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    Hofsammlung Korweiler: Zeitgenössische Kunst aus Kolumbien fordert den Betrachter

    Ausstellungen in der Hofsammlung von Mecki und Andreas Dybowski sind immer wieder für Überraschungen gut. Mit Bildern von Walbert Perez und Skulpturen von Gabriel Beltran ist dem Sammlerehepaar in ihrer umgebauten Fachwerkscheue erneut ein besonderer Wurf gelungen.

    Die Bilder von Walbert Perez fordern den Betrachter heraus. Er will zum genauen Hinsehen anregen.
    Die Bilder von Walbert Perez fordern den Betrachter heraus. Er will zum genauen Hinsehen anregen.
    Foto: Werner Dupuis

    Unterschiedlicher könnten die Werke in einer Präsentation kaum sein. Mit seinen auf Neuronen basierenden Ölbildern und Drucken bedient sich Perez in seiner Kunst den Bausteinen und der Ursprünglichkeit des Lebens. Im Kontrast dazu stehen Beltrans Skulpturen aus aufgerautem Edelstahl, die ganz in der Tradition von Henry Moore und Hans Arp auf organischen Formen basieren.

    Bereits 2012 machte Walbert Perez mit seiner Malerei erstmals Station im Hunsrück. Während er damals „Bilder aus dem Garten des Wohlgefallens“ mit vielen warmen Farben und harmonischen Formen im Gepäck hatte, ist er jetzt mit seinem Bilderzyklus „Paroxismo“ unterwegs. Das spanische Wort Paroxismo steht für Übertreibung. Mit dem Spachtel trägt er dick die Ölfarbe auf die Leinwand. Damit die Schichten ineinander verlaufen können, verdünnt er seine Ölfarben. Mit einem schnellen Pinselstrich erzeugt er Konturen und bringt so Spannung und Dramatik in seine Bilder.

    Auf den ersten Blick wirken sie düster, fast schon als würden sie aus einer feindlichen Welt entstammen. Wie bei so vielen Dingen im Leben sollte sich der Betrachter auch hier Zeit nehmen und allmählich in die Tiefen der Werke eindringen. An Neuronen, an Zellen des Nervensystems also, die auf die Übertragung von Erregungszuständen spezialisiert sind, erinnern die Gebilde. Perez möchte in seinen Arbeiten den Betrachtern keine realen Gegenstände präsentieren, sondern Gefühle und Emotionen transportieren.

    Perez wurde 1980 in Sincelejo in Kolumbien geboren. An der Kunsthochschule absolvierte er dort seine ersten Studien der Bildenden Kunst. Diese vervollständigte er an der Hochschule in Cartagena und in den Ateliers bei führenden kolumbianischen Malern. Ausstellungen führten ihn nicht nur in bedeutende Galerien und Museen in Kolumbien, sondern auch nach Argentinien, in die USA, nach Südkorea und Frankreich.

    Beltran beruft sich auf die organische Form

    Gabriel Beltran wurde in Bogotá geboren, wo er Bildhauerei und Skulptur an der Hochschule für Kunst studierte. Er erweitere seine Studien in Hamburg und Bogotá. Beltran hat einen Lehrauftrag und ist als Professor an verschieden kolumbianischen Universitäten tätig. Seine Plastiken stehen in privaten Sammlungen und im öffentlichen Raum. Ausstellungen führten ihn unter anderem in die USA, nach Spanien, Italien und Deutschland, in die Schweiz und nach Venezuela. In seinen Gebilden will er das von innen heraus urhaft Keimende organischer Formen darstellen. Die organische Form ist für Beltran eine klassische Disziplin der Bildhauerei. Obwohl sie erst in der Moderne durch Künstler wie Hans Arp oder Henry Moore zur Eigenständigkeit gelangte, haben schon die Menschen der Frühzeit organische Plastiken und Skulpturen hergestellt – als Idole bildeten sie Menschen oder Tierfiguren ab. Drauf beruft sich Beltran in seinem Werk.

    Die Dybowskis lebten durch ihre berufliche Tätigkeit für ein deutsches Unternehmen mehrere Jahre in Kolumbien. Dabei entdeckten sie auch die zeitgenössische Kunst ihres Gastlandes, die sie bei ihrer endgültigen Rückkehr nach Deutschland im Gepäck hatten. In Korweiler fanden sie eine neue Heimat und bauten einen leerstehenden Hunsrücker Bauernhof um. Die Lehmgefache wurden durch Glas ersetzt, unter dem Schieferdach hängen das ganze Jahr über die Bilder der eigenen Sammlung. Für drei Ausstellungen jährlich werden sie abgehängt, um Platz zu schaffen für die Werke führender kolumbianischer Künstler.

    Die „Hofsammlung“ in Korweiler, Dorfstraße 9, ist noch an allen Wochenenden im Oktober, samstags und sonntags, von 10 bis 18 Uhr sowie nach Absprache unter Tel. 06762/963 722 geöffnet.

    Von unserem Reporter Werner Dupuis

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