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Hirzenach

Glanzlicht des Welterbes muss saniert werden

Umfangreiche Sanierungsarbeiten sind an der Propstei in Hirzenach notwendig geworden. Die katholische Kirchengemeinde Hirzenach-Holzfeld-Rheinbay hat das Dach des mehr als 300 Jahre alten Propsteigebäudes durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Bausachverständigen begutachten lassen.

330.0000 Euro sind für die Instandsetzung des Propsteigebäudes in Hirzenach veranschlagt.
330.0000 Euro sind für die Instandsetzung des Propsteigebäudes in Hirzenach veranschlagt.
Foto: Werner Dupuis

Die Holzverschalung im Mansardenbereich hat breite Fugen und kann nicht mehr verwendet werden, auch weil die Sparren bis zu 90 Zentimeter auseinander liegen. Die Schalung des Hauptdaches kann überschalt werden. Die Schiefereindeckungen stammen größten Teils aus dem Erbauungsjahr des Gebäudes und zeigen altersbedingte starke Abnutzungen. Die teils freiliegenden Harthölzer, die der Witterung ausgesetzt waren, zeigen deutliche Spuren der Alterung mit Zerfall als Folge. Die Kirchengemeinde hat bereits die Standfestigkeit des Daches von einem Statiker überprüfen lassen, der ebenfalls akuten Sanierungsbedarf sieht.

Die Kosten der Baumaßnahme sind mit 330.000 Euro veranschlagt, wobei das Gebäude neben der Dachsanierung insgesamt einen neuen Anstrich erhält, Feuchtstellen am Außenputz werden ausgebessert. Nachdem die Finanzierung mit Hilfe des Bistums Trier, einer größeren Spende und den Erlösen des jährlichen Pfarrfestes gesichert ist, hat der Verwaltungsrat das Bopparder Ingenieurbüro Spitzley-Rechmann mit der Ausschreibung und Bauleitung der Baumaßnahme beauftragt.

745 Arbeitsstunden Eigenleistung

An der 2004/2005 in zwei Bauabschnitten begonnenen Außenrenovierung der 1109 errichteten Pfarrkirche erbrachten fleißige Helfer 745 Stunden an Eigenleistungen. Die Fertigstellung der Innenrenovierung der Pfarrkirche erfolgte 2008 und wurde von Bischof Stefan Ackermann in einem feierlichen Gottesdienst gewürdigt. Die Pfarrei Hirzenach-Holzfeld-Rheinbay hat in die Renovierung der Propstei rund 1,4 Millionen Euro investiert. Dies wäre ohne die finanzielle Unterstützung des Bistums Trier und weiterer Zuschussgeber sowie großer finanzieller Beteiligung der Pfarrei, insbesondere durch die Erlöse der Pfarrfeste, nicht möglich gewesen.

Die ehemalige Propsteikirche gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten in Rheinland-Pfalz. Das Gesamtensemble von Pfarrgarten, Propsteigebäude, Kirche und Villa Brosius ist ein „Glanzlicht des Welterbes“, so die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier.

Bereits der Koblenz-Neuendorfer Pfarrer Gregor Lang beschrieb seinerzeit den großen prächtigen Bau, als er erstmals 1789 seine „Reise auf dem Rhein von Mainz bis zum Siebengebirge“ veröffentlichte.

Wie ein erhobener Fürst

„Die Propstei kommt ihm vor, als er die bescheidenen Winzerwohnungen und die Mühle schaut, wie ein erhobener Fürst, umringt von einer bittenden Dorfgemeinde auf die er lieblich herabblickt und die seiner Größe alsdann erst den rechten Glanz beilegt, wenn er sie erhört von sich lässt“. Das ehemalige Hauptgebäude der Propstei wurde 1716 in der jetzigen Form gebaut. Das Gebäude ist auf der Hangkante errichtet. Zum Rhein hin ist das Sockelgeschoss nahezu fensterlos, zwei rundbogige Portale und ein Segmentbogenfenster gliedern das hohe Sockelgeschoss, das in seiner Grundstruktur wesentlich älter ist als das jetzige Hauptgebäude. Die beiden Obergeschosse werden lediglich durch ihre Fensterläden strukturiert. In der Mitte des Baus ist sowohl berg- als auch rheinseitig je ein Dreiecksgiebel platziert, in deren Mitte je eine große Uhr eingebaut ist. Ein großes Mansardendach bildet den Abschluss. Zahlreiche Dachgauben setzen Akzente. Über dem rheinseitigen Giebel wurde ein kleiner Glockenstuhl aufgeschlagen. In dem Propsteigebäude lebten zeitweise bis zu 13 Mönche. Der Propst war zugleich Pfarrer von Hirzenach. 1750 war die Propstei nur noch mit dem Propst, dem Grafen von Schellhardt als Mönch, sowie einem Kaplan besetzt und beschäftigte 14 Knechte und Mägde – ohne die Weinbergsarbeiter.

1803 wurde die Propstei Hirzenach, zur Benediktinerabtei Siegburg gehörend, im Zuge der französischen Revolution aufgelöst. Der letzte Propst Franz Emmerich von Quadt zu Wiekrath war letzter Propst und erster Pfarrer von Hirzenach.

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