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    Simmern

    Hunsrück-Museum: Archiv zum Ersten Weltkrieg füllt sich

    Wer in diesen Tagen das Büro der Mitarbeiter im Simmerner Hunsrück-Museum betritt, könnte sich glatt um 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt fühlen: Eine schicke Uniform im preußischen Blau hängt an der Garderobe, auf dem Tresen thront eine mit einem mächtigen Adler verzierte Pickelhaube, vor der sich Alben voller Schwarz-Weiß-Fotografien stapeln, an denen schon kräftig der Zahn der Zeit genagt hat.

    Museumsmitarbeiter Tom Eberitsch, Museumsleiter Fritz Schellack, Uniformsammler Hartmut Müller und die Historikerin Angie Hoffmann freuen sich über die große Resonanz des Aufrufs unserer Zeitung, die heimischen Dachböden nach historischen Dokumenten und Gegenständen aus dem Erste Weltkrieg zu durchforsten. Foto: Werner Dupuis
    Museumsmitarbeiter Tom Eberitsch, Museumsleiter Fritz Schellack, Uniformsammler Hartmut Müller und die Historikerin Angie Hoffmann freuen sich über die große Resonanz des Aufrufs unserer Zeitung, die heimischen Dachböden nach historischen Dokumenten und Gegenständen aus dem Erste Weltkrieg zu durchforsten.
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserer Redakteurin Martina Koch

    SpurensucheErinnerungsstücke und historische Schätze von Dachböden, aus Kellern und Schränken
    SpurensucheErinnerungsstücke und historische Schätze von Dachböden, aus Kellern und Schränken
    Foto: picture alliance

    Es handelt sich bei den Stücken größtenteils um Leihgaben und Schenkungen unserer Leser, die dem Aufruf der Rhein-Hunsrück-Zeitung gefolgt sind, auf Dachböden, in Kellern und in Schränken nach historischen Familienstücken aus dem Ersten Weltkrieg zu stöbern, dessen Ausbruch sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt.

    Der Leiter des Hunsrück-Museums, Dr. Fritz Schellack, begutachtet die Funde, archiviert sie und stellt eine Ausstellung zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts zusammen, die am 20. Juli eröffnet wird. Von der großen Resonanz auf den Aufruf unserer Zeitung ist er überrascht: "Bei anderen Gelegenheiten mussten wir schon feststellen, dass viele Stücke aus der Urgroßvatergeneration bereits weggeworfen worden sind. Die Leute können mit der Feldpost nichts anfangen, weil sie die Schrift nicht mehr entziffern können." Damit geraten viele Einzelschicksale in Vergessenheit, bedauert der Museumsleiter.

    Damit den von unseren Lesern eingereichten Schriftstücken und ihren Verfassern dies erspart bleibt, wird jede einzelne Postkarte und jeder einzelne Brief im Hunsrück-Museum erfasst und elektronisch gespeichert. Dafür verstärkt die studierte Historikerin Angie Hoffmann in den kommenden Wochen das Team. Mit der Lupe entziffert sie die altdeutschen Schriftzeichen und tippt die Texte in den Laptop. Dafür braucht sie je nach Schriftbild mehr oder weniger Zeit: "Manchmal ist die Schrift verwischt oder verwackelt, weil die Soldaten nur ihre Knie als Schreibunterlage hatten."

    Neben den Quellen unserer Leser nutzt Fritz Schellack auch seine Kontakte zu ambitionierten Sammlern der Region: Hartmut Müller aus Krummenau hat in den vergangenen Jahrzehnten 600 Uniformen und 1000 Kopfbedeckungen zusammengetragen. Dem Hunsrück-Museum stellt er eine gut erhaltene Traditionsuniform zur Verfügung, die Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals geschneidert und nach 1900 wieder aufgelegt wurde. Außerdem pflegt er Kontakte zu anderen Sammlern, die besonders sehenswerte Exponate zur Weltkriegs-Schau beisteuern können.

    Museumsleiter Schellack reizt an der Arbeit an der Ausstellung vor allem die Möglichkeit, hier und da tiefe Einblicke in das Kriegsgeschehen zu erhaschen. Neben oberflächlichem Geplauder zeigen die Schriftstücke auch viel von dem Gemütszustand der jungen Soldaten, die mit viel Hurra in die Schlachten zogen, aber schon bald vom Kriegsgeschehen ernüchtert wurden. "Die Arbeit mit diesen Dokumenten ist die einzige Chance, die hässliche Fratze des Krieges aufzuzeigen", ist Schellack überzeugt.

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