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    Schmuckstück: Simmern feiert den frisch hergerichteten Schinderhannesturm

    Über viele Jahre und Jahrzehnte fristete der Schinderhannesturm ein Schattendasein in der Kreisstadt. Versteckt hinter anderen Gebäuden und nicht sach- und fachgemäß saniert, galt das historische Gemäuer nicht gerade als Vorzeigeobjekt. Dies hat sich in der jüngsten Vergangenheit drastisch geändert: Aus dem Areal vor dem Wahrzeichen Simmerns, aus dem 1799 der berühmte Räuberhauptmann Johannes Bückler spektakulär flüchtete, und dem Turm selbst sind längst echte Schmuckstücke geworden.

    Die Stadtmauer dockte einst an den alten Pulverturm an und ist heute wieder sichtbar. Über das Ende der langwierigen Sanierungsarbeiten freuen sich Stadtbürgermeister Andreas Nikolay (von links), Museumsleiter Fritz Schellack und Architekt Bernd König.
    Die Stadtmauer dockte einst an den alten Pulverturm an und ist heute wieder sichtbar. Über das Ende der langwierigen Sanierungsarbeiten freuen sich Stadtbürgermeister Andreas Nikolay (von links), Museumsleiter Fritz Schellack und Architekt Bernd König.
    Foto: Markus Lorenz

    Von unserem Redakteur Markus Lorenz

    Am Donnerstag wird um 17 Uhr im Rahmen einer kleinen Feierstunde am Haupteingang (Turmgasse) der endgültige Abschluss der Sanierungsarbeiten begangen. Eingeladen sind dazu die am Bau beteiligten Handwerker sowie alle interessierten Simmerner.

    Von außen präsentiert sich der Schinderhannesturm schon seit geraumer Zeit in einem neuen, historisch korrekten Gewand. Unter Federführung des Kastellauner Architekten Bernd König wurde er freigelegt, seine Fassade in kalkweiß und Dachüberstand sowie Fenster in ochsenblutrot gestrichen. Bei der jetzt fertiggestellten Innensanierung ging man der Geschichte des Gemäuers dank moderner Technik auf den Grund.

    Den Turm lesen wie ein Buch

    "Als der Putz weg war, konnten wir im Innenleben lesen wie in einem Buch", berichtet König. Unter wissenschaftlicher Begleitung und mit Unterstützung des Denkmalschutzes wurden Proben gezogen und Holzstücke genau datiert. Ganze Birkenstämme aus der Zeit eines Umbaus von 1750 wurden freigelegt. "Die Arbeiten nun haben ganz neue Aspekte zu Tage gebracht", erklärt der Architekt.

    So konnte beispielsweise durch das Bergen alter Gerüsthölzer der einstige Wehr- und Pulverturm rekonstruiert werden. Die Öffnung des ursprünglichen Schalenturms zeigte sich deutlich ab der Wehrganghöhe, und an den Ecken konnte eine veränderte Konstruktion nachgewiesen werden, die auf Flankentürme schließen lässt, wie sie auch in der Stadtansicht von Matthäus Merian aus dem Jahr 1645 zu sehen sind. Sie könnten den großen Zerstörungen während des Pfälzer Erbfolgekrieges 1689 zum Opfer gefallen sein.

    Herausgefunden wurde auch, dass die großen Fenster erst vor rund 120 Jahren herausgebrochen wurden. Einige Schießscharten aus der Zeit, als es noch keine Feuerwaffen gab, entdeckte König bei seinen Arbeiten. Eine davon ist noch unversehrt. Aus dem 16. Jahrhundert dürften weitere Schießscharten stammen, die mit einem Rauchabzug versehen sind. "Damals kamen die Feuerwaffen gerade auf", erläutert der Architekt.

    Der Hannes hatte es kalt und feucht

    Freigelegt wurde auch das Verlies, in dem der Schinderhannes für einige Monate sein Dasein fristete. Er wurde über ein sogenanntes Angstloch aus dem darüberliegenden Stockwerk per Korb in sein Gefängnis herabgelassen, wie der Leiter des Hunsrück-Museums, Fritz Schellack, berichtet. "Damals gab es dort noch keine Fenster. Der Hannes saß im Dunklen, es war kalt und feucht."

    Über den später in Mainz geköpften Räuberhauptmann informiert auch eine Ausstellung im ehemaligen Gefängnisraum wie auch im obersten Stockwerk. Dort sind unter anderem ein Hut, der Kugelbeutel, eine Flinte und die Pistole des Schinderhannes zu sehen. Für kleine Feiern oder Veranstaltungen sowie für den Majeowend der Stadtführer wurde die Herbergsstube hergerichtet. Von dort aus schaut man durch eine Glasplatte auf das Verlies des Räuberhauptmanns.

    "Der Turm soll multifunktionell genutzt werden", erläutert Bürgermeister Andreas Nikolay. "Die Stadt möchte ihre Baugeschichte wieder mehr in den Mittelpunkt stellen. Der Schinderhannesturm ist in der Vergangenheit sowohl von außen als auch von innen nicht historisch angemessen behandelt worden." Dass sich dies nun geändert hat, will Nikolay mit den am Umbau beteiligten Firmen sowie allen interessierten Simmernern bei einem kleinen Imbiss am Donnerstag feiern.

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