dem Hackathon und natürlich danach genutzt werden“, erklärt der 40-Jährige.

5 Wie wichtig ist ein gutes Netz für das Handwerk? Beim kabelgebundenen Breitbandausbau müsse Rheinland-Pfalz Gas geben, betont Christoph Krause. Denn viele Handwerksbetriebe geraten jetzt schon an ihre Grenzen, wenn es beispielsweise um das schnelle Versenden großer Datenmengen geht. Für 4.0 in der Digitalisierung, wo es um Echtzeit geht, reicht die jetzige Kapazität gerade in den ländlichen Regionen absolut nicht aus. Aber es brauche darüber hinaus auch eine Funkstruktur für Daten aus Objekten in der Luft. Große Konzerne schaffen sich laut Krause selbst solche Netze. Aber was macht der kleine Mittelstand im Internet der Dinge? Der Hackathon Handwerk soll eine erste Antwort geben.

Ein Screenshot der Ankündigung für den ersten deutschen Hackathon Handwerk am 26. und 27. Juli.
Ein Screenshot der Ankündigung für den ersten deutschen Hackathon Handwerk am 26. und 27. Juli.

6 Wie stehen die Chancen für das Handwerk? „Das Handwerk kommt schnell auf gute Ideen“, betont Christoph Krause. Deshalb sollten sich Betriebe auch nicht verstecken oder gar mit Sorgen in die Zukunft schauen, sondern offen für Neues sein und vorangehen. Aus diesem Grund könnte er sich auch vorstellen, dass in jedem Ausbildungsgang ein Hackathon stattfindet, an dem die Auszubildenden sich weiterentwickeln können. Dann würden die Nachwuchskräfte beispielsweise den Umgang mit Prozessen kennenlernen und sich eine Prozesskompetenz erarbeiten. „Wenn wir deutschlandweit beim digitalen Handwerk, auch im Bereich Internet der Dinge, führend sind, dann haben wir eine ganz andere Anziehungskraft auf dem Markt an Fachkräften und Nachwuchs“, gibt sich Krause überzeugt.

7 Ist die Digitalisierung nicht auch eine Gefahr fürs Handwerk? Ein Großteil der „Hand“ wird bleiben. Das ist für Christoph Krause keine Frage – gerade bei komplexen Fragestellungen. „Wer glaubt, dass Digitalisierung das Handwerk komplett ablöst, liegt vollkommen falsch!“ Auch den 3 D-Druck beziehungsweise die „Additive Fertigung“, wie es richtig heißt, sieht Krause nicht als Gefahr, sondern als Chance für das Handwerk. Denn dadurch sei es erstmals möglich, industrielle Prozesse in kleinen Betrieben zu vollziehen. „Durch Micro Fabrics, also kleine Produktionseinheiten, kann das Handwerk plötzlich in ganz andere Produktionsstrukturen hineinkommen.“ Ein Beispiel wäre ein Optiker, der ein Brillengestell direkt vor den Augen des Kunden „ausdruckt“.

8 Wie müsste es jetzt weitergehen? Eigentlich müsste es jetzt das Barcamp „in Groß“ geben, sagt Christoph Krause, also einen überregionalen Gedankenaustausch, bei dem Menschen aus der Technik, die es umsetzen können, mit den Unternehmern, den Handwerkern und den regionalen Netzwerkplayern gemeinsam flächendeckend in Aktion treten. „Das versuchen wir auch beim Hackathon, indem wir über Facebook zuschauen lassen“, sagt Krause. Denn das Ziel ist es: Andere Organisationen sollen die Denkweisen und Prozesse in ihre Region übertragen können.

Von unserem Redakteur Markus Eschenauer

Kurze Erklärung: Was genau ist ein Barcamp?

Vorstellungsrunde beim Barcamp Koblenz 2018. Bei rund 200 Teilnehmern hat das ein bisschen gedauert.  Foto: Markus Eschenauer
Vorstellungsrunde beim Barcamp Koblenz 2018. Bei rund 200 Teilnehmern hat das ein bisschen gedauert.
Foto: Markus Eschenauer

Ein Barcamp ist eine offene Konferenz. Heißt: Jeder, der möchte, kann Vorträge halten oder Workshops anbieten. Alle Teilnehmer sind gleich.

Während der Veranstaltungen wird das „Du“ verwendet. Das Koblenzer Barcamp dauert zwei Tage. Das hat sich bewährt, weil es den Austausch fördert. Es gibt jeweils am Morgen eine Vorstellungsrunde, anschließend werden die Sessions geplant, und dann geht's los.

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