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Kirchberg

Kirchberg gedenkt seiner jüdischen Mitbürger

Zur Erstverlegung der Stolpersteine in Kirchberg (wir berichteten) gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Unter anderem einen Gedenkgottesdienst in der Friedenskirche am Vorabend.

Pfarrer Manfred Stoffel begrüßte die Teilnehmer. Der Geburts- und Heimatort Kirchberg habe den jüdischen Mitbürgern weder Schutz noch Zuflucht gewährt, gab er zu bedenken. Auch die Kirche habe mit ihrem allgegenwärtigen Antijudaismus und dem nationalsozialistischen Rassenwahn kaum etwas entgegenzusetzen gehabt. Er führte aus: „Erinnern bedeutet offenlegen, ans Licht bringen.“

Das Leben und Leiden der jüdischen Mitbürger sei lange im Dunkel der Geschichte seltsam verborgen geblieben.Im Gottesdienst wurden die 22 jüdischen Bürger beim Namen genannt, an die nun in Kirchberg ein Stolperstein erinnert. In der Friedenskirche wurde für jeden von ihnen eine Kerze angezündet, die durch die Nacht zum letzten frei gewählten Wohnsitz getragen wurde. Grußworte sprachen für die katholische Kirchengemeinde Dechant Ludwig Krag, für die Freie evangelische Gemeinde Pastor Jochen Wagner, für das Jugendzentrum „Am Zug“ David Sindhu und für die Kooperative Gesamtschule (KGS) Sonja Wendling.

Am darauffolgenden frühen Morgen wurden die Gedenksteine verlegt, danach waren die Teilnehmer zu einer Feier in die Aula der KGS eingeladen. Dort erwartete die vielen Besucher ein vielfältiges Programm. Zu den Gästen gehörten die Landtagsabgeordneten Bettina Brück und Jutta Blatzheim-Roegler, VG-Bürgermeister Harald Rosenbaum, die Ehrenbürger der Stadt Peter Casper und Ingo Escher sowie Harry Raymon, für dessen Familie ebenfalls Stolpersteine verlegt wurden.

Für Stadtbürgermeister Udo Kunz sind die Stolpersteine ein Signal für die Zukunft und eine Geste der Verbeugung vor den Opfern. Er dankte Ernst-Ludwig Klein vom Arbeitskreis Stolpersteine und erinnerte an den verstorbenen Werner Klockner, dem die Verlegung eine Herzensangelegenheit war. Schulleiter Wolfgang Altmayer hatte eine persönliche Erinnerung an den Gast Harry Raymon, in dessen Film „Regentropfen“ er damals als Statist mitspielen durfte.

Er dankte den mitwirkenden Schülern, den Lehrerkollegen Sonja Wendling und Jens Peter Clausen, die alle weit über das Pflichtpensum hinaus, engagiert mitgewirkt hätten. Auch die Feier mache ihn stolz, denn das Projekt sei von allen Seiten unterstützt worden. Von den Lehrern, von den Verantwortlichen der Stadt, von Arena 13 und dem Jugendzentrum „Am Zug“. Jens Peter Clausen (KGS) erläuterte, wie es zur Verlegung der Stolpersteine kam. In diesem Zusammenhang dankte er Dr. Jochen Wagner, der mit der Idee an den Jugend- und Kulturausschuss herangetreten sei.

In der Schule habe man zunächst vier Schüler für die Mitarbeit interessieren können, weitere kamen später hinzu. Gemeinsam mit Christof Pies, der wesentlich zum Gelingen des Projektes beigetragen habe, wurde die Arbeit im Vorfeld forciert. Er nannte die Stolpersteine das unbequemste Mahnmal, man verbeuge sich nicht nur physisch sondern mit dem Kopf und mit dem Herzen.

Auch die Schüler kamen zu Wort. Leonie Hammen und Lisa Bauermann schilderten, wie man sich im Religionsunterricht sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, manchmal sei man angesichts der großen Aufgabe der Recherche und Planung kurz davor gewesen aufzugeben, Sonja Wendling und Christof Pies hätten sie aber stets ermutigt, weiter zu machen und nicht aufzugeben. Schüler des Leistungskurses Geschichte kommentierten eine Bildershow zu den Auschwitzfahrten der letzten beiden Jahre. Man habe dort mitfühlen können, wie die Menschen leiden mussten, die gigantischen Ausmaße hätten viele beeindruckt.

Die Schüler Marie Koop und Kilian Schuch interviewten Harry Raymon, der vor den Nazis aus Kirchberg geflüchtet war. Er stellte sich allen Fragen und machte auch keinen Hehl daraus, dass er bei der Verlegung der Steine für seine Familie mit den Tränen kämpfen musste. Auch eine viel beachtete Kunstausstellung mit Arbeiten von Schülern gehörte zum Programm. Von allen Seiten gab es für die Art und vorbildliche Ausführung der Feier in der Aula der KGS viel Lob und Anerkennung.

Musikalisch wurden die Gäste mit Klezmer und mit Orchestermusik des Schulorchesters unterhalten. Auch das eigens für die Stolpersteinverlegung komponierte Lied von Manfred Härter wurde noch einmal vorgetragen.

Von unserer Mitarbeiterin Gisela Wagner

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