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    Pilotprojekt im Rhein-Hunsrück-Kreis: Sprachkurs für Flüchtlinge wird zum Erfolg

    Einen gemeinschaftlichen Erfolg haben der Kreis und fünf Bildungsträger aus der Region in der Flüchtlingsarbeit erreicht. Mit der Verleihung von 68 Sprachzertifikaten durch Landrat Marlon Bröhr an vorwiegend junge Menschen, die nach ihrer Flucht im Kreis angekommen sind, endete ein beispielgebendes Projekt, das der Kreis aus eigener Initiative auf den Weg gebracht hatte.

    Viele Absolventen der Sprachkurse erhielten aus den Händen von Landrat Marlon Bröhr die Zertifikate für den bestandenen Kurs. Dass 68 Flüchtlinge in anspruchsvollen Kompaktkursen sehr gut Deutsch gelernt haben, sorgt bei Verwaltung, Bildungsträgern und Ehrenamtlichen für Freude.  Foto: Werner Dupuis
    Viele Absolventen der Sprachkurse erhielten aus den Händen von Landrat Marlon Bröhr die Zertifikate für den bestandenen Kurs. Dass 68 Flüchtlinge in anspruchsvollen Kompaktkursen sehr gut Deutsch gelernt haben, sorgt bei Verwaltung, Bildungsträgern und Ehrenamtlichen für Freude.
    Foto: Werner Dupuis

    Mit einem Pilotprojekt hat sich der Kreis Ende des vergangenen Jahres mit einem Budget von 60.000 Euro dem wichtigen Thema "Sprachkurse für Flüchtlinge" angenommen. In einer Phase, in der beim Bund vor allem Überlastung herrschte angesichts der immensen Flüchtlingsankünfte, füllte der Kreis eine Lücke mit Sprachkursen für Asylsuchende, die noch keinen Aufenthaltstitel hatten.

    Gemeinsam mit der VHS Hunsrück, der Katholischen Erwachsenenbildung Rhein-Hunsrück-Nahe, der Katholischen Familienbildungsstätte Simmern, dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd, der VHS Boppard sowie dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit wurde ein Programm aufgesetzt, das sprachliche Fähigkeiten sowie soziale Kompetenzen vermittelte und den Weg in den Arbeitsmarkt ebnete.

    Sprache ist wichtig für die Integration

    "Wenn man hier akzeptiert werden will, dann muss man zeigen, dass man arbeiten will", erklärte Landrat Bröhr und fügte an, wie schwer es ihm selbst fallen würde, ohne Sprachkenntnisse ein Leben beispielsweise in Eritrea zu beginnen. "Ich wüsste nicht, was ich da arbeiten könnte, weil ich die Menschen nicht verstehen würde." Er wollte damit verdeutlichen, wie wichtig die Sprache für eine berufliche Chance und damit auch für die Integration ist.

    "Die Leute, die diesen Sprachkurs bestanden haben, haben gezeigt, dass sie wollen, und das finde ich richtig klasse", sagte Bröhr. Voller Lob für das geglückte Projekt erklärte er ergänzend: "Ich bin super glücklich, dass ich in einem Landkreis mitarbeiten darf, in dem es ganz viele Ideen gibt."

    Was hinter dem erfolgreichen Projekt der Sprachkurse steckt, verdeutlichte Fredi Berg, Fachbereichsleiter Soziales der Verwaltung. Aus seinem Büro hatte Berg ein Blatt Papier mitgebracht, auf dem nüchterne Zahlen stehen. Zahlen, die Perspektiven ausdrücken für mögliche Lebenswege.

    68 Teilnehmer schließen Kurs erfolgreich ab

    80 Menschen haben demnach an dem im November 2015 gestarteten Programm des Kreises teilgenommen und Sprachunterricht in Boppard, Büchenbeuren, Emmelshausen und Simmern besucht. "68 haben einen Abschluss erreicht", sagte Berg, "51 davon haben während des Kurses parallel ein Praktikum absolviert." Berg verwies angesichts der Zahlen auf die "sehr hohe Erfolgsquote" des Kurses. "Das ist auch das Verdienst der Bildungsträger", sagte Berg. Gemeinsam mit dem zuständigen Dezernenten der Kreisverwaltung, Hans-Joachim Jung, und engagierten Kollegen wie Rosemarie Bongard-Schröder oder Markus Rüdel hat Berg die Koordination mit vielen Ehrenamtlichen und Bildungsträgern im Kreis gesteuert. Der Erfolg spricht für sich.

    "Für diese Menschen war der Kurs existenziell", sagte Ute Friedrich von der VHS Hunsrück bei der Feierstunde und gab das ehrliche Lob der Verwaltung zurück. Sie erinnerte daran, dass einige der Teilnehmer noch heute keinen Aufenthaltstitel in Deutschland haben und sie damit bei den "normalen" Sprachkursen des Bundes durchs Raster gefallen wären.

    Fünf Teilnehmer haben bereits eine feste Arbeitsstelle

    "Es sind so viele Menschen, die lernen wollen", sagte Ingo Noack, der zu den Dozenten des Programms gehörte, "und ihnen muss man eine Chance geben." Zwölf Teilnehmer haben durch den Kurs einen Hauptschulabschluss gemacht, fünf eine feste Arbeitsstelle gefunden. Die Zusammenarbeit mit den Bildungsträgern hatte schließlich sowohl die Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft zum Ziel als auch in den Arbeitsmarkt. "Lassen Sie sich nicht entmutigen", gab Noack den Absolventen mit auf ihren weiteren Weg.

    Für den Kreis, der am Montag einen Haushalt von 150 Millionen Euro verabschieden will, waren 60.000 Euro für die Sprachkurse eine vergleichsweise kleine Investition in die Integration von Flüchtlingen. Verhältnismäßig floss kleines Geld, das große Wirkung erzielte. Denn letztlich sinken mit jeder Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung die Kosten für die Versorgung von Flüchtlingen.

    Volker Boch

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