40.000
Aus unserem Archiv
Horbruch

"Platz zum Träumen und Ausruhen": Historische Schlossmühle steht zum Verkauf

Kurt Knaudt

Alles sieht noch so aus, als würden gleich die nächsten Gäste kommen. Doch auch wenn die Tische in der Historischen Schlossmühle in Horbruch voll eingedeckt sind und das Ambiente einladend wie immer wirkt: Das ist eine Illusion. Denn der weithin bekannte Betrieb mit Hotel und Restaurant, über viele Jahre die erste Adresse im Kreis Birkenfeld, ist seit Januar bis auf Weiteres geschlossen und steht zum Verkauf.

Idyllischer geht's kaum: Die Historische Schlossmühle liegt abgeschieden mitten im Grünen direkt am Saar-Hunsrück-Steig. Seniorchef Rüdiger Liller, der die Immobilie mit seiner Frau Anne 1973 gekauft hatte, hofft auf einen Käufer, der das Haus in seinem Sinne weiterführt.  Foto: Reiner Drumm
Idyllischer geht's kaum: Die Historische Schlossmühle liegt abgeschieden mitten im Grünen direkt am Saar-Hunsrück-Steig. Seniorchef Rüdiger Liller, der die Immobilie mit seiner Frau Anne 1973 gekauft hatte, hofft auf einen Käufer, der das Haus in seinem Sinne weiterführt.
Foto: Reiner Drumm

Schweren Herzens hat Rüdiger Liller sich Ende Dezember gemeinsam mit seinem Sohn Alexander Liller und dessen Frau Ulrike zu diesem Schritt entschlossen. Nachdem beide erkrankt waren, blieb ihnen nichts anderes mehr übrig. Dem 74-jährigen Seniorchef ist anzumerken, wie sehr er nach wie vor an der Schlossmühle hängt. Die Vögel zwitschern, das Wasser rauscht: „Man muss lange suchen, um noch einmal solch eine Idylle zu finden“, sagt er nicht ohne Wehmut beim Blick auf die in traumhafter Abgeschiedenheit am Saar-Hunsrück-Steig – die Traumschleife Via molarum (Straße der Mühlen) führt direkt über das Gelände – gelegene Immobilie. Sie ist das Lebenswerk von ihm und seiner im Juli 2014 bei einem tragischen Autounfall auf der Strecke von Horbruch nach Rhaunen ums Leben gekommenen Frau Anne Liller.

Nichts war mehr, wie zuvor

Schon vorher hatten Sohn und Schwiegertochter den Betrieb übernommen. Doch nach dem Schicksalsschlag war nichts mehr, wie es war. Im November 1973 hatten Rüdiger und Anne Liller die Schlossmühle erworben. „Wir haben das Haus gesehen, uns sofort darin verliebt und es kurz entschlossen ohne irgendwelche Wirtschaftlichkeitsberechnungen gekauft“, erinnert sich der gelernte Restaurantfachmann an diese für das junge Ehepaar wegweisende Bauchentscheidung. Damit begann ein Abenteuer, das sie gemeinsam meisterten, indem sie sich voll einbrachten, ihre ganze Energie, viel Herzblut, aber auch viel Geld in das gastronomische Unternehmen steckten.

Für beide war die Schlossmühle, neben der Erziehung ihrer drei Kinder, Lebensinhalt. Für sie war es über Jahrzehnte eine Selbstverständlichkeit, dass sie sich jede Woche an sechs Tagen jeweils bis zu 16 oder 17 Stunden ihrem Betrieb und den Gästen widmeten. „Anders geht es nicht“, weiß der 74-Jährige. Beide bildeten ein starkes Team mit einer effektiven Arbeitsteilung: Während er in der Küche die kulinarischen Wünsche der Restaurantbesucher erfüllte, kümmerte sie sich um das Ambiente, den Service und das Wohlbefinden der Gäste.

Beide zusammen sorgten für eine ganz besondere, unverwechselbare persönliche Note, die auch Genießer von weither zu schätzen wussten. Darunter waren auch Prominente wie „Heimat“-Regisseur Edgar Reitz, die Schauspielerin Gudrun Landgrebe und der französische Schriftsteller Julien Green, der den Lillers und ihrer Schlossmühle in einem seiner Bücher einige Zeilen widmete. Er schwärmte von langen Spaziergängen an „diesem einsamen Ort im Nirgendwo“ und schrieb zum Abschied: „Wir verlassen dieses ganz vorzügliche Haus, wo ich Frieden fand in einem teils bäuerlichen, teils bürgerlichen Zimmer.“ Auch in den einschlägigen Gourmet- und Reiseführern wurde die Schlossmühle immer wieder lobend erwähnt. „Ein Platz zum Träumen und Ausruhen“, befand noch in seiner Ausgabe 2017 der „Gault Millau“. Auch diesem gefiel die „heile Welt des romantisch anmutenden Hotels mit unverkennbarem Bemühen um Wohlfühlambiente“.

Anne und Rüdiger Liller haben gemeinsam viel geschaffen und erreicht. 1983 wurde das Anwesen durch einen Anbau erweitert, die Zahl der Doppelzimmer dadurch auf zehn erhöht. Schon damals war es nicht leicht, aber noch deutlich leichter als heute, geeignetes Personal zu finden: „Alle wollen immer mehr Freizeit, aber nur noch ganz wenige sind bereit, zu arbeiten, wenn die anderen frei haben“, bringt Rüdiger Liller das Problem in der Gastronomie auf den Punkt.

Hoffen auf einen Käufer

Nach dem Tod seiner Frau half er im Hintergrund weiter nach Kräften mit, bis es schließlich, bedingt durch den Ausfall von Sohn und Schwiegertochter, partout nicht mehr ging. Er hofft jetzt auf einen Käufer, der dieses besondere Haus in seinem Sinn weiterführt. „Mein Wunsch ist, dass es in gute Hände kommt und so betrieben wird wie von meiner Frau und mir.“

Mit der Schlossmühle sind für ihn viele schöne Erinnerungen verbunden. Dankbar denkt er an viele Begegnungen und Gespräche mit Gästen zurück, die den Lillers ebenso wie etliche Lieferanten über fast 45 Jahre die Treue gehalten haben.

Von Kurt Knaudt

Boppard Simmern
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

Regionalwetter
Donnerstag

15°C - 27°C
Freitag

12°C - 22°C
Samstag

14°C - 23°C
Sonntag

15°C - 24°C
epaper-startseite
Anzeige
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach