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Gödenroth

"Uffgesatzte" begeistern erneut ihr Publikum

Gisela Wagner

Am Wochenende wurde in Gödenroth an drei Abenden vor ausverkauftem Haus Theater gespielt. Zur Aufführung kam das Stück „Dieses mal was mit Niveau!“ von Andreas Heck. Doch in diesem Jahr war alles anders, nicht so, wie man es von der im Jahr 2002 gegründeten Laienspielgruppe „Die Uffgesatzte“, und die sich schon lange einen guten Namen gemacht hat, gewohnt ist.

Mit einem Stück, das wahrhaftig aus der Rolle fällt, überraschte die Theatergruppe „Die Uffgesatzte“ ihr Publikum in Gödenroth.  Foto: Gisela Wagner
Mit einem Stück, das wahrhaftig aus der Rolle fällt, überraschte die Theatergruppe „Die Uffgesatzte“ ihr Publikum in Gödenroth.
Foto: Gisela Wagner

Schon Tage zuvor hatte sich im Dorf herumgesprochen, dass auf der Bühne so kurz vor der Aufführung noch ein großes Chaos herrscht. Alles glich einer Baustelle, dabei war man doch bisher perfekte Bühnenbilder gewohnt. Auch die Ansage war eher zögerlich und verteilte keine Vorschusslorbeeren, sondern gab den Hinweis, dass alles nicht ganz fertig geworden sei. Es gab sogar Gerüchte, so ganz am Rande, dass in Gödenroth die Bank überfallen und eine Ringfahndung eingeleitet worden sei.

Ja und dann öffnete sich der Bühnenvorhang und alles war noch viel schlimmer als erwartet. Wo sonst schon für die Gestaltung der Bühne der erste Applaus brandete, warteten die Zuschauer zuerst einmal ganz verhalten ab, was man ihnen in diesem Jahr „servieren“ würde. Geprobt, das wussten Insider, wurde schon seit Januar.

Schnell merkte das Publikum, dass die „Uffgesatzte“ das ganz normale Chaos einer Theaterprobe und die damit verbundenen Probleme nachstellten. Manchmal verwoben sich Fiktion und Realität so ineinander, dass man sich nicht mehr sicher war, ob die Szene nun gerade gespielt wurde oder ob es hier tatsächlich beim Üben so heiß hergeht. Doch eins war sicher: Die Zuschauer kamen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Obwohl man dieses Mal mit Absicht kein Bauernstück mit Knecht, Magd und Bauer und dem üblichen Drumherum ausgewählt hatte.

In der Fiktion ging es um einen örtlichen Theaterverein, der Jahr für Jahr mit Boulevardkomödien sein Stammpublikum begeistert. Doch das soll sich im Jubiläumsjahr ändern. Dieses Mal soll endlich ein Stück mit Niveau gespielt werden, um den schauspielerischen Ansprüchen der Spieler gerecht zu werden. Dem Publikum will man beweisen, dass man mehr kann. Ein Kriminalklassiker aus der „Pater-Brown-Reihe“ soll zur Aufführung kommen. Man leistet sich sogar einen professionellen Regisseur, den man via Internet verpflichtet hat.

Doch irgendwie sind die Schauspieler dann doch mit ihrem ehrgeizigen Projekt überfordert. Die beiden handwerklich unbegabten Männer der Theatercrew versuchen sich am Bühnenbild und in dem ganzen Durcheinander soll nun auch noch geprobt werden.

Das Stück stellt große Anforderungen an die Spieler, nicht nur spielerisch müssen sie voll auf der Höhe sein, sondern auch verbal verlangt ihnen die aristokratische, hochgestelzte Sprache alles ab. Doch siehe da, nach einigen Anfangsschwierigkeiten und Aufgeregtheiten, die beim Publikum besonders gut ankommen, haben die Spieler den Zungenschlag perfekt verinnerlicht.

Doch es gibt noch viel mehr Hürden zu nehmen. Die Kleidung der feinen Gesellschaft muss natürlich perfekt sitzen, Karina Knolle hat sich allerdings in den Größen verschätzt, so dass die Frauen keine Luft mehr bekommen und die Männer meist ohne Hose auf der Bühne stehen.

Ja, und der Profi-Regisseur, den man sich da übers Internet geangelt hat, erfüllt auch nicht wirklich die hohen Erwartungen, die man an einen Profi stellt. Später stellt sich heraus, dass der eigentliche Regisseur überhaupt nicht erschienen ist, und dass man stattdessen den mutmaßlichen Bankräuber, der einen Unterschlupf suchte, rekrutiert hat.

Im wirklichen Leben kommen die Gödenrother übrigens ganz ohne Regisseur aus – sie treffen alle Entscheidungen gleichberechtigt gemeinsam, was natürlich auch hin und wieder zu Spannungen führt, räumen die Spieler freimütig ein. Aber großen Spaß macht es den Laiendarstellern trotzdem und das merkt man ihnen an. Sie lachen gemeinsam mit dem Publikum über sich selbst.

Im Übrigen erkennen sich die Mitglieder der „Uffgesatzte“ in einigen Szenen durchaus wieder, das Stück ist schon sehr nah an der Realität, erzählen sie schmunzelnd. Auch bei der Schauspieltruppe wird manchmal heftig diskutiert und knallhart gefightet. Vom begeisterten Publikum, das nicht mit Applaus sparte, gab es jedenfalls große Komplimente für die gelungene Aufführung.

Von unserer Mitarbeiterin Gisela Wagner

Fleißige Helfer auf und hinter den Bühnenbrettern

Als Laiendarsteller wirkten mit: Beate Sperber (Simone Tirajeh), Trudel Trugschluss (Janine Jacobs), Heinz Helfrich (Mike Freiß), Gerhard Schreiner (Dominik Adamus), Klunker Kurt alias Francois Trichine (Niklas Henning), Rosi Reinlich (Marion Henning), Lisa Leise (Alexandra Kraus), Karina Knolle (Dominique Haller).

Anke Henning (Souffleuse), Marina Ott/Katrin Kneip (Maske), Diana Müller (Frisuren), Stefan und Andreas Henning (Bühnenbild). gw

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