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Laufersweiler

Laufersweiler würdigt jüdische Gemeinde

Beim hundertsten Geburtstag der Synagoge Laufersweiler war die Festgemeinde zu einem jüdisch-christlichen Gebet in der evangelischen Kirche zusammengekommen, um der ehemaligen jüdischen Mitmenschen zu gedenken. Zelebriert wurde die Feier von Pfarrerin Sandra Menzel, Diakon Franz Jahn und Kantor Joseph Pasternak von der jüdischen Gemeinde Koblenz.

Laufersweiler – Beim hundertsten Geburtstag der Synagoge Laufersweiler war die Festgemeinde zu einem jüdisch-christlichen Gebet in der evangelischen Kirche zusammengekommen, um der ehemaligen jüdischen Mitmenschen zu gedenken. Zelebriert wurde die Feier von Pfarrerin Sandra Menzel, Diakon Franz Jahn und Kantor Joseph Pasternak von der jüdischen Gemeinde Koblenz.

Da es in Laufersweiler keine jüdische Gemeinde mehr gibt, stellte Kantor Pasternak traurig fest: „Wir feiern heute hier einen Geburtstag ohne Geburtstagskind.“ Doch überall finde man in Laufersweiler Spuren jüdischen Lebens und das sei gut so. Der jüdische Friedhof und die Synagoge, seien Zeichen dafür, dass es hier vor dem Krieg eine lebendige jüdische Gemeinde gegeben habe. Er erinnerte an die lange jüdische Tradition in Deutschland.

Pfarrerin Menzel und Diakon Jahn empfanden die Andacht als kostbare Erfahrung, dass Begegnungen zwischen Christen und Juden wieder möglich sind, auch nach all dem, was das jüdische Volk erleiden musste. Gemeinsame Gebete, Gesang, Gotteslob, Fürbitten, Schuldbekenntnisse und Lesungen auf Hebräisch und Deutsch waren Bestandteile der Andacht. Auch musikalisch hatte der Gottesdienst viel zu bieten. Zu Gast war die Klarinettistin Irith Gabriely, die auch unter dem Namen „Queen off Klezmer“ bekannt ist. Auch das Orgelspiel von Elvira Jung begeisterte die Festgemeinde. Um auch Kinder und Jugendliche am Geschehen zu beteiligen, hatte der Förderkreis Synagoge Laufersweiler einen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Teilnehmer – 33 Mädchen und Jungen im Alter von 7 bis 17 Jahren – waren aufgerufen, sich ein Gedicht, das aus der Feder eines jüdischen Lyrikers stammt, auszuwählen und dazu ein passendes Bild zu malen. Auch ein eigenes Gedicht, das sich mit dem jüdischen Leben im Hunsrück befasst, konnte als Vorlage dienen.

Die größte Herausforderung stellte für die meisten Teilnehmer jedoch die künstlerische Umsetzung dar. Die Kinder und Jugendlichen stöberten im Internet nach passenden Gedichten, interpretierten diese nach ihren Vorstellungen und setzten das Thema mit Pinsel, Kreide, Stift oder Spraydose äußerst kreativ um. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt – zur Freude der Jury. Der erste Preis in der Gesamtwertung ging an David Behre aus Frankweiler, der ein Gedicht von Lea Fier und Jenny Welk als Bild zeichnerisch umsetzte. Es befasst sich inhaltlich mit zwei Lebensläufen, dem eines jüdischen und dem einen christlichen Mannes. Als Kinder spielen beide als Freunde miteinander. Der christliche Junge wächst heran, wird Soldat, gründet eine Familie, erlebt die „Wirtschaftswunderzeit“ und geht als alter Mann mit seinen Enkelkindern spazieren. Der jüdische Junge wird deportiert, kommt ins KZ Auschwitz, man sieht ihn abgemagert und später im Verbrennungsofen, schwarzer Rauch steigt in den Himmel. Doch nicht nur traurige Bilder wurden eingereicht.

Den zweiten Preis konnte die Kindergottesdienstgruppe Laufersweiler mit nach Hause nehmen. Die Mädchen und Jungen hatten sich das Gedicht „Der Sternanzünder“ der Lyrikerin Mascha Kaléko herausgesucht und eine bunte Collage gefertigt. Den dritten Preis konnte Christine Göbel von der Konfirmandengruppe für sich verbuchen. Das Gedicht von Heinrich Heine „Die Rose“ war dafür Ideengeber. Weitere Plätze belegten: Hannah List, Hanna Litzenberger, Tim Jacobs, Sean Wilfried Jebram und Valerie Grünhäuser.

Der Förderkreis wird von den Arbeiten der Preisträger einen „Pfad der jüdischen Lyrik“ anlegen. Auf Tafeln werden die Bilder mit den passenden Gedichten gezeigt. Auch über den Lebenslauf der Lyriker werden dort Informationen enthalten sein. Die Einweihung ist im Frühjahr 2012 geplant. Gisela Wagner

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