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    Kirchberg

    Landesweiter Schulbesuchstag des Landtags: Kirchberger Schüler fühlen Abgeordneten auf den Zahn

    Mal ganz nah an der Landespolitik sein, das konnten die Schüler der Kooperativen Gesamtschule in Kirchberg bei einem politischen Dialog der besonderen Art. Denn im Rahmen des landesweit stattfindenden Schulbesuchstages des Landtags reisten vier Abgeordnete nach Kirchberg, um sich den Fragen der Schüler der Klassen 9 g und 10 a bis f zu stellen.

    Gespannt folgten die Schüler der Kooperativen Gesamtschule Kirchberg den Ausführungen der Landtagsabgeordneten in der Aula der Schule.
    Gespannt folgten die Schüler der Kooperativen Gesamtschule Kirchberg den Ausführungen der Landtagsabgeordneten in der Aula der Schule.
    Foto: Charlotte Krämer-Schick

    Eine sachliche und gute Diskussionsrunde wünschte Eva Schneider, Konrektorin der Realschule plus, den Schülern zu Beginn der Veranstaltung. Sie hoffe, die Anwesenden könnten einmal erleben wie es ist, wenn Politiker zu Sachthemen verschiedener Meinung sind. Dass Diskussionen im Mainzer Landtag zwar hitzig ablaufen, aber dennoch sachlich und professionell geführt werden können, bewiesen Jutta Blatzheim-Roegler (Grüne), Bettina Brück (SPD), Sylvia Groß (AfD) und Alexander Licht (CDU) denn auch in der Kirchberger Aula. Gespannt folgten die Schüler den Ausführungen der Abgeordneten zu den von ihnen gestellten Fragen. Das Themenspektrum war dabei ebenso vielfältig, wie die Meinungen der verschiedenen Fraktionen, die in Kirchberg vertreten waren.

    Die Schüler richteten ihre Fragen meist an alle Vertreter der Parteien, nur wenige sprachen explizit bestimmte Politiker an. Ein Schüler eröffnete die Diskussionsrunde etwa mit der Frage an Alexander Licht, warum die vergangenen Wahlschlappen der CDU keine personellen Konsequenzen nach sich zogen. „Julia Klöckner zum Beispiel ist trotzdem noch an erster Stelle“, warf der junge Mann ein. Das sei eine durchaus spannende Frage, entgegnete Licht, an der Personalie Klöckner habe der Wahlausgang aber sicher nicht gelegen. Sie mache einen hervorragenden Job und stünde nicht umsonst an der Bundesspitze.

    Hitzige Diskussion zur Solidargemeinschaft Europa entfacht

    Losgetreten durch die Frage, wie Deutschland in Zukunft seine Schulden begleichen werde, entwickelte sich unter den Abgeordneten im Anschluss eine hitzige Diskussion. Licht spannte den Bogen hin zur Solidargemeinschaft Europa, von der Deutschland in besonderem Maße profitiere. Eine Aussage, die die AfD-Abgeordnete Groß vehement dementierte. „Die Schuldenfalle tickt, Kredite werden nach wie vor aufgenommen“, sagte Groß und fragte: „Wo gibt es einen Profit durch den Euro?“ Bis zur Einführung der gemeinsamen Währung habe es einen guten Frieden gegeben in Europa, so Groß, die europäische Solidargemeinschaft fuße auf einem Vertragsbruch: „Merkel hat den Maastrichtvertrag gebrochen und wir müssen für die Schulden anderer Länder zahlen“, kritisierte Groß. „Das nennt man Solidarität“, warf die Grünen-Abgeordnete Blatzheim-Roegler empört ein.

    Ebenso empört zeigte sich auch mancher Schüler über die Aussagen von Groß: „Das starke Deutschland soll anderen Ländern also nicht mehr helfen?“, fragte einer und fuhr fort: „Wie soll es dann weitergehen mit der Solidarität? Was, wenn Deutschland eine Wirtschaftskrise ereilt? Dann will uns auch keiner mehr helfen. Was ist ihr Vorschlag? Aus der Eurozone austreten und eine eigene Währung einführen?“ Solidarität sei schon wichtig, räumte Groß daraufhin ein, doch in einem System, das auf einem Vertragsbruch gegründet sei, könne man nicht solidarisch sein. „Für Deutschland ist der Euro einfach zu schwach“, so Groß, für andere Länder hingegen sei er viel zu stark. „Frau Dr. Groß, volkswirtschaftlich haben sie keine Ahnung“, entfuhr es Licht, was die Schüler mit lautem Applaus befürworteten. Solidarität sei eben nicht einfach, man solle jedoch viel eher überlegen, wie man mit solchen Problemen umgehen kann. „Auch Deutschland ist nur durch die Solidarität der anderen entstanden“, mahnte Licht, das dürfe nicht vergessen werden.

    Aussagen sorgen bei Schülern für Unmut

    Ähnlich verhärtet war die Front zwischen der AfD-Abgeordneten und den Vertretern der anderen Parteien beim Thema gleichgeschlechtlicher Ehe. „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes, da daraus Kinder entstehen und die Nation dadurch erhalten bleibt“, argumentierte Groß. Niemand sonst habe ein Recht auf ein Kind, vielmehr habe ein Kind das Recht auf Vater und Mutter, so Groß. Auch diese Aussagen sorgten für mächtigen Unmut bei der Schülerschaft. „Im Grundgesetz steht keine Definition von Ehe, das ist doch nur ein Konstrukt“, warf ein Schüler ein, Kinder seien glücklich, wenn sie ein Dach über dem Kopf haben und geliebt werden, egal ob von zwei Vätern, zwei Müttern oder von Vater und Mutter, äußerte ein anderer. Blatzheim-Roegler wendete sich mit den Worten an Groß: „Nicht jeder Heiratsantrag ist verbunden mit dem Wunsch, die Nation zu stärken.“

    Bei solch hitzigen Diskussionen gingen die knapp zwei Stunden des Besuchs allzu schnell vorbei, viele Fragen der Schüler blieben am Ende unbeantwortet. Dennoch zeigten sich die Verantwortlichen zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Konrektorin Schneider war sichtlich stolz auf die Diskutierfreude der Neunt- und Zehntklässler.

    Von unserer Reporterin Charlotte Krämer-Schick

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