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Mittelrhein

Weniger Betten am Mittelrhein: Wohin mit den Buga-Gästen 2031?

Am Mittelrhein ist die Zahl der Betten und Betriebe in den vergangenen Jahren gesunken, und auch ein Blick in die Zukunft lässt in diesem Punkt nichts Gutes erahnen. Eine Studie der Industrie- und Handelskammer, die bereits im vergangenen Juni der Öffentlichkeit präsentiert wurde (wir berichteten), war am Dienstagabend Thema im Tourismusausschuss der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel und sorgte für lange Diskussionen unter den anwesenden Mitgliedern und Gästen.

Ein Zu-Verkaufen-Schild prangt am Hotel „Das Boot“ in Sankt Goar. Aus Altersgründen wird ein Nachfolger gesucht, das imposante Gebäude am Rhein steht leer. In Zukunft könnte das am Mittelrhein häufiger zu sehen sein. Eine Umfrage der IHK, über die im Tourismusausschuss der VG St. Goar-Oberwesel diskutiert wurde, legt nahe, dass in den nächsten Jahren zahlreiche Betriebe vor der Nachfolgefrage stehen werden.  Foto: Suzanne Breitbach
Ein Zu-Verkaufen-Schild prangt am Hotel „Das Boot“ in Sankt Goar. Aus Altersgründen wird ein Nachfolger gesucht, das imposante Gebäude am Rhein steht leer. In Zukunft könnte das am Mittelrhein häufiger zu sehen sein. Eine Umfrage der IHK, über die im Tourismusausschuss der VG St. Goar-Oberwesel diskutiert wurde, legt nahe, dass in den nächsten Jahren zahlreiche Betriebe vor der Nachfolgefrage stehen werden.
Foto: Suzanne Breitbach

Der Tourismusausschuss ist das erste Gremium am Mittelrhein, das sich jetzt im Nachgang näher mit der IHK-Umfrage befasst hat. In allen anderen betroffenen Regionen wurde noch nicht weiter darüber öffentlich debattiert. Dabei ist das Ergebnis mehr als besorgniserregend. Die Geschäftsführerin der Romantischer Rhein Tourismus GmbH, Jeanette Dornbusch, führte den Anwesenden am Dienstagabend erneut vor Augen, dass im Gebiet der Tourismusdestination Romantischer Rhein in den kommenden fünf bis zehn Jahren das Thema Betriebsnachfolge für knapp 40 Prozent der befragten Betriebe am Rhein relevant werden wird. „Was uns erschrocken hat: 13 Prozent werden schließen“, sagte Jeanette Dornbusch.

Was diese 13 Prozent genau für die Bettenkapazität am Mittelrhein bedeutet, vermag derzeit niemand genau zu sagen. Der durchschnittliche Betrieb am Rhein hält 28 Betten vor. „Es gibt auch Betriebe, die haben mehr als die durchschnittlichen 28 Betten“, so Dornbusch. Damit würde sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre fortsetzen, was die Zahl der Betriebe und Betten angeht. „Wir haben in den letzten zehn Jahren schon 13 Prozent verloren“, betonte die Tourismusexpertin. Damit würden im schlimmsten Fall in einem Zeitraum von 20 Jahren ungefähr ein Viertel der Übernachtungsbetriebe wegbrechen.

Sie stellte erneut die Frage in die Runde, die bereits im Juni bei der Präsentation der Studie aufgeworfen wurde: „Wo sollen die Gäste der Buga 2031 dann schlafen?“ Denn Fakt sei ja: „Wir wollen die Wertschöpfung in unserer Region haben.“ Doch in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Betten bereits von 17.000 auf knapp 15.000 gesunken, die Zahl der Betriebe (beides ohne Camping) von 355 auf 308 gefallen.

An erster Stelle für eine künftige Betriebsaufgabe stehen Altersgründe (79,3 Prozent). Aber immerhin 13,1 Prozent der Befragten gaben fehlende Rentabilität als Grund an. „Das hat auch die IHK erschrocken“, sagte Jeanette Dornbusch. „Ein Berater würde jetzt sagen: Es wird eine Marktbereinigung geben. Doch ganz so einfach ist es an dieser Stelle nicht“, so die Tourismusexpertin. Sie bezeichnete das derzeitige Wachstum auf dem Tourismussektor im Rheintal von knapp 26 Prozent zwar als „solide“, betonte aber auch: „Es wird einen Wendepunkt geben, wo wir dieses Wachstum nicht mehr haben werden.“ Dornbusch kritisierte, es müsse mehr an Servicequalität, Beschwerdemanagement und Innovationsgehalt gearbeitet werden. „Wir haben gute Betriebe, aber es ist nicht die Masse und die Schlagkraft vorhanden, die wir wirklich brauchen. Wir brauchen Gastgeber, die mit Leib und Liebe Gäste aufnehmen und beraten. Das haben wir hier nicht überall.“

Die Leiterin der Tourist-Info Oberwesel, Lena Höver, hingegen betonte, die Situation, dass es bald keine Leistungsträger mehr gibt, sei schon da. „Das liegt aber nicht an den Gastgebern, sondern an den Bedingungen. Die Gastgeber bekommen kein Personal mehr.“ Und dann stelle sich etwa die Frage, wo die Touristen essen gehen sollen, wenn mittags alles zu ist. Damit hätten aber auch andere Regionen wie die Ahr zu kämpfen, hielt ein Anwesender dem entgegen. Doch was genau machen diese Regionen besser? Diese Frage wurde mehrfach gestellt, ließ sich aber nicht so einfach beantworten. „Sie haben ein Wir-Gefühl und verkaufen sich nach Außen als eine Einheit“, war ein Punkt, der genannt wurde.

Ein sehr gutes Ergebnis bescheinigte Dornbusch der Region mit Blick auf die Schwerpunkte Aktiv- und Wandertourismus. Da sei in den letzten Jahren viel geschehen. „Sie hätten vor Jahren aber noch ein zweites oder drittes Thema haben müssen“, betonte sie. In Unkel und Linz gebe es beispielsweise eine Initiative, die leer stehende Geschäfte als Ateliers nutzt. Außerdem sei das Thema Wein noch gar nicht bei den Gästen des Rheintals angekommen. Es fehle zudem eine Querverbindung von Welterbe zu Welterbe, vom Mittelrheintal zum Limes. Auch beim Thema online buchbar zu sein, seien andere schneller.

„Die Wertschätzung von den Kollegen, die sich bemühen, ist nicht gegeben“, monierte hingegen Trudel Weiler, die mit ihrem Mann das Weinhaus Weiler in Oberwesel bewirtschaftet. Sie fragte: „Was in aller Welt wurde in den vergangenen Jahren für den Tourismus getan außer einem Wanderweg?“, erhielt darauf aber keine Antwort.

Von unserer Redakteurin Denise Bergfeld

Die weiteren Ergebnisse der IHK-Studie in Kürze

An der IHK-Umfrage haben sich 296 Betriebe beteiligt, das sind rund 35 Prozent. Für 60,4 Prozent ist eine Betriebsnachfolge in den kommenden fünf bis zehn Jahren kein Thema. Für die übrigen knapp 40 Prozent schon: 13,1 Prozent denken daran, ihren Betrieb zu schließen.

11,5 Prozent haben sich noch nicht näher damit beschäftigt. 8,1 Prozent wollen verkaufen, 6,8 Prozent an einen Nachfolger übergeben. Der Verkauf ist eher für den Hotelsektor relevant, die Schließung für die Privatquartiere, obwohl es auf diesem Sektor gut läuft. In 15 Jahren werden wahrscheinlich noch 87 Prozent der Hotels am Markt sein, bei den Privatquartieren aber nur noch rund 53 Prozent. Dabei spielen wohl Altersgründe die entscheidende Rolle. Die Tourismuswirtschaft ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Region und erzielt einen Bruttoumsatz von mehr als 1 Milliarde Euro. Die Zahl der gewerblichen Übernachtungen im Rheintal ist von 2005 bis 2015 um 0,3 Millionen von 2,2 auf knapp 2,6 Millionen gestiegen. Die Auslastung der Betriebe stieg in den vergangenen zehn Jahren von 27,4 auf 36 Prozent. Derzeit sind die Markttreiber der Campingsektor mit einem Plus von knapp 36 Prozent bei den Übernachtungen und 10 Prozent bei den Schlafgelegenheiten und die Privatquartiere mit einem Plus von 48 Prozent bei Übernachtungen und 6,7 Prozent bei den Betten. Die Zahlen zeigen auch, dass die Zahl der Übernachtungen stärker wächst als die Bettenzahl. bed

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