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    Analphabetismus: Grundbildung und VHS Koblenz bieten Hilfe an

    Auf 21 Plakattafeln wird ganz anschaulich verdeutlicht, was es bedeutet, wenn jemand gar nicht oder nur sehr schlecht lesen oder schreiben kann. Da ist zum Beispiel einer, der – wenn er mit Kollegen essen geht – immer Schnitzel mit Pommes bestellt. Denn das gibt es quasi überall, und so muss niemand merken, dass er mit der Speisekarte heillos überfordert ist. Ein anderes Plakat zeigt eine Anzeigentafel am Flughafen oder am Bahnhof. Etwaige Änderungen sind für Menschen, die nicht richtig lesen können, nicht ersichtlich.

    Ganz normaler Alltag: Man muss auf dem Plan schauen, wann der nächste Bus wo abfährt. Für Menschen, die nur mit Mühe lesen können, ist auch das ein echtes Problem.
    Ganz normaler Alltag: Man muss auf dem Plan schauen, wann der nächste Bus wo abfährt. Für Menschen, die nur mit Mühe lesen können, ist auch das ein echtes Problem.
    Foto: Sascha Ditscher

     

    Und es sind viele, sagen Heiko Hastrich vom Netzwerk Grundbildung, und Nicole Kuprian, Leiterin der Koblenzer Volkshochschule, im Gespräch mit der Rhein-Zeitung. Um auf die Betroffenen aufmerksam zu machen, für deren Situation zu sensibilisieren und Hilfsangebote zu machen, ist ab kommender Woche die Ausstellung mit den 21 Bildtafeln im Foyer der Volkshochschule zu sehen. Kurse zur Alphabetisierung bietet die VHS, deren Sommersemester am 13. Februar beginnt, zudem fortlaufend an, derzeit in drei unterschiedlichen Kursen montagnachmittags. Ein Einstieg in den Kurs ist jederzeit möglich.

    Was die Teilnehmer können, ist extrem unterschiedlich. Manche haben nicht alle Buchstaben gelernt und können eigentlich keine ganzen Wörter lesen, andere haben Mühe, einen Satz zu lesen, geschweige denn zu verstehen, wieder andere können zwar ganz gut lesen, aber nur sehr schlecht schreiben. Wie sie es durch die Schulzeit geschafft haben, ist oft unklar. Tatsache ist: Wer Lesen und Schreiben nicht in der Zeit der Grundschule lernt, in der es vorgesehen ist, der hat später in der Schule kaum noch Gelegenheit dazu. Denn das wird dann einfach vorausgesetzt.

    „Viele gehen später auch einfach gar nicht mehr hin“, sagt Heiko Hastrich, der für das Kompetenznetzwerk Grundbildung und Alphabetisierung als Koordinator der Region Mittelrhein/Westerwald/Taunus mit Sitz in Andernach tätig ist. Und: „Wer nicht gut lesen kann, meidet die Situationen auch, wo er kann“, ergänzt Nicole Kuprian. „Man kann das tatsächlich verlernen, so wie die Vokabeln einer Fremdsprache, die man nicht nutzt.“

    Viele, die nicht gut lesen und schreiben können, verbergen das vor ihrer Umwelt, manchmal sogar vor dem eigenen Partner. Ein Kursteilnehmer hat beispielsweise erzählt, dass seine Frau auch nach 35 Ehejahren nichts mitbekommen hat. „Ich bin zu müde, um mich um den Schreibkram zu kümmern, du kannst das besser“, sind typische Ausflüchte, weiß auch Heiko Hastrich, der lange Jahre Alphabetisierungskurse geleitet hat. Aber die Arbeitswelt wird immer schwieriger. „Früher konnte man als Lagerarbeiter vor sich hin wurschteln, heute müssen auch die oft komplizierte Sachen am Computer machen“, nennt Hastrich ein Beispiel. Viele Betroffene wollen aber auch selbst etwas ändern, etwa um im Beruf besser vorankommen zu können oder wenn sie Kinder haben, die selbst zur Schule gehen. „Dann wollen sie mithalten können.“

    Nicht alle aber gehen in Kurse. Das Kompetenznetzwerk Grundbildung und Alphabetisierung, gefördert durch EU-Gelder, geht deshalb auch neue Wege. In Andernach gibt es beispielsweise bereits ein wöchentliches Lerncafé in Räumen der Volkshochschule, wo Leute einfach vorbeikommen und zum Beispiel am Computer Lernprogramme machen können. „ich-will-lernen.de“ ist ein solches Lernportal, das bei der Alphabetisierung hilft, aber auch Grundbildung unterstützt. Denn das gehört eng zusammen, sind Nicole Kuprian und Heiko Hastrich fest überzeugt.

    Die Ausstellung in der Volkshochschule Koblenz wird am Montag aufgebaut und ist dann bis Mitte März zu sehen.

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

     

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