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    Mörsdorf

    Online-Petition: Mörsdorfer starten Rettungsaktion für Zwergenschulen

    Eine breit angelegte Rettungsaktion für die 41 in ihrer Existenz bedrohten Grundschulen im Land hat der Elternausschuss der Grundschule Mörsdorf in Gang gesetzt.

    Die Lust am Lesen wecken will Schulleiterin Birgit Börsch bei den Kindern vom ersten und zweiten Schuljahr. Schließlich ist die Lesekompetenz auch in der Grundschule Mörsdorf ein wichtiges Bildungsziel.
    Die Lust am Lesen wecken will Schulleiterin Birgit Börsch bei den Kindern vom ersten und zweiten Schuljahr. Schließlich ist die Lesekompetenz auch in der Grundschule Mörsdorf ein wichtiges Bildungsziel.
    Foto: Werner Dupuis

    Unter dem Motto „Rettet unsere Zwergenschulen – Kleine Grundschulen müssen bleiben“ starteten die Väter und Mütter am Donnerstag, 9. Februar, eine Online-Petition an den rheinland-pfälzischen Landtag. Der erhoffte Rückenwind für ihr Anliegen soll verhindern, dass kleine Schulen geschlossen werden.

    Mörsdorf ist die einzige Schule im Rhein-Hunsrück-Kreis, die laut Bildungsministerium auf dem Prüfstand stehen. Der Schulträger ist gehalten, innerhalb eines halben Jahres die betroffenen Schulen auf ihren Fortbestand zu prüfen hat.

    Die enge Auslegung des Schulgesetzes hängt wie ein Damoklesschwert über der Mörsdorfer Grundschule. So müssen Grundschulen laut Schulgesetz mindestens eine Klasse je Klassenstufe umfassen. Das ist aber bei 41 Schulen im Land nicht der Fall – eben auch in Mörsdorf, wo derzeit 19 Kinder klassenübergreifend von zwei Lehrerinnen unterrichtet werden. Just gegen diese Bestimmung im Schulgesetz richtet sich die Petition der Mörsdorfer. Gegen das dort formulierte Quantitätsprinzip setzen die Eltern aus dem Hunsrückdorf das Qualitätsprinzip: „Kleine Schulen sind nicht allein durch Zahlen und Größe messbar, sondern zeichnen sich durch andere Arten des Lernens und der Organisation von Schule und Unterricht aus. Qualität ist keine Frage der Größe, wohl aber eine Frage des Inhaltes.“

    Die Petition zieht weite Kreise

    Am frühen Freitagnachmittag hatten rund 2850 Personen die Petition unterzeichnet, darunter fast 400 Menschen, die außerhalb von Rheinland-Pfalz wohnen. Daniela Claßen, die stellvertretende Vorsitzende des Elternausschusses, ist hocherfreut, dass die Petition so weite Kreise zieht. So habe sich wenige Tage, nachdem die Eingabe freigeschaltet war, der Regionalelternsprecher aus Trier gemeldet. Überhaupt: Die Mörsdorfer Eltern erhalten viel Lob dafür, dass sie nicht nur ihre eigene bedrohte Schule im Sinn haben, sondern sich für alle Grundschulen, die auf der Prüfliste stehen, stark machen.

    Nun hoffen die Mörsdorfer Eltern um die Vorsitzende des Elternausschusses, Beate Gehrhardt, dass ihr Begehr in Mainz Gehör findet. Schließlich wurden ihre Forderungen all die Jahre von der Landespolitik als selbstverständlich erachtet: „Wo immer es möglich ist, sollte die Schule im Dorf bleiben können, um am Prinzip ,Kurze Wege für kurze Beine' festzuhalten.“

    Und weiter heißt es zur Begründung der Petition: „Kinder, denen erspart bleibt, in den Anfangsjahren ihrer Schulzeit kilometerweit zur nächstgrößeren Schule transportiert und damit aus ihrem Lebensumfeld herausgerissen zu werden, erleben Überschaubarkeit, Stabilität und Verlässlichkeit ihrer Lebensverhältnisse, identifizieren sich stärker mit ihrem Lebensmittelpunkt und entwickeln eine größere Ortsverbundenheit.“

    Ortsbürgermeister gibt Rückendeckung

    Rückendeckung für die Petenten gibt es von Ortsbürgermeister Marcus Kirchhoff. Er geht mit dem Rechnungshof hart ins Gericht, der letztlich die „Leitlinien für ein wohnortsnahes Grundschulangebot“ initiiert hat.

    Kirchhoff macht deutlich, dass die Schule im Dorf der einzige wesentliche Standortfaktor sei, der den Gemeinden noch geblieben ist. Die Gemeinde Mörsdorf als Träger der Grundschule leiste eine ganze Menge für die Attraktivität der Schule. So finanziert die Kommune eine Nachmittagsbetreuung einschließlich einer warmen Mahlzeit. Dafür hat die Gemeinde eigens zwei Halbtagskräfte eingestellt.

    Auch die steigenden Kinderzahlen stimmen den Bürgermeister optimistisch: Im Schuljahr 2020/21 können die Mörsdorfer mit 22 Schulkindern rechnen, 2022/23 sogar mit 27 Grundschulkindern.

    Die Petition kann noch bis zum 8. Mai online unterschrieben werden: ku-rz.de/zwergschulen

    Von unserem Redakteur Wolfgang Wendling

    Kommentar: Gut, dass die Eltern für kurze Wege kämpfen

    Wolfgang Wendling über die Situation kleiner Grundschulen

    Kurze Beine, kurze Wege! Die griffige Formulierung gehört zum Standardvokabular der Bildungspolitiker, zum unverzichtbaren Bestandteil aller Sonntagsreden. Wie sagte Ministerpräsident Kurt Beck in seiner Regierungserklärung vom 30. Mai 2006 noch gleich: „Das Motto ‚kurze Beine, kurze Wege‘ stellt die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt und trägt zugleich der Bedeutung der Grundschulen in unseren Gemeinden Rechnung.“

    Gut gebrüllt, Löwe! Aber elf Jahre später rücken die „Bedürfnisse der Kinder“ offenbar in den Hintergrund. Es regt sich der Verdacht, dass auch sie der Schuldenbremse geopfert werden.

    Dabei hat sich in der Sache ja nichts geändert: Die Bedeutung der Grundschulen im Dorf kann man gar nicht hoch genug einschätzen – fürs Dorf, aber zu allererst für die Kinder und natürlich auch für ihre Eltern. Deswegen ist es schon verwunderlich, dass auf Anregung des Rechnungshofes das Ministerium 41 Grundschulstandorte auf den Prüfstand stellt. Damit sollen sich, wie der Mörsdorfer Bürgermeister Marcus Kirchhoff formuliert, „die Kinder dem Gesetz anpassen und ihr geschütztes, optimales Lernumfeld in den Dörfern verlieren.“ Es ist gut, dass sich die Mörsdorfer Eltern dagegen zur Wehr setzen und sich mit anderen Betroffenen solidarisch zeigen.

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