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    Niedrigwasser: Gütermotorschiff kommt nicht mehr aus dem Oberweseler Hafen weg

    Niedrigwasser – und kein Ende in Sicht. Einer von vielen Rheinschiffern, die darüber klagen, ist Klaus Gruber. Der 72-Jährige verdient seit 1960 sein Geld auf dem Rhein.

    So manchen Rheinkilometer haben Klaus Gruber und seine Bonito schon auf dem Buckel. Im Moment liegt das Schiff in Oberwesel am Kai.
    So manchen Rheinkilometer haben Klaus Gruber und seine Bonito schon auf dem Buckel. Im Moment liegt das Schiff in Oberwesel am Kai.
    Foto: Suzanne Breitbach

    Grubers Gütermotorschiff "Bonito" liegt seit Tagen an der Kaimauer des Oberweseler Hafens. Der Schiffer wartet auf faire Preise und einen Anstieg des Wasserpegels. Dafür müsste es Regen geben, doch der ist nicht in Sicht.

     

    Voraussichtlich heißt es für Gruber am kommenden Montag wieder: Leinen los. Seine nächste Ladung ist Schrott, den er von Koblenz nach Frankfurt transportieren wird. Vier Reisen hat ihm seine Spedition – die OTS (One Time Shipping) in Nierstein bereits angekündigt. Für die Vermittlung des Transportauftrags zahlt der Binnenschiffer Provision an die Spedition. Zweieinhalb Tage Arbeit warten auf den Mann im Rentenalter. Normalerweise kann sein Schiff 940 Tonnen Ladung aufnehmen. "Beim derzeitigen Wasserstand und einem Pegelstand in Kaub von knapp 80 Zentimetern kann ich nur noch 640 Tonnen zuladen", sagt der erfahrene Rheinschiffer.

    Auch die Fähre zwischen St. Goar und St. Goarshausen nimmt durch das andauernde Niedrigwasser ab sofort keine vollbeladenen 40-Tonnen-Lkw mehr mit. Auch sie müssen weniger laden, um von der Fähre ans andere Rheinufer befördert zu werden.

     

    3000 Euro pro Monat betragen die Stillliegekosten für den in Rheindiebach wohnhaften Schiffsführer, wenn die Bonito im Heimathafen Oberwesel liegt und nicht fahren kann. Allein 1500 Euro muss er monatlich für die Vollkaskoversicherung seines Schiffs hinblättern. Dazu kommen die Krankenkasse und weitere Kosten. Festangestellte Mitarbeiter hat Gruber nicht, nach Bedarf greift er auf einen Matrosen als Aushilfe zurück, der aus Duisburg an den Mittelrhein reist und ihn bei seiner Arbeit unterstützt.

    Getreide, Schrott und Kies sind die Ladungen, die das Schiff und sein Eigentümer in den letzten Jahren immer wieder transportiert haben. Gruber hat alle Patente, nur auf der Donau muss er einen Lotsen beauftragen. "Bei Niedrigwasser ist die Hafenausfahrt in Oberwesel durch die Versandung besonders gefährlich", sagt Gruber. Mit Hilfe eines Fahrtenschreibers darf Gruber mit der Bonito auch nachts fahren. Maximal sind 16 Stunden Fahrtzeit einmal pro Woche möglich, ansonsten darf er sein Ruder 14 Stunden in den Händen halten.

    Weit aus dem Wasser ragt der Rumpf der Bonito. Viel Ladung darf sie momentan nicht fassen.
    Weit aus dem Wasser ragt der Rumpf der Bonito. Viel Ladung darf sie momentan nicht fassen.
    Foto: Suzanne Breitbach

    Sobald der Rhein niedrigere Wasserstände führt, muss Kleinwasserzuschlag auf die Fracht bezahlt werden. "Die Bestellungen gehen derzeit stark zurück, der Kleinwasserzuschlag liegt bei 60 Prozent. Dann werden die Lager nicht unbedingt gefüllt, die Kunden bestellen entweder auf den letzten Drücker oder erst wieder, wenn der Pegel deutlich steigt. So regelt sich der Markt bei Angebot und Nachfrage mit Gütern, die auf dem Wasser transportiert werden", erklärt Unternehmer Gruber.

    Klaus Gruber möchte sein Schiff, das er 1982 ersteigert hat, in absehbarer Zeit verkaufen. "Das ist gar nicht so einfach. Drei Jahre habe ich noch TÜV, dann muss die Bonito wieder zur Schiffsuntersuchungskommission." Bis dahin will Gruber es verkaufen. Es hat noch einen Restwert von rund 150 000 Euro und hat ihm treue Dienste geleistet. Er nennt es Thunfisch. In seiner Freizeit ist der Kapitän leidenschaftlicher Taucher. Seinen Beruf als Rheinschiffer würde Gruber jederzeit wieder wählen. Die Eltern hatten ein Weingut, das für ihre beiden Söhne zu klein war. Folglich entschied sich Klaus Gruber für die Schifffahrt. Weil sein Vater gegen die große Seefahrt auf den Weltmeere war, wurde Gruber Binnenschiffer. Berlin, Stettin, Main, Mosel und Rhein und etliche Kanäle zählten zu seinen Routen.

    Eng wird es ab dem Oberweseler Ochsenturm für die Berufsschifffahrt: Schroffe Felsen und Sandbänke im Bereich der "Sieben Jungfrauen" erschweren die Schifffahrt bei Niedrigwasser.
    Eng wird es ab dem Oberweseler Ochsenturm für die Berufsschifffahrt: Schroffe Felsen und Sandbänke im Bereich der "Sieben Jungfrauen" erschweren die Schifffahrt bei Niedrigwasser.
    Foto: Suzanne Breitbach

    "Einmal sind wir sogar in Eich bei Oppenheim/Guntersblum gesunken. Für 450 000 D-Mark wurde das Schiff damals wieder aufgebaut", erinnert sich Gruber, der das Niedrigwasser als "geringste Sorge" bezeichnet. Deutlich stärker vom Niedrigwasser betroffen seien die großen Schiffe, die 3000 oder 3500 Tonnen zuladen können. "Die haben beim derzeitigen Wasserstand nur die halbe Ladung an Bord und nur 50 Zentimeter Wasser unter dem Kiel, was nicht ungefährlich ist." Die großen Schiffe haben einen Tiefgang von 2,50 Meter, ein Personenschiff nur 1,50 bis 1,60 Meter. "Aus diesem Grund können die Personenschiffe deutlich länger und problemlos bei Niedrigwasser auf dem Rhein in der Gebirgsstrecke fahren", erklärt Gruber. Die in die Schlagzeilen gekommene Vertiefung der Fahrrinne am Mittelrhein seien, so Gruber, nur für die großen Schiffe notwendig.

     

    Ein großes Problem betreffe allerdings alle Schiffe auf dem Rhein: Personenmangel und Nachwuchssorgen quälen die Berufsschifffahrt. Und längere Liegezeiten wegen Hochwasser oder Havarien kosten Geld.

    Suzanne Breitbach

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