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    Rhein-Hunsrück

    Kreis kooperiert mit Japan bei Energiewende

    Tief beeindruckt sind Landrat Marlon Bröhr, sein Vorgänger in diesem Amt, Bertram Fleck, und Kreisklimaschutzmanager Frank-Michael Uhle von einer Japanreise zurückgekehrt.

    Vertreter der Stadt Miyama und der Rhein-Hunsrück-Kreis unterzeichneten in Japan eine Kooperation in Sachen Klimaschutz und Entwicklung des ländlichen Raumes. 
    Vertreter der Stadt Miyama und der Rhein-Hunsrück-Kreis unterzeichneten in Japan eine Kooperation in Sachen Klimaschutz und Entwicklung des ländlichen Raumes. 
    Foto: Kreisverwaltung

    Auf Einladung der Stadt Miyama haben sich die Vertreter des Rhein-Hunsrück-Kreises vor Ort mit dem Stand der japanischen Energiepolitik vertraut gemacht und eine Kooperation in Sachen Klimaschutz und Entwicklung des ländlichen Raumes unterzeichnet.

    Noch Tage nach der Rückkehr in heimatliche Gefilde waren die Gäste aus dem Kreis hellauf begeistert von der Vielfalt, die sie in Japan kennen gelernt hatten. Einerseits durchkämmten Bröhr, Fleck und Uhle in acht Tagen entlang eines extrem eng getakteten Zeitplans nahezu das gesamte Land Japan im Rahmen einer Energie-Rundreise. Andererseits sammelten sie zahlreiche Eindrücke, wie das Land, das die Reaktorkatastrophe von Fukushima vom 11. März 2011 noch längst nicht bearbeitet hat, sich heute in Bezug auf die Energiewende darstellt und welche komplexen Herausforderungen es zu meistern hat. „Auf der anderen Seite des Erdballs existieren die gleichen Fragen wie bei uns“, sagte Bröhr nach der Rückkehr. „Bei uns sind die Folgen von Tschernobyl ja auch bis heute spürbar.“

    Allerdings hat Japan eine extrem starke Abhängigkeit von der Kernenergie. Diese liegt laut Uhle bei etwa 75 Prozent. Von den ursprünglich 54 Atomkraftwerken (AKW) des Landes sind demnach aktuell 43 betriebsbereit, aber nur eine Hand voll Meiler werden derzeit tatsächlich betrieben, unter anderem weil sich enorme Proteste der bei diesem Thema weniger zurückhaltenden Japaner gegen die Atomenergie richten.

    Allerdings wurde Uhle, Fleck und Bröhr durch die Reise auch bewusst, wie stark die Lobby der mächtigen Energiekonzerne ist und wie schwer es aufgrund solcher Positionen ist, eine Politik der Energiewende in der Gesellschaft zu verankern und auch durchzusetzen. Letztlich dürften bei den Rhein-Hunsrückern immer wieder Parallelen zur deutschen Situation vor Fukushima die Gedanken bestimmt haben. Denn während sich der Kreis als Region bereits sehr früh auf den Weg hin zu einer Pionierregion gemacht hat, wirkte die Bundespolitik in Sachen Energie vor dem klaren Stoppsignal von Kanzlerin Angela Merkel in den Tagen nach Fukushima – vorsichtig ausgedrückt – eher konservativ. Bis heute halten sich auf hoher politischer Ebene Befürworter der Rückkehr zur Atomenergie. 

    Andere Rahmenbedingungen

    „Die Rahmenbedingungen sind in Japan noch nicht so weit wie bei uns heute“, erkannten die Gäste, die in Gesprächen und Expertenrunden schilderten, wie sich die Situation der Energiewende und ihre positiven Effekte bis hin zu einer hohen regionalen Wertschöpfung sowie auch strittige Fragen im Rhein-Hunsrück-Kreis darstellen. Viele Fakten waren vor Ort bereits bekannt, denn im August 2015 fanden in Unzenberg, Kastellaun, Horn und Ellern Dreharbeiten für den japanischen Energiewendefilm „Nihon to Saisei – Hikari to Kaze no Gigawatt-Sakusen“ statt, der Anfang dieses Jahres in die japanischen Kinos kam. Übersetzt heißt der Film „Japan und die Erneuerung – Die Gigawattstrategie aus Sonne und Wind“. Er wurde in acht Ländern von Island bis Kalifornien aufgenommen. Der Produzent des Films, Tetsunari Iida, gilt als der renommierteste Fürsprecher einer japanischen Energiewende und wirbt für den Ausstieg Japans aus der Atomkraft. Zum Filmteam gehörte der in Japan sehr gefragte Anwalt Hiroyuki Kawai, der die Prozesse gegen das erneute Anfahren der Atomkraftwerke führt.

    Die Situation in Japan ist eine andere als in Deutschland, auch aufgrund von gesetzlichen Unterschieden, aber Bröhr, Fleck und Uhle erkannten viele Gemeinsamkeiten und Anknüpfungspunkte in Bereichen, in denen Analogien bestehen. So skizzierte Landrat Bröhr im Gespräch mit unserer Redaktion einen massiven demografischen Wandel in Japan und eine noch deutlich stärkere Tendenz zur Landflucht als in Deutschland. „Der ländliche Raum wird laut Experten in Japan bis zum Jahr 2040 etwa 40 Prozent der Bevölkerung verlieren“, sagte Bröhr. Eine Zahl, die jede Diskussion um Landflucht in Deutschland und den Wert ländlicher Regionen verblassen lässt.

    Großer Wert für ländlichen Raum

    Die engagierten Befürworter der japanischen Wende setzen auf den Mehrwert erneuerbarer Energien für die Menschen gerade in ländlichen Regionen. Wie der Kreis hat das Umland der 38.000 Einwohner zählenden Stadt Miyama etwa 100.000 Bewohner – die letztlich von einem Wandel profitieren sollen. Bei einem Stadtwerke-Workshop, an dem die Vertreter des Kreises unter anderem teilnahmen, wurde so beispielsweise ein Digitalprojekt vorgestellt, das Dinge des täglichen Bedarfs, der Vorsorge und der Betreuung an ein ausgeklügeltes Energiemonitoring angliedert. Bröhr reagierte beeindruckt auf dieses Projekt im Bereich der Daseinsvorsorge, das der Bewältigung des demografischen Wandels in Miyama dienen soll.

    Als Impuls nahm er unter anderem ein gedankliches Konzept mit, dass hier parallel zu einer dezentralen Energieerzeugung und -versorgung bereits ein Internethandel für lokale Waren sowie Dienstleistungen für ältere Einwohner erfolgreich von den Stadtwerken betrieben wird. „Ich sehe in diesem Bereich ein großes Potenzial“, sagte der Landrat. Weiterhin hat Miyama das Ziel formuliert, als erste japanische Stadt erneuerbare Energien lokal zu produzieren und lokal zu nutzen. Dies entspricht genau der Vorstellung, die im aktuellen bundesweiten Modellprojekt Designetz mit der „Energiewabe Rhein-Hunsrück-Kreis“ angedacht ist.

    Vor diesem Hintergrund haben die Stadt Miyama und der Rhein-Hunsrück-Kreis eine Kooperation in Sachen Klimaschutz und Entwicklung des ländlichen Raumes beschlossen. Davon sollen beide Regionen in Zukunft profitieren.

    Von unserem Chefreporter Volker Boch

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