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Rheinböllen

Rheinböllen: Stadtteilkoordinatorin will Generationen vernetzen

Zum 1. September trat sie ihren Dienst als Stadtteilkoordinatorin von Rheinböllen an, mit dem Jahreswechsel bezog sie ihr neues Büro „Am Guldenbach 46“: Vera Plachetka ist die Stadtteilkoordinatorin, mit der sich Rheinböllen gegen die demografische Entwicklung stemmen will.

Stadtteilkoordinatorin Vera Plachetka möchte in Rheinböllen die Generationen zusammenbringen und engagiert sich dafür, dass Senioren stärker in die Gesellschaft und den Alltag eingebunden werden.  Foto: Markus Lorenz
Stadtteilkoordinatorin Vera Plachetka möchte in Rheinböllen die Generationen zusammenbringen und engagiert sich dafür, dass Senioren stärker in die Gesellschaft und den Alltag eingebunden werden.
Foto: Markus Lorenz

Die fällt in Sachen Einwohnerentwicklung zwar lange nicht so negativ aus, wie dies Experten noch vor rund zwei Jahrzehnten prognostiziert hatten – ganz im Gegenteil: sowohl Stadt wie auch Verbandsgemeinde (VG) Rheinböllen haben diesbezüglich leicht zugelegt. So zählt die VG heute (Stand: 1. Januar 2016, Quelle: Statistisches Landesamt) mit 10.154 Einwohnern heute 589 mehr als vor 20 Jahren, die Stadt Rheinböllen hat mit 4081 Einwohnern gegenüber 1995 um 342 und im Vergleich zu 2014 um 52 Einwohner zugelegt.

Deutlich wird die demografische Entwicklung vor allem in der Altersstruktur der Bevölkerung: Waren 1975 nur 11,5 Prozent aller Bürger der VG über 65 Jahre alt, so liegt deren Anteil mittlerweile bei 15,2 Prozent. Entsprechend entwickelt hat sich die Zahl der jüngeren Bürger in der VG. 1975 war dort noch 6,7 Prozent unter 20 Jahre, aktuell werden nur noch 4,6 Prozent an Mitbürgern gezählt, die unter 20 Jahre alt sind.

Die Entwicklung geht mit der Stadt Hand in Hand. In Rheinböllen selbst liegt der sogenannte Altersquotient bei 34,4 Prozent – das heißt: Mehr als ein Drittel der Stadtbewohner hat das 65. Lebensjahr bereits überschritten. 844 Rheinböllener sind im Rentenalter oder darüber, dagegen nur 780 unter 20 Jahre alt. 1995 waren es noch 878 – ein Rückgang um mehr als 11 Prozent. Sowohl in der VG als auch in der Stadt Rheinböllen werden die Mitbürger also immer älter. Damit einher gehen Leerstände und eine Vereinsamung vor allem der älteren Bürger.

Um auf diese Entwicklung zu reagieren, haben die Stadt Rheinböllen unter Federführung von Bürgermeisterin Bernadette Oberthür und die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz, die in der Stadt das Puricelli-Seniorenheim betreiben, das Projekt „Zuhause im Stadtteil“ ins Leben gerufen. Die Franziskanerbrüder haben damit bereits Erfahrungen gesammelt – in Bad Münster am Stein und in Bad Kreuznach unterhalten sie schon zwei entsprechende Beratungsstellen. Mit dem Anstieg der älteren Menschen in der Bevölkerung wächst auch der Bedarf an Hilfe und Pflege.

Hier kommt Vera Plachetka ins Spiel. „Meine Aufgabe wird es sein, hier Angebote zu bündeln, Netzwerke aufzubauen und Akteure im Bereich der Seniorenarbeit zusammenzubringen“, erklärt sie. Die stationäre Pflege, wie sie beispielsweise im Puricelli-Stift angeboten wird, könne dabei nur ein Baustein der Versorgung sein. Darüber hinaus ist die Stadtteilkoordination eine Anlaufstelle für die Bürger der Stadt Rheinböllen. Start des Projektes war bereits im Frühjahr 2016, als eine Sozialraumanalyse zur Sicherstellung der sozialen Betreuung und Pflege älterer Menschen im Stadtgebiet durchgeführt wurde.

Zur Umsetzung der Analyse bildete sich eine Steuerungsgruppe, die sich aus Vertretern der Stadt, kirchlichen Gemeinden, Ehrenamtlichen und institutionellen Vertretern der Seniorenarbeit sowie Vereinen zusammensetzt. „Wir sind sehr froh, dass sich so viele Menschen aus unserer Stadt beteiligen. Nur so kann es uns gelingen, Kompetenzen zu bündeln und neue Angebote zu schaffen“, stellt Stadtchefin Oberthür fest. Finanziert wird die Stelle aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie, der Stadt und der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz.

Erste Fachvorträge wurden bereits durchgeführt und Arbeitskreise zu Themen wie Barrierefreiheit oder Fest der Kulturen wurden geschaffen. Nun wird die Stadtteilkoordinatorin aktiv auf die Bürger zugehen. Sie bietet Sprechstunden zu altersbezogenen Themen an, aber sie setzt auch auf die Mithilfe der Senioren. Gerade ältere Menschen bringen sich gerne in die Gemeinschaft ein. Diese Voraussetzung möchte sie nutzen, um die sozialen Netze zu stärken.

Besonders wichtig ist ihr, dass bestehende Strukturen und Angebote in Rheinböllen miteinander verknüpft werden. Die 37-jährige gebürtige Rheinländerin und studierte Volkswirtin engagiert sich selbst seit knapp drei Jahren ehrenamtlich in der Stadtteilarbeit an ihrem Wohnort Bad Kreuznach.

Angefangen hatte die Mutter eines vierjährigen Sohnes bei der Mitgestaltung von Spielplatzaktionen. „Dann begann ich Stadtteilfeste zu moderieren und mich immer stärker in das Leben vor der Haustür einzubringen. Ich freue mich sehr, dass ich diese Arbeit nun hauptamtlich ausführen werde“, sagt Vera Plachetka, die zuvor bei der Familienkasse gearbeitet hat.

„Ich bin in Rheinböllen sehr gut aufgenommen worden“, freut sie sich. „Der Schwerpunkt meiner Arbeit wird natürlich bei den Senioren liegen, aber ich möchte auch generationenübergreifende Angebote machen, die sich an die jüngeren Menschen richten.“ Als positives Beispiel nennt sie zwei junge türkische Mitbürgerinnen, die regelmäßig ins Seniorenheim kommen, um dort mit den älteren Menschen zu spielen oder ihnen vorzulesen. „Daraus hat sich ein für beide Seiten herzliches Verhältnis entwickelt.“ Darüber hinaus nennt sie gemeinsame Kochkurse, Treffen zum Häkeln asiatischer Wollfiguren, einen Fußballkabarettabend, Skat- oder Gesellschaftsspiele als Möglichkeit der Vernetzung über Generationen hinaus. „Ich möchte für die Menschen in Rheinböllen Begegnungsräume schaffen“, erklärt Plachetka.

Als nächstes hat die Stadtteilkoordinatorin die Gründung einer Mitmachbörse auf dem Schirm, wie es sie in Kastellaun mit der „Brücke“ oder in Simmern mit „Hallo Nachbar“ bereits gibt. Die Rheinböllener Bürger sind zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. An diesem Samstag, 17. Februar, findet dazu von 14.30 bis 17 Uhr ein Treffen im Alten Schulsaal im Gemeindehaus in der Marktstraße 13 statt. Dort stellen sich bei Kaffee und Kuchen Mitmachgemeinschaften aus der Region vor, die von Bürgermeisterin und Stadtteilkoordinatorin anhand der Kriterien Nachhaltigkeit, ähnliches strukturelles Umfeld und Vorbildcharakter ausgewählt wurden.

Weitere Infos gibt es bei Vera Plachetka, Am Guldenbach 46, Rheinböllen, Tel. 0160/601 40 00, oder per E-Mail an rheinboellen@ franziskanerbrueder.org

Von unserem Redakteur Markus Lorenz

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