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Simmern

Rechenmaschinen faszinieren die Besucher

Kopfrechnen und das kleine Einmaleins sind out in Zeiten, in denen jedes Mobiltelefon nicht nur der Kommunikation dient, sondern neben vielen anderen Aufgaben auch komplizierte Rechenaufgaben lösen kann. Anstatt komplexer Scannerkassen gab es früher in jedem Tante-Emma-Laden eine einfache Rechenmaschine. Für größere Transaktionen bediente man sich – bevor der Computer Einzug hielt – beispielsweise in Ingenieurbüros diverser Rechenstäbe und sonstigen genialen Maschinen.

Vom Abakus, dem manuellen Vorgänger der mechanischen Rechenmaschine, der mathematischen Aufgaben mit Kugeln und Steinen löst, zeigt Hans-Hermann Schnieders im Hunsrück-Museum viele anderen Geräten aus dem Zeitalter, bevor der Computer kam.  Foto: Werner Dupuis
Vom Abakus, dem manuellen Vorgänger der mechanischen Rechenmaschine, der mathematischen Aufgaben mit Kugeln und Steinen löst, zeigt Hans-Hermann Schnieders im Hunsrück-Museum viele anderen Geräten aus dem Zeitalter, bevor der Computer kam.
Foto: Werner Dupuis

Das Hunsrück-Museum in Simmern beschäftigt sich in einer für ein Regionalmuseum sehr außergewöhnlichen Ausstellung mit diesen Maschinen, die vielen Menschen vor nicht allzu langer Zeit noch die Arbeitswelt und den Alltag erleichterten. Basis der Schau ist die Sammlung von Hans-Hermann Schnieders, der seit mehr als 40 Jahren in Simmern ein Ingenieurbüro für Tragwerkplanung und Bauphysik hat. Präsentiert wird eine Auswahl aus seinem Fundus von 180 Maschinen. Dazu kommen noch Ergänzungen von weiteren privaten Leihgebern.

Die ersten urkundlich erwähnte Rechenmaschine wurde 1623 von Wilhelm Schickard beschrieben. Seither gab es zahlreiche Entwicklungen, um Rechenverfahren zu beschleunigen und automatisiert umzusetzen. Der Abakus mag als erster Schritt auf dem Weg zur mechanischen Rechenmaschine gesehen werden. Mit Kugeln, Steinen und Perlen wurden Aufgaben gelöst. Beim vergleichbaren Rechenbrett kommen auch Münzen (Rechenpfennige) oder Rechensteine (Calculi) zum Einsatz. Die Elektrizität bedeutete das Ende der handbetriebenen Rechenmaschinen. Diese wiederum wurden durch die Entwicklung des Computers ab den 1970er-Jahren aus dem Alltag verdrängt.

Während seines Bauingenieurstudiums in Braunschweig hatte Schnieders viele komplexe mathematische Rechenaufgaben zu lösen, entweder von Hand oder mit mechanischen Rechenmaschinen. Computer gab es noch keine. Im Institut für Vermessungswesen konnten sich Schnieders und seine Kommilitonen eine Curta-Rechenmaschine ausleihen, die damals – unerschwinglich für Studenten – über 800 Mark kostete und in Schnieders Erinnerung aussah wie eine Kaffeemaschine.

Mit der Raumfahrt begann in den 60er-Jahren der Siegeszug der elektronischen Taschenrechner und parallel dazu der Aufstieg des Computers. Vor dem PC kam Anfang der 1980er-Jahre der Commodore 64, der Atari und der Macintosh. Ein Raunen ging durch die Reihen der Besucher bei der Ausstellungseröffnung, als sie diese Namen hörten. Diese Computer der ersten Generation lösten mechanischen Tischrechner ab. Außer nostalgischen Erinnerungen haben sie heute nur noch Schrottwert.

Als er 1977 in Simmern sein Büro eröffnete, begann Schnieders mit dem Sammeln von alten Rechenmaschinen mit denen niemand mehr arbeiten wollte. Die Mehrzahl der ausgemusterten Geräte, darunter manches kiloschwere Ungetüm mit unzähligen Knöpfen, Zeigern und Rädchen, landeten in der Schrottpresse.

Schnieders konnte eine Vielzahl von Rechenmaschinen zusammen tragen. Zu seiner Sammlung gehören nicht nur faszinierende mechanische Konstruktionen, sondern auch elektrisch-mechanische und elektronische Geräte. Die Besucher der Ausstellung, die bis zum Sommer 2018 zu sehen ist, sind eingeladen ihre ganz persönlichen Rechenkünste- und Fähigkeiten an den bis zu 140 Jahre alten Maschinen auszuprobieren.

Weitere Informationen gibt es beim Hunsrück-Museum in Simmern am Schlossplatz unter Tel. 06761/7009 oder E-Mail info@hunsrueck-museum.de

Von unserem Reporter
Werner Dupuis

Boppard Simmern
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