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    Zehn Jahre: Kastellauner Waldorfschule feiert Geburtstag

    Zwölf Jahre ist es her, dass sich an der Mosel und im Hunsrück Eltern zusammenschlossen, um sich für die Gründung einer Waldorfschule einzusetzen. Bereits bei der Gründungsveranstaltung des Waldorfschulvereins Hunsrück-Mosel gab sich Mitinitiator Richard Daubner optimistisch. „Wenn wir weiter so intensiv arbeiten und gut vorankommen, können wir 2007 mit dem Schulbetrieb beginnen“, sagte er damals. Und er sollte recht behalten. Denn am kommenden Wochenende kann die Freie Waldorfschule Kastellaun tatsächlich ihr zehnjähriges Bestehen feiern.

    Georg Gail (links) gehört zu den Gründungsmitgliedern der Kastellauner Waldorfschule. Seither engagiert er sich für die Schüler, fungiert als Imker und übt mit den Kindern ab der neunten Klassenstufe das Schmiedehandwerk, das den Jugendlichen besonders viel Freude macht. Foto: Charlotte Krämer-Schick
    Georg Gail (links) gehört zu den Gründungsmitgliedern der Kastellauner Waldorfschule. Seither engagiert er sich für die Schüler, fungiert als Imker und übt mit den Kindern ab der neunten Klassenstufe das Schmiedehandwerk, das den Jugendlichen besonders viel Freude macht.
    Foto: Charlotte Krämer-Schick

    „Was wir für Klippen genommen und Hürden überwunden haben“, erinnert sich Anette Daubner an die anstrengende Gründungsphase. „Ich weiß nicht, ob wir es gemacht hätten, wenn wir das gewusst hätten“, sagt sie. Doch heute ist sie einfach nur glücklich und kann es kaum fassen, dass so viele Kinder – 114 Schüler sind es aktuell – in einem so schönen Gebäude unterrichtet werden können. Gerade wurde wieder umgebaut im Schulhaus „An der Molkerei“ in Kastellaun. Weitere Klassenräume kamen hinzu – darunter auch ein Naturwissenschaftsraum mit allerlei technischer Ausrüstung zum Forschen und Entdecken –, die im ersten Stock des Gebäudes über eine Empore zu erreichen sind. Das durch Oberlichter in der Decke mit viel Licht durchflutete Erdgeschoss kann die Schulgemeinschaft künftig als Aula nutzen, etwa für Theatervorstellungen oder Schulfeste.

    „Bisher waren die meisten Klassenräume eher improvisiert“, erzählt Sabine Bongartz, Lehrerin und Gründungsmitglied, nun verfügt auch die Oberstufe endlich über ihren eigenen Raum. Es ist der erste Jahrgang mit sechs Schülern, der in Kastellaun sein Abitur machen wird. Bis dahin war es ein langer Weg, erzählen Bongartz und Daubner. „Schon die Suche nach einem Gebäude war turbulent“, erzählen die beiden. Denn aus dem ursprünglich ins Auge gefassten Gebäude wurde nichts. „Das war im April 2007“, erzählt Bongartz, nur wenige Monate also vor dem geplanten Schulstart. Durch Zufall kamen sie dann an das Dörrsteingebäude, das sie nach und nach hauptsächlich in Eigenleistung umbauten. „Eine gute Pädagogik war uns erst einmal wichtiger als das Gebäude“, sagt Bongartz.

    Dass der Unterricht in Kastellaun anders abläuft als an anderen Schulen, ist überall sichtbar. Hinter dem Gebäude ist ein großer Gemüsegarten, der vor allem von der fünften bis achten Klasse bewirtschaftet wird, denn dann rückt das Thema Gartenbau in den Mittelpunkt. Neben den Beeten steht ein Bienenstock, um den sich Georg Gail kümmert. Er ist zwar kein Lehrer im eigentlichen Sinne, steckt als Gründungsmitglied aber dennoch viel seiner Zeit in die Schule. Nicht nur als Imker. Die Schüler ab der neunten Klasse etwa üben mit ihm das Schmiedehandwerk. Dabei entstehen Nägel oder Kleiderhaken, auf die die Kinder mächtig stolz sind. In den Klassenzimmern findet sich allerlei Handarbeit, Gestricktes, Gehäkeltes, Gebasteltes.

    Teilweise kommen die Kinder und Jugendlichen von weit her, um an dem alternativen Unterricht der Waldorfschule teilzunehmen. „Wir haben Schüler von der Mosel, aus dem Hunsrück und vom Rhein“, erzählt Bongartz, ein Schüler kommt sogar aus Münstermaifeld, ein anderer aus Bad Kreuznach. Seit 2008 gibt es auch einen Waldorf-Waldkindergarten in Kastellaun.

    Dass die Schule gegründet wird, bevor es einen Kindergarten gibt, ist ungewöhnlich, sagt Bongartz. Auch die Aufteilung in Doppelklassen – je zwei Jahrgänge werden in Kastellaun gemeinsam unterrichtet – ist nicht üblich für eine Waldorfschule. Ein weiteres Konzept, das sich die Kastellauner Gründer ausgedacht haben ist, dass immer zwei Erwachsene den Unterricht übernehmen: „Ein Waldorflehrer und ein Mensch aus dem Leben, ein Handwerker etwa“, erklärt Bongartz. Auch ist die Kastellauner Schule seit Kurzem eine anerkannte Inklusionsschule, an der Kinder mit Lernschwächen die bedingte Berufsreife erlangen können. „Mit diesen Konzepten nahmen wir eine Vorreiterrolle ein“, sagt sie, und diese wurden vom Bund der Freien Waldorfschulen durchaus skeptisch gesehen. Mittlerweile übernehmen jedoch einige andere Schulen die Ideen des Vereins.

    Die Kastellauner haben am kommenden Wochenende also allen Grund zu feiern. Los geht das Fest am Freitag, 22. September, um 18 Uhr mit einem Festakt. Am Samstag, 23. September, wird es ab 10 Uhr eine öffentliche Schulfeier geben.

    Weitere Infos gibt es unter www.freie-waldorfschule- kastellaun.de

    Von unserer Reporterin
    Charlotte Krämer-Schick

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