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Rhein-Hunsrück

Wenn die närrische Zeit zu Ende geht: Aschermittwoch ist ein Tag der Veränderung

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, heißt es in einem Karnevalsschlager. Kirchliches Leben und christliches Brauchtum ziehen durch die Zäsur des Aschermittwochs eine scharfe Trennlinie zwischen der ausschweifenden Fastnachtszeit und der beginnenden Fastenzeit.

Heute sind Variationen vom Hering in der Region erste kulinarische Wahl.
Heute sind Variationen vom Hering in der Region erste kulinarische Wahl.
Foto: Werner Dupuis

Das traditionelle Heringsessen ist der symbolische Ausstieg aus Völlerei und der Abschied vom üppigen Essen und vor allen Dingen auch vom übermäßigen Trinken während der tollen Tage.

In vielen regionalen Restaurants und privaten Küchen dominieren auch an diesem Aschermittwoch Heringsvariationen die Speisekarten. Nicht nur das Landhotel Karrenberg in Kirchberg lädt ab 17.30 Uhr bei vorheriger Reservierung dazu ein, verschiedene Kreationen von Küchenmeister Tino Rost zu probieren, der zum Ausklang der närrischen Zeit ein Heringsbüfett zusammengestellt hat. Vom Curryhering bis zum klassischen Sahnehering wird hier einiges geboten – im Karrenberg gehört das Heringsessen mitsamt klassischer Pellkartoffel wie in anderen Häusern zum Aschermittwoch dazu.

Die Bezeichnung Aschermittwoch resultiert aus dem uralten Brauch, während der Heiligen Messe an diesem Tag die Asche von verbrannten Palmzweigen des Vorjahres zu segnen und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche auf ihrer Stirn als Christen zu kennzeichnen. Der Empfang des Aschenkreuzes gehört zu den heilswirksamen Zeichen, den Sakramentalien. Die Fastenzeit selbst soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte.

Die Bestreuung mit Asche als Zeichen der Buße fand bereits im Alten Testament Erwähnung. Schon in der Spätantike mussten Menschen, denen eine Kirchenbuße auferlegt wurde, am Anfang der Fastenzeit ein Bußgewand anziehen. Das Aschenkreuz wurde ursprünglich bei Männern auf das Haupt gestreut und bei Frauen auf die Stirn gezeichnet. Heute im Zeichen der Gleichberechtigung sind beide Formen üblich. Mit diesem Ritual soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Für gläubige Katholiken markiert jede Austeilung der Asche eine Etappe des Lebens, an dessen Ende unerbittlich der Tod steht.

Am Aschermittwoch beginnt auch wieder die Fastenzeit. Unsere Redaktion hat mit Dr. Berthold Karbach gesprochen, der in Emmelshausen eine Hausarztpraxis betreibt. Er ist der Meinung: Die Fastenzeit kann einen Anstoß geben, die eigenen Ernährungsweisen zu überdenken, sich körperlich und geistig zu besinnen.

„Eine gewisse Diät einzuhalten, ist sinnvoll“, sagt Karbach. Das Fasten an sich sei ja eher etwas Religiöses und stamme aus der Zeit, in der es noch keine Kühlschränke gab. „Das Sauerkraut und die Pökelheringe waren weg“, sagt der Allgemeinmediziner und die Fastenzeit begann. Heute sei es sinnvoll, die Zeit zu nutzen, um zu hinterfragen: „Was esse ich und wie ernähre ich mich? Lasse ich mich von Werbung und Konsum beeinflussen? Esse ich beispielsweise jeden Tag Fleisch?“, sagt Dr. Karbach.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen etwa, pro Woche höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch oder Wurst zu essen. Darüber hinaus könne das Fasten auch genutzt werden, um den Körper zu „resetten“, was so viel bedeutet wie ihn zurückzusetzen auf die Anfangsposition: Eine Woche fasten und danach mit einer Ernährungsumstellung beginnen. Eine ärztliche Begleitung des Ganzen sei vor allem dann sinnvoll, wenn bekannte Grunderkrankungen wie Diabetes, Stoffwechselstörungen oder Gicht vorlägen, erklärt der Mediziner.

In der Region wird es am Aschermittwoch auch politisch. So empfängt unter anderem die SPD in Sohren Landtagspräsident Hendrik Hering um 18 Uhr im AWO-Haus zum Dialog, Innenstaatssekretär Günter Kern kommt zum Heringsessen nach Horn (19 Uhr, Gasthaus Zur Schanz). bed/wd/vb

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