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    Alles gut im Wanderparadies? Von wegen! Eifelvereine üben Kritik

    Eifelvereine kritisieren fehlende Kooperationen und sehen bei Gastronomie und ÖPNV entlang der Wanderstrecken noch Luft nach oben. Die RZ hat mit dem Eifelverein Untermosel und Mayen gesprochen.

    Wanderer mit Leib und Seele: Joachim Rogalski (links) und Wolfgang Schmid finden, dass die Vereine kaum gehört werden. 
    Wanderer mit Leib und Seele: Joachim Rogalski (links) und Wolfgang Schmid finden, dass die Vereine kaum gehört werden. 
    Foto: Katrin Steinert

    Die heimischen Touristiker setzen verstärkt darauf, die Region mit ihren Fernwanderwegen, Traumpfaden und Traumpfädchen als Wanderland zu bewerben – vor allem, um Hoteliers und Gastronomen weitere Gäste zu bescheren. Heimische Wandervereine finden die Marketingbestrebungen zwar gut, meinen aber, dass die Region mehr tun müsste, um weitere Wanderer anzulocken. Ein Kritikpunkt lautet: „Jeder kocht sein eigenes Süppchen.“ Auch die Transport- und Einkehrangebote sind demnach stark ausbaufähig. Zudem fühlen sich die Vereine stellenweise übergangen. Wir haben uns mit den Vorsitzenden der Eifelvereine Untermosel und Mayen getroffen, um über Probleme und Chancen des Wandertourismus zu sprechen. Insgesamt hat der Eifelverein 25.000 Mitglieder, die in zahlreichen Ortsgruppen aktiv sind. Die beiden Gesprächspartner:

    • Wolfgang Schmid lebt in Winningen, ist 60 Jahre alt und seit zehn Jahren Mitglied in den Eifelvereinen Untermosel und Koblenz. Seit acht Jahren ist er Vorsitzender der Untermosel-Gruppe, die 180 Mitglieder zählt. Er hatte sich an unsere Redaktion gewandt, nachdem er den Artikel „Region kann mehr Wanderer vertragen“ gelesen hatte.
    • Joachim Rogalski ist 69 Jahre alt und lebt in Mayen. Er ist seit acht Jahren Mitglied im dortigen Eifelverein, seit vier Jahren Vorsitzender. Sein Ortsverein zählt 290 Mitglieder, jeden Mittwoch findet eine Wanderung statt, einmal im Monat gibt es auch eine Dienstags- und eine Samstagstour. Beide Männer wünschen sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.

    Beginnen wir mit dem, was gut ist: Was gefällt Ihnen als Wanderer an unserer Region?

    Schmid: Es ist eine erstklassige Gegend fürs Wandern. Wir haben Berge, Flüsse und Wälder. Wenn man auf den Höhen an der Mosel angekommen ist, kann man sich überlegen, ob man die weiten Ausblicke des Maifelds bevorzugt oder sich in die tiefen Wälder des Hunsrücks schlägt. Generell wurde in der Region in den letzten Jahren viel zur Erschließung beigetragen.

    Rogalski: Wir haben unwahrscheinlich viele schöne Wanderwege – aber nicht erst, seitdem es die Traumpfade gibt. Darauf legen wir Wert.

    Schmid: Das stimmt. Wir haben den Moselhöhenwanderweg 100 Jahre lang ehrenamtlich betreut, bis er von den Touristikern übernommen und Geld reingesteckt wurde.

    Klingt da Kritik an den Fachleuten an?

    Schmid: Nicht direkt. Früher waren wir ja dankbar, wenn ein Verbandsgemeindechef einen Eimer Farbe bezahlt hat, um den Weg markieren zu können. Es ist ja alles viel professioneller und kommerzieller geworden. Aber: Heute will jeder etwas fürs Wandern machen und dabei wurschtelt jeder vor sich hin – auch auf den verschiedenen Ebenen der Gemeinden, Verbandsgemeinden und Landkreise.

    Rogalski: In den letzten Jahren ist Wandern geradezu “in“ geworden – wie Fahrradfahren. Deshalb will jeder Bürgermeister einen Weg um sein Haus haben. Aber darüber hinaus? Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Es ist schade, dass die Kommunikation zwischen den Wandervereinen und Touristikern nicht gut funktioniert. Als die Traumpfädchen erstellt wurden, war keiner von uns beteiligt. Auch zur Einweihung war keiner eingeladen. Dabei kennen wir die Region doch aus dem Effeff.

    Schmid: Ja, das stimmt. Mir fällt noch ein anderes Beispiel für die schwierige Zusammenarbeit ein: Die Verbandsgemeinde Rhein-Mosel will auf ihrer Internetseite  www.sonnige-untermosel.de nicht für die Wanderungen unseres Eifelvereins werben, wenn sie nicht in der Region sind. Aber ich nehme regelmäßig Touristen mit, wenn wir wandern. Die Urlauber wollen doch nicht nur an der Untermosel Touren machen.

    Woran liegt es, dass die Vernetzung fehlt?

    Schmid: Die Rhein-Mosel-Eifel-Touristik (Remet) macht das sehr professionell, vermarktet das super und überregional. Aber auf Gemeindeebene ist es schon schwieriger. Woran das liegt, ist schwer zu sagen.

    Die Rhein-Mosel-Eifel-Region hat wunderschöne Wanderwege, wie hier den Bergschluchtenpfad Ehrenburg – und könnte aus Sicht von Touristikern noch mehr Tourengänger vertragen. Das meinen auch die Vereine. Sie sehen aber noch einigen Verbesserungsbedarf. 
    Die Rhein-Mosel-Eifel-Region hat wunderschöne Wanderwege, wie hier den Bergschluchtenpfad Ehrenburg – und könnte aus Sicht von Touristikern noch mehr Tourengänger vertragen. Das meinen auch die Vereine. Sie sehen aber noch einigen Verbesserungsbedarf. 
    Foto: Remet/Klaus-Peter Kappest

    Sind die engagierten und aktiven Wanderer frustriert?

    Schmid: Einige bestimmt. Der Eifelverein hat beispielsweise den Moselhöhenweg um das Jahr 1900 angelegt. Wir haben ihn erhalten, Bänke aufgestellt und gepflegt. Dann wird der groß und prominent gemacht. Aber was ist in ein paar Jahren? Die Ehrenamtlichen haben sich mancherorts zurückgezogen. Wir verstehen einfach nicht, warum man bei solchen Dingen nicht auf die Vereine zugeht. Wir hätten uns beispielsweise gefreut, wenn unsere Ehrenamtlichen als Wegepaten gefragt worden wären. Als Pate bekommt man nämlich Geld für die Arbeit. Aber das machen jetzt andere.

    Sie haben im Vorgespräch gesagt, dass es noch andere Probleme gibt, Stichworte Gastronomie und ÖPNV.

    Schmid: Wir haben ein tolles Angebot an Wanderwegen. Aber das große Problem ist: Sie kriegen die Wanderer nicht zum Ausgangspunkt zurück transportiert, weil entsprechende Angebote im Nahverkehr fehlen.

    Rogalski: Das kann ich so unterschreiben. Wenn wir uns nicht selbst organisieren würden, würden wir keine Wanderungen mehr durchführen. Wer als Individualwanderer unterwegs ist, hat das Nachsehen.

    Schmid: Der ÖPNV an der Mosel ist eine Katastrophe. Die haben noch nicht verstanden, dass die Wanderer an sieben Tagen in der Woche unterwegs sind und nicht allein an Wochenenden, wo sie mehr Plätze anbieten. Das Angebot orientiert sich zum großen Teil am Schulkindertransport. Wenn man einen Mosel- oder Eifelsteig plant, muss man doch überlegen, wie man die Leute hin oder zurück bekommt.

    Rogalski: Ich kann da nicht mitreden, weil es einen richtigen ÖPNV bei uns in der Eifel eh nicht gibt.

    Inwiefern könnte der ÖPNV besser werden?

    Schmid: Zum einen müssten Politiker und Touristiker sich mehr mit der Bahn auseinandersetzen. Zum anderen müssten auch die Gastronomen und Touristiker mehr miteinander kommunizieren und Eigeninitiative zeigen. Der ganze Wandertourismus hat doch die Übernachtungen und Gastronomie zum Ziel.

    Rogalski: Beispielsweise treten schon Hoteliers an uns heran, die fragen, ob wir als Eifelverein Mayen nächstes Jahr eine Wanderwoche für Touristen anbieten könnten. Die stellen uns dann den Bus, und wir bereiten die Wanderungen vor und begleiten diese.

    Schmid: Das kenne ich auch. Da fragen die ganz gezielt nach mehreren Tagen Programm.

    Sollten die Gastronomen und Hoteliers noch kreativer sein, um Wanderer zu bekommen und diese auch glücklich zu machen?

    Schmid: Ja, auf jeden Fall. Es gibt beispielsweise den Rothaarsteig im Sauerland. Der ist überwiegend in Eigeninitiative der Gastronomen entstanden. Die haben sich alle kleine Neunsitzer angeschafft, bringen die Wanderer morgens zu den Touren und holen sie später wieder ab.

    Rogalski: Aber nicht nur der Transport ist wichtig. Wir suchen ja immer Lokalitäten, in die wir bei unseren Wanderungen einkehren können. Aber da gibt es gleich zwei Probleme: Zum einen gibt es in vielen Orten gar keine Gastronomen mehr, weil die keinen Nachfolger finden. Zum anderen haben die Verbliebenen Saisonpause oder ungünstige Öffnungszeiten.

    Was erleben Sie als Wandergruppen mit der Gastronomie?

    Rogalski: Unsere Touren stehen immer lange im Voraus fest, es gibt einen Jahreswanderplan. Aber wenn ich dann irgendwo anfrage, ob wir am Tag x um 15 Uhr mit 30 Leuten kommen können, bekomme ich oft Absagen.

    Schmid: Das kenne ich zu gut. Die einen haben von 14 bis 17 Uhr Mittagspause und sind nicht bereit, die Pause mal auszusetzen, um 30 Leute um 15 Uhr zu bewirten. Andere sind völlig überfordert, wenn sie 30 Leute zugleich versorgen sollen.

    Rogalski: Wir melden doch früh an, was wir essen.

    Schmid: Und wir geben uns auch mit einer kleinen Karte zufrieden. Eine Brotzeit und Kuchen reicht doch vollkommen. Da sollte man einfach Lösungen suchen. Bei einigen Gastromomen ist auch noch nicht angekommen, dass die Wandersaison das ganze Jahr über dauert, und nicht erst an Pfingsten beginnt. Außerdem stimmt oft das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht, beispielsweise in Cochem. Wanderer wollen meist kein 3-Gänge-Menü, 50-Euro-Weinflaschen oder 4-Euro-Bier. Viele sind Alleinstehend, Rentner, und haben nur ein kleines Budget. Sie freuen sich, irgendwo einzukehren, um kurz durchzuschnaufen.

    Von welchen Regionen könnten wir lernen?

    Schmid: Mir gefällt das Kleinwalsertal im Allgäu, dort gibt es einen fantastischen ÖPNV, Parkplätze, Wanderbusse, alle paar Kilometer eine Hütte für eine Brotzeit. Auch der Bayerische Wald als Region ist toll. Da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Davon kann man hier nur träumen.

    Das Gespräch führte Katrin Steinert

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