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    Teil 27: Koblenz wird Zentrum der Rheinprovinz

    Die Russen befreien Koblenz: Was auf den ersten Blick exotisch wirkt, hat bei näherer Betrachtung nicht nur eine militärische, sondern auch eine rechtliche Dimension. Nach der siegreichen Völkerschlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813 hatten sich die Siegermächte auf die sogenannte Leipziger Konvention geeinigt.

    Die Vereinbarung vom 21. Oktober schuf auch eine Grundlage für die weitere Zusammenarbeit der Sieger. Sie sah nämlich die Einrichtung einer gemeinsamen Zentralverwaltung für die besetzten napoleonischen Gebiete mit vorläufigem Sitz in Frankfurt vor. An der Spitze der bis Mitte 1814 bestehenden Organisation sollte der preußische Reformer Carl Reichsfreiherr von und zum Stein stehen. Hauptaufgabe war die Beschaffung von Bargeld und die Ausrüstung der Truppen, die weiter nach Westen marschierten.

     

    Bereits 1815 wurden die Regierungsbezirke in Kreise eingeteilt. An ihrer Spitze standen landrätliche Kommissare, die später den Titel „Landrat“ führten. Die Städte sollten eigene Kreise bilden. Die Städte und das Land unterstanden dem Landrat, die Bürgermeister waren ihm zugeordnet. Am 13. Juli 1827 wurde die Bildung von Kreisständen und Kreistagen verfügt.
    Der Stadtkreis Koblenz wurde 1816 aus den Bürgermeistereien Ehrenbreitstein und Koblenz gebildet. Dazu kamen Neuendorf, Berghof, Karthause, Kemperhof, Laubachsmühle, Petersberg, Remstecken, Oberwerth und Moselweiß. Demgegenüber stand der Landkreis Koblenz. Zu ihm gehörten die Bürgermeistereien Bassenheim, Rhens, St. Sebastian, Winningen, Dieblich, Lay, Vallendar, Engers und Irlich. Nur ein Jahr später vereinigte man Stadt- und Landkreis miteinander.
    1847 war Koblenz im Bereich der Polizei- und Kommunalverwaltung direkt der Königlichen Regierung (Bezirksregierung) unterstellt. In den anderen Ressorts, vor allem im Bereich des Steuer- und Militärwesens, blieb die Stadt dem Landkreis untergeordnet. Dies änderte sich erst am 29. Juni 1887. Damals ermöglichte ein Erlass das Ausscheiden von Koblenz aus dem alten Kreisverband und die Bildung eines eigenen Stadtkreises.

    Amtssitz war zunächst Trier

    Man sieht: Russen und Preußen handelten im gegenseitigen Einvernehmen. So kam es, dass früh der Aufbau weiterer Verwaltungseinheiten vorangetrieben werden konnte. Schon am 2. Februar 1814 wurden die Departements Rhein-Mosel, Saar und Donnersberg zum Generalgouvernement des Mittelrheins zusammengelegt. Im März kam auch der Westerwald dazu. Generalgouverneur wurde der russische Staatsrat Justus Gruner. Der Amtssitz war Trier. Für die niederrheinischen Gebiete wurde der preußische Geheime Staatsrat Johann August Sack als Generalgouverneur eingesetzt. Der Gebietsreform vorausgegangen war eine in Basel getroffene Entscheidung der Siegerallianz vom 12. Januar 1814.

    Der russisch-preußische Dualismus im Rheinland sollte jedoch nur wenige Monate währen. Nachdem sich die endgültige Niederlage Frankreichs abzeichnete und Napoleon zum Abdanken gezwungen wurde, leitete der Ende Mai 1814 geschlossene Erste Pariser Frieden eine neue Entwicklung ein. Bereits am 31. Mai wurde die Verwaltung der Gouvernements neu geregelt. Das Rheinland lag jetzt ausschließlich unter dem Einfluss Preußens, obwohl die formelle staatsrechtliche Vereinigung erst im Februar 1815 erfolgte.

    Die Russen zogen sich bereits im Frühjahr 1814 zurück. Im Juni wurden im Raum Koblenz die letzten Verbände gesichtet.

    Streng genommen beginnt die preußische Ära am Rhein erst mit den beiden Besitzergreifungspatenten des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. vom 5. April 1815, denen eine weitere Reform folgte: Das Rheinland wurde zunächst in die Provinz Großherzogtum Niederrhein mit den Regierungsbezirken Koblenz, Aachen und Trier sowie die Provinz Jülich-Kleve-Berg mit den Regierungsbezirken Düsseldorf, Köln und Kleve aufgeteilt.

    Die mittlere Verwaltungsebene

    Die beiden für die neuen Provinzen zuständigen Präsidien nahmen am 22. April 1816 ihre Arbeit auf. Die Bildung einer neuen mittleren Verwaltungsebene in den Rheinlanden erfolgte auf Grundlage der "Verordnung über die verbesserte Einrichtung der Provinzialbehörde" vom 30. April 1815. Diese sah die Neugliederung des erheblich gewachsenen Preußens in zehn Provinzen und 25 Regierungsbezirke vor. Nach der preußischen Kabinettsordre vom 27. Juni 1822 legte man schließlich die beiden neuen Provinzen zum Rheinischen Oberpräsidium mit Sitz in Koblenz zusammen. Vorausgegangen war die grundsätzliche Entscheidung, die mittlere Verwaltungsebene in Preußen durch Oberpräsidien und Regierungskollegien zu organisieren.

    Die neue Provinzhauptstadt Koblenz war wegen ihres Oberpräsidiums zumindest formal den Städten Aachen, Düsseldorf (dort war allerdings der Landtag der Provinz angesiedelt), Köln und Trier übergeordnet, was man dort in der Regel mit Unbehagen zur Kenntnis nahm. Mit der Einrichtung des Generalkommandos für das achte Armeekorps hatte Koblenz zusätzlich im Bereich der Militärverwaltung eine besondere Bedeutung.

    Kommunale Selbstverwaltung

    Den Rheinländern blieb übrigens das französische Recht erhalten, denn der Versuch einer Vereinheitlichung der Bestimmungen in den preußischen Provinzen auf der Grundlage des Allgemeinen Landrechtes scheiterte. Im Rheinland bestanden die Regelungen nach der französischen Gemeindeordnung von 1800 zunächst weiter. Anders als in den preußischen Kerngebieten waren Stadt und Land grundsätzlich gleichgestellt. Dennoch verschoben sich die Schwerpunkte zugunsten der Städte, deren Selbstverwaltung im Sinne der Stein’schen Reformen weiter vorangetrieben wurde: Der Stadtrat, Nachfolger des Munizipalrates der französischen Zeit, tagte jetzt nicht mehr jährlich, sondern monatlich und nach Bedarf.

    Der Stadtrat entscheidet

    Alle Gegenstände der kommunalen Verwaltung wurden von den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlungen erörtert. Der Bürgermeister hatte - unterstützt von zwei Beigeordneten - die Aufgabe, Beschlüsse auszuführen. Die gravierendste Änderung: Waren die Bürgermeister in französischer Zeit immer ernannt worden, wurde den Städten jetzt die Bürgermeisterwahl zugestanden - ein weiterer Beleg dafür, dass die Reformen die Städte freier als das Land stellte. Deswegen widersprachen die Oberpräsidenten und Regierungen in den neuen Provinzen. Sie forderten für diese Gebiete die Ausarbeitung einer gemeinsam für Stadt und Land gültigen Gemeindeordnung. Eine Ausnahme war die Königliche Regierung (Bezirksregierung) in Koblenz. Sie hatte für ihr Gebiet schon 1817 eine eigene Gemeindeordnung erlassen. Diese Eigenentwicklung war unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass die Karrieren vieler juristischer Beamter bereits in napoleonischer Zeit begonnen hatten. Diese Staatsbediensteten befürchteten eine Wiederherstellung des alten Feudalsystems. Sie wollten deshalb das französische Recht nicht vollständig aufgeben.

    Wegen des allgemeinen Widerstandes galt im Rheinland bis zur Einführung der neuen Gemeindeordnung 1845/46 im Prinzip die französische Munizipalverfassung - mit der Einschränkung, dass nun die Mitglieder der jeweiligen Gemeinderäte ausschließlich aus dem Kreis der 100 Höchstbesteuerten berufen wurden.

    Reiche gewinnen an Einfluss

    Der kommunalpolitische Einfluss des Wirtschaftsbürgertums nahm gegenüber dem des Bildungsbürgertums deutlich zu. Daran änderte auch die neue Gemeindeordnung nichts. Allerdings wurden jetzt die Mitglieder der Gemeinderäte gewählt. Der Gießener Historiker Prof. Dr. Jürgen Reulecke schätzt, dass allenfalls 10 Prozent der Bürger Stadtverordnete wählen konnten.

    Hauptstadt gehört zum Landkreis ¶

    Bereits 1815 wurden die Regierungsbezirke in Kreise eingeteilt. An ihrer Spitze standen landrätliche Kommissare, die später den Titel „Landrat“ führten. Die Städte sollten eigene Kreise bilden. Die Städte und das Land unterstanden dem Landrat, die Bürgermeister waren ihm zugeordnet. Am 13. Juli 1827 wurde die Bildung von Kreisständen und Kreistagen verfügt.
    Der Stadtkreis Koblenz wurde 1816 aus den Bürgermeistereien Ehrenbreitstein und Koblenz gebildet. Dazu kamen Neuendorf, Berghof, Karthause, Kemperhof, Laubachsmühle, Petersberg, Remstecken, Oberwerth und Moselweiß. Demgegenüber stand der Landkreis Koblenz. Zu ihm gehörten die Bürgermeistereien Bassenheim, Rhens, St. Sebastian, Winningen, Dieblich, Lay, Vallendar, Engers und Irlich. Nur ein Jahr später vereinigte man Stadt- und Landkreis miteinander.
    1847 war Koblenz im Bereich der Polizei- und Kommunalverwaltung direkt der Königlichen Regierung (Bezirksregierung) unterstellt. In den anderen Ressorts, vor allem im Bereich des Steuer- und Militärwesens, blieb die Stadt dem Landkreis untergeordnet. Dies änderte sich erst am 29. Juni 1887. Damals ermöglichte ein Erlass das Ausscheiden von Koblenz aus dem alten Kreisverband und die Bildung eines eigenen Stadtkreises.

    Daten zur Neuordnung Europas

    1814 Die gegen Napoleon verbündeten Truppen ziehen am 31. März in Paris ein. Eine provisorische Regierung unter Führung von Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754–1838) setzt Napoleon ab. Die Armee zwingt den Kaiser am 6. April in Fontainebleau zur Abdankung. Dieser erhält die Insel Elba als Fürstentum und eine Ehrengarde von 800 Mann. König wird der Bourbone Ludwig XVIII., der Talleyrand zum Außenminister macht.

    1814 Auf den Ersten Pariser Frieden, der im Mai Frankreichs Grenzen auf dem Stand von 1792 festschreibt, folgt der Wiener Kongress. Die große Friedenskonferenz zur Neuordnung Europas beginnt am 18. September. Einflussreichster Staatsmann wird der in Koblenz geborene Clemens Fürst von Metternich. Sein Ziel ist es, in ganz Europa den politischen Zustand von 1792 wiederherzustellen. Frankreich verdankt es in erster Linie dem Verhandlungsgeschick Talleyrands, dass es weiter im Konzert der Großmächte mitspielt.

    1815 Der Wiener Kongress endet am 9. Juni, ohne dass es gelingt, Frieden zu schaffen. Napoleon ist bereits im März bei Cannes gelandet und marschiert nach Paris. Seine „Herrschaft der 100 Tage“ endet mit der Niederlage beim 15 Kilometer südlich von Brüssel gelegenen Waterloo. Napoleon muss am 22. Juni endgültig abdanken und wird auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt, wo er am 5. Mai 1821 stirbt. 
    1815 Der Wiener Kongress verändert die europäische Landkarte. Die Hoffnung nach einem neuen und einigen Deutschen Reich erfüllt sich nicht. Stattdessen gibt es den lockeren Deutschen Bund, zu dem auch Teile des österreichischen Kaiserreiches gehören. Die Vormachtstellung hat nun Preußen, das nach dem Gebietszugewinn am Rhein auch im Westen dominiert. Während Österreich auf die habsburgischen Niederlande verzichtet und in Italien und Dalmatien erstarkt, wird Russland nach dem Gewinn von Kongresspolen zur führenden europäischen Macht.

    1815 Frankreich wird erst im November zu erheblichen Zugeständnissen gezwungen. Im Zweiten Pariser Frieden geht Saarbrücken an Preußen, Landau an Bayern, Savoyen an Sardinien. Außerdem muss das Land 700 Millionen Francs Kriegsentschädigung zahlen und die Besetzung von 17 Festungen auf fünf Jahre hinnehmen.

    1815 Ein weiteres Ergebnis des Wiener Kongresses: Aus Angst vor dem Wiedererstarken revolutionärer Kräfte werden im Zuge der Restauration alle Reformbestrebungen unterdrückt. Diese Bestrebungen werden durch die Heilige Allianz manifestiert, die Österreich, Preußen und Russland stiften und der nach und nach die meisten europäischen Monarchen beitreten. Die Mitglieder berufen sich auf das Gottesgnadentum, aus dem sie das Recht ableiten, gegen alle nationalen und liberalen Bestrebungen vorzugehen.

    1818 Nach der Konferenz von Aachen wird auch Frankreich in die Heilige Allianz aufgenommen.

    1820 In Südeuropa beginnen nationale und liberale Unruhen. Ein Jahr später erheben sich die Griechen gegen das Osmanische Reich. Ihr Freiheitskampf wird bis 1829 dauern. Im Frieden von Adrianopel wird Russland Schutzmacht von Griechenland, das nach der Londoner Konferenz von 1830 unabhängig wird. Der Traum von der Republik erfüllt sich für die Griechen nicht. Auf Druck der europäischen Mächte wird Otto I. von Wittelsbach 1832 König.

     

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