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    Reinhard Kallenbach

    An die Preußen erinnert man sich ungern, während über die Jahrhunderte unter trierischer Herrschaft heute schon fast ehrfürchtig gesprochen wird. Historische Argumente für eine solche Verklärung gibt es nicht. Denn die Trierer Erzbischöfe waren knallharte Machtmenschen, denen es vor allem darum ging, ihr Herrschaftsgebiet zu festigen. Platz für bürgerliche Freiheitswünsche war da wenig. Das bekamen die Koblenzer spätestens seit dem 13. Jahrhundert zu spüren.

    Die Balduinbrücke im späten 19. Jahrhundert. Die beiden Brückentürme waren „Neubauten“ der Koblenzer Stadtbefestigung. Zu dieser Zeit waren die Aufbauten der Barockzeit schon längst verschwunden. Und auch in den folgenden Jahren wurde die Brücke, die einst als eine der ältesten Steinbrücken nördlich der Alpen bewertet wurde, immer wieder verändert.
    Die Balduinbrücke im späten 19. Jahrhundert. Die beiden Brückentürme waren „Neubauten“ der Koblenzer Stadtbefestigung. Zu dieser Zeit waren die Aufbauten der Barockzeit schon längst verschwunden. Und auch in den folgenden Jahren wurde die Brücke, die einst als eine der ältesten Steinbrücken nördlich der Alpen bewertet wurde, immer wieder verändert.
    Foto: Stadtarchiv Koblenz

    Koblenz - An die Preußen erinnert man sich ungern, während über die Jahrhunderte unter trierischer Herrschaft heute schon fast ehrfürchtig gesprochen wird. Historische Argumente für eine solche Verklärung gibt es nicht. Denn die Trierer Erzbischöfe waren knallharte Machtmenschen, denen es vor allem darum ging, ihr Herrschaftsgebiet zu festigen. Platz für bürgerliche Freiheitswünsche war da wenig. Das bekamen die Koblenzer spätestens seit dem 13. Jahrhundert zu spüren. 

    Der Koblenzer Bildhauer Rudi Scheuermann verewigte Erzbischof Balduin
    Der Koblenzer Bildhauer Rudi Scheuermann verewigte Erzbischof Balduin
    Foto: Reinhard Kallenbach

    Der Konflikt eskalierte

    War es unter Heinrich von Finstingen in den Jahren von 1276 bis 1280 bereits wegen Abgaben und Arbeitseinsätzen beim Bau der Alten Burg zu Konflikten gekommen, eskalierte die Situation unter Diether von Nassau vollends. Es kam zum Aufstand, den der Erzbischof 1304 brutal niederschlug. Die bürgerliche Mitverwaltung war fortan Geschichte, der vier Jahre zuvor eingesetzte Stadtrat war aufgelöst. Ein schwacher Trost war, dass Diether auch in der kirchlichen Welt alles andere als beliebt war. Er beanspruchte zum Beispiel Einnahmen aus den Pfarreien seines Erzbistums – wohl auch, um seine militärischen Ausgaben in den Griff zu bekommen. Denn der Nassauer ließ in seinem Territorium Burgen und andere Befestigungen errichten.

    Diether von Nassau schaffte es sogar, den Heiligen Stuhl gegen sich aufzubringen. Dabei hatte er selbst einmal in Diensten des Papstes Bonifaz VIII. gestanden. Und 1300 war er von Papst Clemens V. gegen den Willen des Trierer Domkapitels (das Heinrich III. von Virneburg favorisiert hatte) an die Spitze des Erzbistums gesetzt worden. Doch das reichte Diether von Nassau offenbar nicht.

    Der Erzbischof schaffte es schließlich sogar, exkommuniziert und suspendiert zu werden. In seiner Gier nach Mehreinnahmen hatte er sich nicht nur mit dem Domkapitel, sondern auch mit den Spitzen der Trierer Klöster und Stifte angelegt. Man warf dem Erzbischof schließlich sogar vor, Reliquien in seinen Privatbesitz nehmen zu wollen. Und einen päpstlichen Legaten, der im Konflikt vermitteln wollte, behandelte Diether sogar schlecht. Zu einer Lösung kam es nicht mehr, weil der Nassauer 1307 starb. Die Niederwerfung der Koblenzer Aufstände unter den Erzbischöfen Heinrich und Diether bedeutete für die Bürger eine scharfe Zäsur. Ihr Traum von Freiheit in einer Stadt, die direkt dem König und Kaiser unterstand, war endgültig ausgeträumt. Auch wenn später weitere Versuche folgen sollten, sich aus den erzbischöflichen Fängen zu lösen, ist das frühe 14. Jahrhundert die Zeit, in der die Entwicklung von Koblenz zu einer Landstadt begann. 

    Reichspolitisch unbedeutend

    Dass die Stadt reichspolitisch immer weiter an Bedeutung verlor, hatte auch wirtschaftliche Gründe. Koblenz war nämlich vor allem Zentrum für den regionalen Handel. Sieht man einmal von Wein und Holz ab, gelang es nie, den Wirtschaftsstandort trotz hervorragender Lage zu einer reichsweit bedeutenden Drehscheibe für den Warenumschlag zu machen. Das lag sicherlich auch daran, dass sich spätestens im 14. Jahrhundert die Schwerpunkte vom territorial zersplitterten Rheintal allmählich nach Osten verschoben.

    Kaiser und Könige machten fortan nur noch in Koblenz Station, wenn die Trierer Erzbischöfe in der Großen Politik mitmischten. Einer von ihnen beherrschte die Klaviatur von Macht und Diplomatie besonders virtuos: Balduin von Luxemburg. Der neue Erzbischof sollte 1307 zum Nachfolger Diethers gewählt werden und sein Amt sage und schreibe 47 Jahre ausüben. Balduin schaffte das, was seinen Vorgängern verwehrt blieb: ein geschlossenes Territorium, in dem er fest die Zügel in der Hand hielt. Ein Instrument seiner Macht war eine Verwaltungsreform. Balduin teilte sein Herrschaftsgebiet in ein Obererzstift und ein Niedererzstift. Das strategisch so wichtige Koblenz wurde zur Hauptstadt des Niedererzstiftes. Angenehmer Nebeneffekt: Weil Koblenz durch diesen Schritt rechtlich enorm aufgewertet wurde, nahm auch das Konfliktpotenzial mit den Bürgern ab. Investitionen in die örtliche Infrastruktur, so zum Beispiel durch den Bau eines neuen Moselübergangs, sollten auch die Skeptiker bei Laune halten. 

    Eiskalte Berechnung

    Die Fortschritte in Balduins Einflussgebiet sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Luxemburger vor allem eines war: ein eiskalter Stratege, dessen Ambitionen auch die Koblenzer mit Blut bezahlen sollten. Denn die Adelsgeschlechter, die sich gegen den Einfluss des Erzbischofs stellten, wurden mit Waffengewalt bekämpft. Das ging allerdings nicht immer gut, wie der Konflikt mit dem begüterten und einflussreichen Ritter Reinhard von Westerburg zeigte. Balduin wollte seine Herrschaft im Westerwald und an der Lahn festigen, während Reinhard von Westerburg nach Westen schaute. Zwar entschied Balduin den Konflikt für sich, doch sahen sich die Koblenzer bedroht. 

    Die „Grenzauer Fehde“

    Auf eigene Faust zogen 800 Bürger schließlich gegen den Westerwälder ins Feld. Sie wollten Grenzau für den Kurfürsten zurückgewinnen. Damit wollten sie sich auf ihre Weise für den Brückenbau und neu gewährte Freiheiten bedanken. Der Waffengang vom 20. April 1347 ging schließlich als Tragödie in die Stadtgeschichte ein. Denn die Koblenzer hatten Reinhard von Westerburg offenbar unterschätzt. Mindestens 172 von ihnen ließen ihr Leben – ein sinnloses Opfer, weil die Entscheidungen mit großer Tragweite längst ganz woanders gefallen waren. 

    Alte Glanz kehrt zurück

    In der „Ära Balduin“ wird europäische und deutsche Politik gestaltet. Und der Trier Erzbischof gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit – und als Königsmacher. Denn er hatte nicht nur dafür gesorgt, dass sein Bruder Heinrich der VII. auf den Thron gewählt wurde, sondern nach dessen frühem Tod auch dessen Nachfolger. Balduin gilt auch als derjenige, der den Aufstieg Ludwigs des Bayern förderte. Und noch einmal sollte der Glanz der Könige und Kaiser in Koblenz Einzug halten. Doch das ist eine andere Geschichte.

     

    Nach 85 Jahren war die Brücke fertig

    Die Alte Moselbrücke wurde zwischen 1332 und 1338 auf Initiative des Erzbischofs Balduin begonnen, dessen Namen sie heute auch trägt. Erst nach 85 Jahren wurde sie mit dem Bau des Brückenturms vollendet. Der aus Grauwacke und vulkanischem Gestein errichtete Brückenbau war eine technische und finanzielle Herausforderung. Rom gewährte wiederholt Ablässe, damit der Bau überhaupt finanziert werden konnte.

    Die Balduinbrücke, die einst zu den ältesten Steinbrücken nördlich der Alpen gehörte, wurde im Laufe ihrer langen Geschichte immer wieder verändert. Als die Stadt im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts neu befestigt wurde, musste man auch die beiden Brückentürme überarbeitet. Im 18. Jahrhundert verschwand schließlich der Torbau auf der Lützeler Seite. 1775 wurde auch das Tor auf der Koblenzer Seite beseitigt. Im Zuge des Baus der Koblenzer Stadtbefestigung in der preußischen Zeit wurde 1834 ein neues Brückentor gebaut, das allerdings nur bis zum Abbruch in den Jahren 1897 und 1898 Bestand hatte. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch der achte Bogen, der sogenannte Teufelsbogen mit rotem Sandstein neu eingewölbt, nachdem er von der Artillerie versehentlich beschädigt worden war.

    Um den Anforderungen des Verkehrs zu genügen, wurde die Trasse auf der Brücke 1883 verbreitert, auch um Raum für Fußgänger zu schaffen. Im Zuge der Maßnahmen verschwanden die barocken Brüstungen und zahlreiche Details aus dem Mittelalter. Die gravierendsten Eingriffe brachten jedoch der Zweite Weltkrieg und die Veränderungen der Wiederaufbaujahre. Zunächst sprengte die Wehrmacht auf ihrem Rückzug die Brücke. Drei Strombögen auf der Koblenzer Seite stürzten in die Mosel. Der Wiederaufbau erfolgte von 1946 bis 1954.

    Das heutige Aussehen der Brücke ist ein Ergebnis des Vertrages zur Schiffbarmachung der Mosel von 1956. Acht Jahre später wurden sechs Bögen der nördlichen Brückenhälfte durchbrochen. 1970 folgten auch die zugehörigen Pfeiler. Die moderne Brückenkonstruktion der Nordhälfte wurde 1975 vollendet.

     

    Das 14. Jahrhundert

    1300 Ein Statut über die Wahl des Stadtrates wird am 12. Juli erlassen.

    1304 Die Bürger erheben sich gegen Erzbischof Diether von Nassau. Dieser schlägt den Aufstand nieder. Einen Stadtrat gibt es vorerst nicht mehr.

    1307 Nach dem Tod von Diether von Nassau wird Balduin von Luxemburg Erzbischof. Er regiert bis 1354. 

    1308 Heinrich VII. wird König, die Kaiserkrönung folgt 1312. Der Luxemburger regiert bis 1313. Nachfolger wird Ludwig der Bayer, der 1328 Kaiser wird und 1347 stirbt. 

    1309 König Heinrich VII verleiht Koblenz einen Jahrmarkt. 

    1331 Wachablösung auf dem Beatusberg. Im Norden der heutigen Karthause zieht der Karthäuserorden in das ehemalige Benediktinerkloster ein. 

    1338 Hoftag in Koblenz im August und September unter Kaiser Ludwig (der Bayer). Auch der englische König Eduard III. ist anwesend. 

    1343 Die an der Südseite der Liebfrauenkirche gelegene Friedhofskapelle St. Michael wird urkundlich erwähnt. 

    1346 König Karl IV. wird König. Die Kaiserkrönung des Luxemburgers folgt 1355. Karl stirbt 1378. 

    1347 Die Grenzauer Fehde endet am 20. April mit einer verheerenden Niederlage der Koblenzer Bürger. 

    1347 Der Koblenzer Rheinzoll wird nach Kapellen verlegt. 

    1356 Die Goldene Bulle regelt Wahl und Krönung der römisch-deutschen Könige. Streng genommen kann man erst seit diesem „Grundgesetz“ von Kurfürsten sprechen. 

    1366 Erneut wird ein Stadtrat genannt. Forscher sprechen von einer „zweiten Ratsgründung“, weil fortan früher nicht vertretene Gruppen beteiligt werden.

     

     

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