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    Volksschriftsteller des 19. Jahrhunderts: W. O. von Horn starb vor 150 Jahren

    Würde er heute noch leben und schreiben, gehörte Wilhelm Friedrich Oertel zu der Riege deutscher Bestsellerautoren und wäre sicher ein gefragter Mann bei der aktuellen Frankfurter Buchmesse. Mitte des 19 Jahrhunderts zählte Oertel unter seinem Pseudonym W. O. von Horn zu den meistgelesenen und publizierten Volksschriftstellern im deutschsprachigen Raum. Seine Bücher erreichten damals eine Millionenauflage. Am heutigen Samstag, 14. Oktober, jährt sich sein Todestag zum 150. Mal.

    Der Volksschriftsteller gehörte im 19. Jahrhundert zu den meist gelesenen Autoren.
    Der Volksschriftsteller gehörte im 19. Jahrhundert zu den meist gelesenen Autoren.
    Foto: Werner Dupuis

    Geboren wurde Wilhelm Friedrich Oertel am 15. August 1798 im Pfarrhaus von Horn als Sohn des evangelischen Pfarrers und späteren Koblenzer Superintendenten Friedrich Peter Paul Oertel. Über zwei Generationen hatten die Oertels hier bereits die Pfarrstelle inne. Seine ersten sechs Lebensjahre verbrachte der kleine Wilhelm Friedrich in dem Hunsrückdorf. 1804 wurde der Vater nach Bacharach versetzt. In den engen historischen Gassen von Bacharach konnte der Schüler eintauchen in die rheinische Geschichte und Sagenwelt. Das hat Oertels Leben und sein schriftstellerisches Werk genauso geprägt wie die bäuerliche Lebenswelt des Hunsrücks. Als dritte Komponente kamen die Grundsätze seines protestantischen Glaubens hinzu. Die Wahl seines Pseudonyms W. O. von Horn ist Indiz für seine enge Verbundenheit zum Hunsrück.

    Weltgeschichte hautnah erlebt

    1812 übernahm der Vater die Pfarrstelle in Manubach. Als 14-jähriger Schüler erlebte der junge Oertel am Neujahrstag 1813 hautnah den Übergang von General Blüchers preußischen Soldaten über den Rhein bei Kaub. Die Weltgeschichte machte Station in Oertels direkter Nachbarschaft im Mittelrheintal. Bereits mit 16 begann Wilhelm Friedrich sein Theologiestudium in Heidelberg. 1818 legte er in Koblenz sein Examen ab. Von seinem Vater erhielt er am 15. August 1819 – an seinem 21. Geburtstag – die Weihe für das geistliche Amt. Der Vater verstarb im gleichen Jahr.

    Zunächst wurde Friedrich Wilhelm als Nachfolger seines Vaters zum Pfarrverwalter von Manubach bestellt. 1822 übertrug man ihm offiziell diese Pfarrstelle. 1835 wechselte er als Königlich Preußischer Superintendent nach Sobernheim. Parallel dazu erhielt er das Amt des Schulinspektors des Kirchenkreises.

    An der Nahe intensivierte Oertel seine schriftstellerischen Ambitionen. Da dies für einen Pfarrer nicht unbedingt standesgemäß war, publizierte er zunächst unter dem Pseudonym F. W. Lips. Dieses hatte er von seinem Vornamen Friedrich Wilhelm Philipp abgeleitet. 1845 brachte ihm der Roman „Friedel“ den lang ersehnten schriftstellerischen Durchbruch. Als Autorennamen nutzte er erstmals sein neues Pseudonym W. O. von Horn, welches er von seinem Geburtsort ableitete. „Friedel“ war ein kommerzieller Erfolg und zählte insgesamt 30 Auflagen.

    Mit der 1846 erstmals veröffentlichten „Spinnstube“ schrieb Oertel einen weiteren Bestseller, der deutschlandweit Beachtung fand. Angelegt als Jahreskalender standen darin ganz praktische Ratschläge für den Gartenfreund, für Landwirte und Winzer neben Geschichten, Rätseln, Erzählungen und lebenskundlichen Weisheiten inklusive sittlich-moralischer Belehrungen. Immer wieder mahnte der Autor auch zur Gottesfurcht.

    Illustriert wurde die „Spinnstube“ vom damals außerordentlich populären Ludwig Richter, der in seinen Bildern wie kein anderer das deutsche Volksleben verewigte. Weil die ersten Jahrgänge der „Spinnstube“ innerhalb kurzer Zeit nach ihrem Erscheinen vergriffen waren, erschienen im Folgenden Sammelbände, die ebenfalls auf große Resonanz bei den Lesern stießen.

    Oertel war ein außerordentlich produktiver Schriftsteller. Von 1850 bis 1867 schrieb er insgesamt 75 Volks- und Jugendbücher mit Erzählungen, Biografien und Abenteuergeschichten aus aller Welt. Acht Jahrgänge der Publikation „Maje“ erschienen mit Aufsätzen aus der Natur- und Weltgeschichte, aus Ländern und der Völkerkunde. Oertel nahm seine Leserschaft mit auf eine Reise rund um den Globus.

    Nach seiner Pensionierung 1863 zog Oertel mit seiner Familie nach Wiesbaden. Hier erschien sein schönstes und aufwendigstes Werk „Der Rhein – Geschichten und Sagen seiner Burgen, Abteien, Klöster und Städte im Rheintal zwischen Worms und Köln“. Wegen seiner prächtigen Aufmachung und einer Vielzahl an Stahlstichen und Ortsansichten ist dieses Buch auch heute noch bei Sammlern sehr begehrt. Am 14. Oktober 1867 verstarb Oertel unerwartet an den Folgen eines Schlaganfalls. Seine letzte Ruhestätte fand er in Wiesbaden.

    Übersetzt wurden Oertels Bücher in viele Sprachen, darunter englisch, niederländisch, französisch, russisch, polnisch, tschechisch, schwedisch, ungarisch und spanisch. Bis in die 1920er-Jahre fand man eine Vielzahl seiner Erzählungen in Schulbüchern. Im aktuellen Literatur- und Kulturbetrieb spielt W. O. von Horn allerdings heute keine Rolle mehr. Auch im Kulturbetrieb des Hunsrücks hat der Autor kaum noch eine Bedeutung. Während an seinem 100. Todestag mit Reden und klassischer Musik seiner gedacht wurde, wird es in diesem Jahr keine Gedenkveranstaltungen geben. 2013 eröffnete der W. O. von Horn-Sammler und -Experte Helmut Müller mitten im Dorf Horn in seinem lange Zeit leer stehenden Elternhaus ein privat betriebenes Museum. Auch in Manubach wird von der Ortsgemeinde ein öffentlich zugängliches Archiv mit Erinnerungsstücken und einer Sammlung von vielen Erstausgaben geführt.

    Anlässlich des Todestages öffnet am Sonntag, 15. Oktober, Helmut Müller sein Museum in der Hauptstraße 11, von 14 bis 18 Uhr. Dabei verkauft er auch die Neuauflage der beiden Bücher des Volksdichters „Geschichte der Müllers Kinder aus dem Kellenbachtal“ und der „Pfälzer Bauernkrieg“. Zudem sind die Reprints im heimischen Buchhandel und bei Helmut Müller, An der Port 23, in Horn erhältlich.

    Von unserem Reporter Werner Dupuis

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