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    OberweselVortrag bietet Einblick in die Heimatgeschichte: Schieferbergbau florierte einst am Mittelrhein

    Die Faszination für den Schiefer und die Geschichte seines Abbaus im Mittelrheintal treibt Dirk Zorbach bereits seit vielen Jahren um. Der Fachleiter Geschichte an der Realschule plus Oberwesel besuchte die stillgelegten Schieferstollen des Kauber Zugs, der über die Region hinaus für die hohe Qualität des dort abgebauten Schiefers bekannt war, nahm Kontakt zu ehemaligen Beschäftigten der Bergwerke auf und versuchte sich bei einem Schulprojekt mit seiner Klasse auch schon mal selbst im Zurichten der Schieferstücke zu Schindeln.

    Dirk Zorbach ist seit 16 Jahren Lehrer an der Realschule plus in Oberwesel. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte des Schieferabbaus im Mittelrheintal. Die präzise Arbeit, mit dem der Dachschiefer zugerichtet wurde, hat es ihm besonders angetan.
    Dirk Zorbach ist seit 16 Jahren Lehrer an der Realschule plus in Oberwesel. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte des Schieferabbaus im Mittelrheintal. Die präzise Arbeit, mit dem der Dachschiefer zugerichtet wurde, hat es ihm besonders angetan.
    Foto: Werner Dupuis

    Für seinen Vortrag im Oberweseler Kulturhaus „Expedition in den Untergrund“ trug der gebürtige Bornicher die Erkenntnisse seiner Recherchen zusammen und gestaltete daraus einen unterhaltsamen wie informativen Abend zu einem Kapitel der Heimatgeschichte, dem sonst oft nur noch wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Dabei handelte es sich beim Schieferabbau im Mittelrheintal – ob zum Beispiel im rechtsrheinischen Wilhelm-Erbstollen in Kaub oder in den linksrheinischen Gruben Kronprinz (Dellhofen) oder Rhein (Bacharach) – noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts um einen prosperierenden Wirtschaftszweig, machte der Referent deutlich.

    Stollen sind nach wie vor stabil

    Und mehr noch: „Die Schiefergruben wären heute wieder benutzbar.“ Wenn der Kauber Schiefer aus dem Mittelrheintal nicht durch preiswertere ausländische Schiefer und Kunstschiefer vom Markt verdrängt worden wäre, könnte man ihn heute noch in den bestehenden Stollen abbauen, erklärt Dirk Zorbach: „Der Schiefer trägt sich selbst. Man braucht keine Streben, um die Gänge der Stollen zu stabilisieren.“

    Für den Schieferabbau trieb man die Stollen unter der Schieferschicht hindurch ins Gestein. Mit Schießpulver, das in Bohrlöcher im Fels eingebracht wurde, löste man die Schieferplatten von der Decke. Lediglich bei einem Viertel des so gelösten Materials handelte es sich um verwendbaren Schiefer, der noch vor Ort von Hand zugesägt wurde, Dreiviertel des Gesteins blieben als Abraum zurück: „Dadurch füllen sich die beim Schieferabbau entstehenden Löcher von selbst.“

    Zusammenschlüsse verbesserten die Arbeitsbedingungen

    Schwere körperliche Arbeit wartete auf die Männer in den Stollen, die sie in den Anfangsjahren häufig neben der Landwirtschaft als Einmannbetriebe in den Fels trieben. Erst mit dem Zusammenschluss kleinerer Gruben, wie es etwa bei der Gründung des Wilhelm-Erbstollen 1837 in Kaub geschah, wurde die Tätigkeit im Schieferabbau bei deutlich erträglicheren Bedingungen lukrativ.

    Aus Zorbach Schilderungen spricht die Bewunderung für die Arbeitsleistung der Bergleute, insbesondere für die präzise handwerkliche Tätigkeit, die die Spalter und Zurichter über Tage verrichteten. Diese arbeiteten oft unter freiem Himmel und teilten den noch feuchten Schiefer mit dem Spalteisen in dünne Platten. Diese brachten wiederum die Zurichter in die charakteristische Dachschieferform: „Sie arbeiteten freihändig nach Gefühl ohne Zentimetermaß“, beschreibt Zorbach. Die Löcher für die Nägel, mit denen der Dachschiefer befestigt wurde, wurden nicht in die Platten gebohrt, sondern ins Gestein geschlagen.

    Heute besiedeln Fledermäuse die ehemaligen Stollen

    Als in den 50er-Jahren der Niedergang der Dachschieferproduktion im Mittelrheintal einsetzte, fingen einige Gruben damit an, vermehrt Schiefermehl und -schutt zu produzieren. So auch die Grube Kronprinz in Dellhofen, wo bis Mitte der 60er-Jahre Betonformsteine gefertigt wurden. Der inzwischen verstorbene Hans Bappart aus Dellhofen, der in den 50er-Jahren Maschinist in der Grube Kronprinz war, hatte Zorbach 2005 in einem Interview Einblick in seine Erinnerungen an den Schieferbergbau gegeben. Der entsprechenden Audioaufzeichnung konnten auch die Besucher im Kulturhaus lauschen.

    Als die Bergleute die Schiefergruben in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts endgültig verlassen hatten, fanden diese übrigens rasch neue „Besitzer“, die Zorbach im Bild festhielt: Fledermäuse, wie das Große Mausohr, die Bartfledermaus oder die Bechsteinfledermaus, besiedeln heute die Stollen.

    Von unserer Redakteurin Martina Koch
     

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