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Pfalzfeld

Pfalzfelder Bahnhof gerät aufs Abstellgleis

Er ist ein Überbleibsel aus der guten alten Eisenbahnzeit, verkörpert ein kleines Stück Nostalgie und tritt zugleich als überaus attraktives touristisches Kleinod im Vorderhunsrück in Erscheinung. Die Rede ist vom Pfalzfelder Bahnhof. Hier ist das von Touristikern so vehement geforderte Alleinstellungsmerkmal gelebte Realität. Denn wo sonst können die Gäste im Eisenbahnwaggon feiern und übernachten?

Diese Vierer-Gruppe aus Rhens machte in den vergangenen Jahren bei ihrer Radtour regelmäßig am Pfalzfelder Bahnhof Station. Sie und viele andere bedauern das Ende der gastronomischen Nutzung.  Fotos: Wolfgang Wendling
Diese Vierer-Gruppe aus Rhens machte in den vergangenen Jahren bei ihrer Radtour regelmäßig am Pfalzfelder Bahnhof Station. Sie und viele andere bedauern das Ende der gastronomischen Nutzung. Fotos: Wolfgang Wendling
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Von unserem Redakteur Wolfgang Wendling

Aber die Idylle hat bald ein Ende. Bereits in acht Wochen wird der Bahnhof Pfalzfeld seine Bedeutung für den Tourismus verlieren. Der Eigentümer des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes und des gesamten dazugehörigen Areals mitsamt der fünf Eisenbahnwaggons möchte ab 1. November Haus und Gelände ausschließlich privat nutzen. So hat er es Bürgermeister Peter Unkel mitgeteilt.

Der VG-Bürgermeister hatte sich darum bemüht, dass wenigstens die beiden Waggons, die Richtung Lingerhahn stehen, weiterhin öffentlich genutzt werden können. Aber es war vergebliche Liebesmüh. Die Vorderhunsrücker müssen sich damit abfinden, dass der Bahnhof am 31. Oktober seine öffentliche Bedeutung verliert.

Damit abgefunden hat sich schweren Herzens auch die Inhaberin des Café-Bistro Alter Bahnhof, Christine Melis. Seit April 2003 bewirtet sie die zahlreichen Gäste, die bei ihrer Tour auf dem Schinderhannes-Radweg im Pfalzfelder Bahnhof eine Rast einlegen. Und auch die Einheimischen, die mit dazu beigetragen haben, dass die Wirtin auch außerhalb der Saison ihr Auskommen hat, wird sie vermissen. Christine Melis verliert Ende Oktober nicht nur ihren Job. Sie muss auch ihre Wohnung im Bahnhof räumen.

"Wir bedauern es sehr, dass der Bahnhof bald nicht mehr gastronomisch genutzt werden kann", spricht Unkel vielen Menschen aus dem Herzen. Für Übernachtungen im original Eisenbahnwaggon gab es zahlreiche Anfragen bei der Tourist-Information Emmelshausen, bestätigt deren Leiter Thomas Biersch. Neben Vereinen und Clubs haben immer wieder Jugendgruppen und Schulklassen dieses besondere, weit und breit einzigartige Angebot genutzt. "Der Bahnhof ist unsere Jugendherberge." So hat Thomas Biersch diese spezielle Übernachtungsmöglichkeit empfunden.

Noch können es die Stammgäste gar nicht richtig fassen, dass sie bei ihrer Radtour auf die gewohnte Rast am Pfalzfelder Bahnhof künftig verzichten müssen. Das gilt auch für die vier gestandenen Mannsbilder aus Rhens, die seit Jahren bei ihrer Rundtour auf dem Drahtesel das herrliche Ambiente am Pfalzfelder Bahnhof genießen. "Hier machen wir regelmäßig Rast", sagt Manfred Schreiber. So war es auch in dieser Woche, als sie am Morgen mit ihren Rädern in Rhens aufgebrochen sind. Zunächst ging es nach Boppard, dann mit der Hunsrückbahn nach Emmelshausen, von dort auf dem Schinderhannesweg bis Lingerhahn, dann nach Oberwesel und von dort am Rhein entlang zurück nach Rhens. Bei diesem Rundkurs ist der Pfalzfelder Bahnhof ideal gelegen. "Hier ist es fast wie im Paradies. Es gibt nichts Vergleichbares", gerät Win Höfer geradezu ins Schwärmen.

Nach dem Ende des Bahnhofs als gastronomisch-touristisches Angebot wollen die Kommunalpolitiker aus der VG Emmelshausen etwas Vergleichbares schaffen. Ebenso idyllisch am Keltenplatz gelegen, soll in etwa 150 Meter Entfernung eine neue Einkehrmöglichkeit entstehen. Die Idee dazu hatte die CDU Emmelshausen. Mittlerweile ist das Projekt in den politischen Gremien angekommen. Laut ersten Planungen soll die neue Bahnhofsgaststätte den früheren Güterschuppen entlang der Hunsrückbahn ähneln. Durch diesen historischen Bezug werden baurechtliche Bedenken (Stichwort: Bauen im sensiblen Außenbereich) ausgeschlossen. Auch besteht dadurch die Möglichkeit, Zuschüsse aus dem EU-Fördertopf Leader zu erhalten. Die Kosten werden auf 400 000 bis 500 000 Euro geschätzt.

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