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    Teil 47: Das Denkmal – Wahrzeichen der Stadt

    Koblenz - "Da stand - Tschingbumm! - ein riesiges Denkmal Kaiser Wilhelms des Ersten: ein Faustschlag aus Stein. Zunächst blieb einem der Atem weg. Sah man näher hin, so entdeckte man, dass es ein herrliches, ein wilhelminisches, ein künstlerisches Kunstwerk war. Das Ding sah aus wie ein gigantischer Tortenaufsatz und repräsentierte jenes Deutschland, das am Kriege schuld gewesen ist […]" Die beißende Kritik von Kurt Tucholsky am eigentlichen Wahrzeichen der Stadt hat lange die Bewertung des insgesamt 37 Meter hohen Monuments am Deutschen Eck beeinflusst. Die Wissenschaft ist gerechter. Das Monumentalwerk am Zusammenfluss von Rhein und Mosel wird nicht nur als Gesamtkunstwerk gewürdigt, sondern auch als technische Meisterleistung.

    Immerhin wurde das am 31. August 1897 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Denkmal zum seinerzeit höchsten Reiterstandbild der Welt gekrönt, das eine Höhe von stolzen 14 Metern erreichte und seit September 1993 als Nachbildung zu bewundern ist. Zum Vergleich: Das heutige weltgrößte Reiterstandbild, das am 26. September 2008 eingeweiht wurde, hat eine Höhe von 30 Metern. Es würdigt Dschingis Khan und steht 54 Kilometer ostsüdöstlich der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator.

    Neuer Forschungsstand

    Über das Koblenzer Denkmal ist in den vergangenen Jahrzehnten bereits viel geschrieben worden. Doch erst die Dissertation des Koblenzers Dr. Hans-Jörg Jechel aus dem Jahr 2010 leistet das, was für eine vernünftige Bewertung Voraussetzung ist: die Einordnung in den großen geschichtlichen Zusammenhang. Denn das Koblenzer Reiterstandbild, das von Anfang an Kaiser Wilhelm I. und seinen Leistungen im Zuge der Reichsgründung gewidmet war, steht nicht allein. Es ist eines von insgesamt 59 Wilhelm-Reiterstandbildern im Gebiet des Deutschen Kaiserreichs, von denen nur 13 im Original erhalten sind. Dieser "Schwund" ist vor allem auf die Kriegszerstörungen und Demontage zurückzuführen.

    Auch das Koblenzer Monument hat eine Vorgeschichte, die Hans-Jörg Jechel in seinem zweibändigen Werk "Kaiser Wilhelm I. Reiterstandbilder" minutiös beleuchtet. Sie beginnt - wie bei den meisten vergleichbaren Denkmälern auch - mit dem Tod des Monarchen am 9. März 1888. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Der Kaiser hatte es untersagt, dass zu seinen Lebzeiten Denkmäler errichtet werden, die seine Leistungen würdigen. Als sein Sohn und Nachfolger Friedrich III. nach nur 99-tägiger Regentschaft am 15. Juni an Kehlkopfkrebs starb, forcierte der Enkel den Kaiserkult.

    Wilhelm II. sah im Kult um seinen Großvater die Chance, das Gefühl von Kontinuität und Stabilität zu vermitteln. Denn trotz der wirtschaftlichen Erfolge wuchsen die sozialen Spannungen. Außenpolitisch standen die Zeichen angesichts des zerrütteten Verhältnisses zwischen dem jungen Kaiser und Bismarck auf Konfrontation.

    In Koblenz selbst beginnt die Geschichte des Kaiserdenkmals noch zu Lebzeiten Friedrichs III. Schon am 13. April 1888 beschlossen die Koblenzer Stadtverordneten, ein Standbild für Wilhelm I. vor dem Kurfürstlichen Schloss zu errichten. Für den Bau wollte die Stadt den für damalige Verhältnisse stolzen Betrag von 30 000 Mark stiften. Ferner wurde eine 14-köpfige Denkmalkommission eingerichtet, der neben Adligen auch Industrielle und kirchliche Würdenträger angehörten.

    Der nächste Schritt: Am 9. Juni 1888 beantragte man beim Provinziallandtag in Düsseldorf, ein Kaiserdenkmal in Koblenz zu errichten. Denn die politischen Hintergründe waren nicht zu unterschätzen. Zum einen bedurfte es der Finanzierung durch die Rheinprovinz, zum anderen zeichnete sich früh ab, dass auch andere Städte ein solches Monument haben wollten, das Prestigeobjekt und Alleinstellungsmerkmal war. In Koblenz selbst kamen schon früh Zweifel daran auf, ob der gewählte Standort vor dem Schloss der richtige war. Vor allem Emil Schüller (1843-1900) blieb skeptisch. Der damalige Oberbürgermeister veröffentlichte, so Hans-Jörg Jechel, unter dem Pseudonym "Irenäus" eine Broschüre, in der er einen Standort am Deutschen Eck - das seinen Namen nicht vom späteren Denkmal, sondern von der Niederlassung des Deutschen Ordens hat - ins Spiel brachte. Denn das Monument sollte aus seiner Sicht in exponierter Lage entstehen, um alle Rheinländer zu begeistern. Es gab allerdings einen Haken: Die Stadtbefestigung stand dem Vorhaben noch im Wege. Erst nach der grundsätzlichen Entscheidung für die Aufgabe am 13. März 1889 sollte der Weg frei sein.

    Hitzige Debatte im Landtag

    Vor und hinter den Kulissen spitzte sich die Lage zu. Denn diejenigen, die Koblenz als nicht geeignet betrachteten, hatten im Provinziallandtag mächtige Fürsprecher. Man bedenke: Als Hauptstadt der Rheinprovinz war die Rhein-Mosel-Stadt bedeutenderen Zentren wie Köln, Düsseldorf und Aachen übergeordnet. Am 11. Dezember 1890 stimmten nach heftigen Diskussionen 138 Mitglieder des Landtages ab. Ergebnis: 54 Stimmen für einen Standort im Siebengebirge, 53 für Koblenz und weitere 32 für das Deutsche Eck. Eine klare Entscheidung sah anders aus. Schließlich sprach sich Wilhelm II. für den Standort am Zusammenfluss von Rhein und Mosel aus. Eine entsprechende Verfügung folgte am 16. März 1891.

    Nach der grundsätzlichen Entscheidung des Kaisers musste zunächst einmal ein Problem gelöst werden. Am Wunschstandort gab es nur die "Hundsschwanz" genannte Sandbank und ein kleines Hafenbecken, das nach der Verbindung von Sandbank und Moselufer durch einen Steindamm Ende der 1870er-Jahre entstanden war. Zufrieden war mit der Lösung niemand. So hatte, das hat Stadtarchivar Hans Josef Schmidt herausgefunden, der Ingenieur und Brauereitechniker Krudewig bereits 1874 angeregt, den gesamten Bereich zuzuschütten und ein neues Wohngebiet zu errichten. Immerhin ging es um eine Fläche von rund 5 Hektar. Im Januar und Februar 1891 wurde das Hafenbecken zugeschüttet - obwohl es noch keine Planung gab. Diese folgte, nachdem der Provinzialausschuss am 22. März 1892 einen Wettbewerb ausgelobt hatte, an dem nur deutsche Architekten teilnehmen konnten.

    Bruno Schmitz setzt sich durch

    26 Entwürfe gingen ein, von denen 15 gewertet wurden. Der erste Preis für den Entwurf "Rheinstein" ging an Bruno Schmitz (1858-1916), den wohl bedeutendsten deutschen Denkmalarchitekten seiner Zeit, und den Bildhauer Emil Hundrieser (1846-1911). Im Dezember 1892 wurde der Entwurf vom Provinziallandtag angenommen. Im Mai 1894 lagen die überarbeiteten Entwürfe vor. War ursprünglich von einem bronzenen Reiterstandbild mit einer Höhe von 12 Metern die Rede, wurde schließlich wegen der Proportionen auf 14 Meter erhöht.

    Aus statischen Gründen und wegen der ständig steigenden Kosten machte Emil Hundrieser schließlich den Vorschlag, das Standbild nicht aus Bronze gießen, sondern es von der Firma Georg Howaldt in Braunschweig in Kupfertreibarbeit herstellen zu lassen.

    Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1896 mit der Fundamentierung der Ufermauer auf 350 Meter, nachdem ein Abwasserkanal verlegt worden war. Zwischen Spundwänden wurde eine 3,30 Meter hohe Betonschicht gegossen, die auf festem Kies aufgelagert war. Insgesamt wurden, so Hans-Jörg Jechel, 3400 Kubikmeter Beton und 15 000 Kubikmeter Kies verarbeitet.

    Nachdem die Bodenplatte des Denkmalmittelbaus fertiggestellt war, wurde auf ihr der 16 Meter hohe Unterbau der Pfeilerhalle aus Ziegelstein errichtet. Die Beispiele zeigen: Das Denkmal mit seiner Gesamtfläche von 11 238 Quadratmetern ist kein Monument, das komplett aus Naturstein besteht. Es wurde überwiegend mit Platten aus Schwarzwälder Granit verblendet. Das Denkmal wird somit zum Meisterwerk der damaligen Ingenieurskunst, das bis heute den schwierigen Strömungsverhältnissen trotzt.

     

    Denkmal-Geschichte

    1888 Dreikaiserjahr: Wilhelm I. stirbt, sein Sohn Friedrich III. regiert nur 99 Tage. Wilhelm II. wird deutscher Kaiser.

    1892 Im Bereich des 1891 zugeschütteten Hafenbeckens entsteht ein provisorisches Wilhelm-Denkmal. Es war, so schreibt es der Historiker Dr. Peter Brommer, eine Pyramide mit einer Büste des früheren Kaisers. Hintergrund war der für den Sommer angesetzte Besuch von Wilhelm II. und seiner Frau Auguste Viktoria. Mit dem Provisorium wollte die Stadt dem Kaiser dafür danken, dass er sich für Koblenz als Standort des geplanten großen Provinzialdenkmals entschieden hatte.
    Das Kaiserpaar sagte jedoch den Koblenz-Termin aus Angst vor der Cholera ab, die in Hamburg ausgebrochen war und reichsweit für große Verunsicherung gesorgt hatte. Der Besuch wurde am 1. September 1893 nachgeholt.

    1896 Die eigentlichen Bauarbeiten für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal beginnen. Dabei werden die modernsten Maschinen eingesetzt, die damals verfügbar waren.

    1897 Dank modernster Technik wird das Denkmal in einer rekordverdächtigen Zeit hergestellt. Bereits am 31. August kann das Monument in Gegenwart des Kaiserpaares eingeweiht werden. Für Koblenz ist es ein Festtag. Die ganze Stadt hat sich herausgeputzt, die örtlichen Zeitungen sind voller Lobenshymnen. Beim offiziellen Festakt wird auch das reiche Koblenzer Vereinsleben deutlich.

    1903 Das Reiterstandbild zeigt die ersten Mängel. Man hatte vergessen, das tragende Gerüst für das Bronzeblech gegen eindringendes Wasser zu schützen. Die Restaurierung dauerte bis ins Jahr 1904.

    1945 Das Reiterstandbild wird am 16. März durch eine amerikanische Artilleriegranate zerstört.

    1946 Die französische Besatzung will das gesamte Monument abreißen und durch ein Denkmal für Frieden und Völkerverständigung ersetzen. Der Bau scheitert an den Kosten.

    1947 Im Gesetz des alliierten Kontrollrates wird am 25. Februar die Auflösung Preußens festgesetzt. Das Denkmal wird Eigentum des noch jungen Rheinland-Pfalz.

    1952Die Stadt lehnt eine Schenkung des Denkmals durch das Land Rheinland-Pfalz ab. Das Land muss schließlich 250 000 Mark für die Instandhaltung ausgeben.

    1953 Bundespräsident Theodor Heuss erklärt das Denkmal am 18. Mai zum Mahnmal der deutschen Einheit.

    1987 Das Verlegerehepaar Theisen will die Rekonstruktion des Reiterstandbildes bezahlen. Für Kenner ist das keine Überraschung: Einerseits hatte bereits Kunstmäzen Peter Ludwig seinen Kulturpreis (10 000 Mark) gestiftet, andererseits reicht der Wunsch nach einem neuen Standbild viele Jahre zurück.

    1993 Der Kaiser steht wieder auf dem Sockel. Einweihungstag ist der 25. September. Es ist eine Nachbildung des Düsseldorfer Künstlers Raimund Kittl. Der Wiederaufstellung gingen kontroverse Diskussionen in Fachkreisen voraus. In Koblenz setzte sich eine Bürgerinitiative für das Standbild ein. Entscheidend war jedoch der Fall der Mauer. Und: Dieses Mal hatte die Stadt das Geschenk des Landes angenommen, weil zuvor der Sockel stabilisiert worden war.

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    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

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