40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Rhein-Hunsrück-Zeitung
  • » Geld für Ruanda kommt bei Projekten an
  • Aus unserem Archiv
    Rhein-Hunsrück

    Geld für Ruanda kommt bei Projekten an

    22 000 Euro hat der Kreis dem rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda in den vergangenen zwei Jahren zur Verfügung gestellt. Die Gelder waren zweckgebunden und halfen mit, eine Schule zu bauen. Anders als häufig Hilfszahlungen für Entwicklungsländer ablaufen, gibt es bei rheinland-pfälzischen Projekten eine genaue Kontrolle darüber, was mit den Hilfsgeldern geschieht. Dafür sorgt seit Bestehen der Ruanda-Partnerschaft des Landes der sogenannte Partnerschaftsverein.

    Rhein-Hunsrück - 22 000 Euro hat der Kreis dem rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda in den vergangenen zwei Jahren zur Verfügung gestellt. Die Gelder waren zweckgebunden und halfen mit, eine Schule zu bauen. Anders als häufig Hilfszahlungen für Entwicklungsländer ablaufen, gibt es bei rheinland-pfälzischen Projekten eine genaue Kontrolle darüber, was mit den Hilfsgeldern geschieht. Dafür sorgt seit Bestehen der Ruanda-Partnerschaft des Landes der sogenannte Partnerschaftsverein.

    Landrat Bertram Fleck und der Abgeordnete des Europarlaments, Norbert Neuser, waren während der Herbstferien in Afrika vor Ort und nahmen an der Delegationsreise des Landes in das Partnerland teil. Neuser gehörte nicht offiziell zur Delegation, sondern fuhr auf eigene Kosten mit, um vor Ort die Möglichkeiten für ein Engagement der EU in Ruanda zu prüfen. Außerdem kümmerte sich Neuser um eine Schule in Ruanda, die École Primaire in Bucumba, die die Stadt Boppard unterstützt hat.

    Zur rheinland-pfälzischen Delegation unter Leitung von Infrastrukturminister Roger Lewentz gehörte auch der Leiter der Rheinböller Puricelli-Schule, Karl Hermann Gutheil, um die École Primaire in Rugote zu besuchen, zu der Rheinböllen seit 2001 eine Partnerschaft unterhält. Landrat Bertram Fleck freute sich über die erfolgreiche Hilfe des Kreises für die Schule in Rusuzinero im Südwesten des Landes. „Der Kreis stellt jedes Jahr 11 000 Euro für Ruanda zur Verfügung. Wir haben ein Jahr für die Schule gespart und konnten nun 22 000 Euro überweisen. Der Betrag wurde vom Land auf rund 50 000 Euro aufgestockt.“

    Der Landrat lobt das Entwicklungshilfemodell des Landes, weil es die Möglichkeit zulässt, genau nachzuvollziehen, was mit den Geldern geschieht. Andere Bundesländer spenden an das Land Ruanda und haben damit keine genaue Kontrolle, was mit dem Geld gemacht wird und wohin es fließt.

    Bei der Partnerschaft von Rheinland-Pfalz kümmert sich der Partnerschaftsverein darum. Vor Ort sind für diesen vier deutsche Mitarbeiter plus zwei Praktikanten sowie zwischen zehn und zwölf Einheimische tätig. Für Bauvorhaben ist Christoph Weber aus Emmelshausen verantwortlich. Er koordiniert die Projekte in Ruanda, die mit Hilfe rheinland-pfälzischer Gelder realisiert werden. Damit ist die personelle Beteiligung aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis aber noch nicht erschöpft. Nach ihrem Abitur am Herzog-Johann-Gymnasium in Simmern hat Alexandra Braun aus Pfalzfeld über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „Weltwärts“ ein Praktikum in dem afrikanischen Land angetreten. „Die Rhein-Hunsrücker waren also während der Delegationsreise gut in Ruanda vertreten“, berichtet Bertram Fleck nicht ohne Stolz.

    Der Partnerschaftsverein untersucht in Ruanda, wo Hilfe am notwendigsten ist und macht dann Vorschläge für einzelne Projekte, für die Entwicklungshilfemittel und Spendengelder zur Verfügung gestellt werden sollen. Konkret wurden jetzt an der École Primaire Rusuzinero drei Schulräume gebaut, ein Büro für den Schulleiter sowie eine Zisterne, in der das Regenwasser von Dächern gesammelt wird, und von dem sich die Schüler aus vier Wasserhähnen bedienen können.

    Beim Bau solcher Objekte läuft die Finanzierung wie folgt: Der Partnerschaftsverein stellt für den ersten Bauabschnitt Geld aus seinem Fundus zur Verfügung und beurteilt im Anschluss regelmäßig den Fortgang der Bauarbeiten. Wann immer ein neuer Teil fertiggestellt ist, erfolgt die nächste Überweisung zur Bezahlung des jeweiligen Bauabschnitts. „So wird eine fortlaufende Kontrolle über die Verwendung der Gelder sichergestellt“, sagt Norbert Neuser.

    Der Europaparlamentarier berichtet, dass viele seiner Kollegen in Brüssel und Straßburg sehr angetan von dem rheinland-pfälzischen Modell seien. Man spricht von einer sogenannten „Graswurzel-Partnerschaft“, bei der Hilfsgelder direkt von Mensch zu Mensch fließen.
    „Ich werbe dafür, dass die EU in Zukunft in die Partnerschaft einbezogen wird und erzähle jedem Mitglied im Entwicklungshilfeausschuss der EU, wie toll die Partnerschaft mit Rheinland-Pfalz läuft. Mit der EU-Vertretung in Ruanda habe ich die Möglichkeiten für eine EU-Beteiligung erörtert. Die Arbeit von Rheinland-Pfalz wird EU-weit anerkannt. Mit einer Beteiligung der EU wäre es in Zukunft möglich, mehr und größere Projekte in Ruanda anzuschieben.“

    Boppard unterstützt Schule

    Norbert Neuser besuchte Nyarabitekeri, einen Ort, in dem 30 000 Einwohner leben. „Die Häuser liegen weit verstreut, was es sehr schwierig macht, Infrastrukturmaßnahmen zu realisieren“, sagt der Europa-Abgeordnete. Außer dem Haus des Bürgermeisters verfügt beispielsweise keines der Gebäude über Strom. Eine Solarzelle auf dem Dach des Bürgermeisters ermöglicht diesem und seinen acht Beschäftigten, einen Computer zu betreiben.

    Allen diese geringe Anzahl der Verwaltungsmitarbeiter, die für die 30 000 Menschen zuständig sind, verdeutlich die Dimension in der sich die Entwicklungshilfe-Projekte abspielen. Mit 8000 Euro aus Boppard konnten nun weitere Klassenräume an der École Primaire mit Lehrmitteln ausgestattet werden. „Man muss sich das mal vorstellen: Früher saßen die Kinder in Schulräumen aus Lehm, durch die mitunter das Wasser hindurchfloss. Jetzt haben die Kinder wenigstens Schulbänke und eine gewisse Ausstattung“, sagt Landrat Bertram Fleck. Allein für die Reise von der ruandesischen Hauptstadt Kigali nach Nyarabitekeri brauchte Norbert Neuser wegen der Abgelegenheit des Ortes und der schlechten Wege einen ganzen Tag für Hin- und Rückfahrt.

    Fleck: „Wir brauchen mehr Schulpartnerschaften. Wir geben nicht nur Geld, es kommt auch was nach. Die Lehrer unserer Partnerschulen – in Ruanda und bei uns – bauen die Entwicklungshilfeprojekte in den Unterricht ein.“

    Hilfe aus Rheinböllen kommt an und ist bitternötig

    Im Rahmen des Delegationsbesuchs von Minister Roger Lewenz und Ministerin Malu Dreyer war auch Rektor Karl Hermann Gutheil in Ruanda mit dabei und hatte die Gelegenheit, die École Primaire in Rugote, die von Rheinböllen seit 2001 im Rahmen einer Partnerschaft unterstützt wird, zu besuchen.
    Gutheil ist bereits seit 1983 in der Partnerschaft tätig. Mit der Schülervertretung der damaligen Hauptschule Kirn baute er eine sehr erfolgreiche Beziehung auf, die er mehr als zehn Jahre betreute. Nach seinem Wechsel als Schulleiter zur Flurschule in Idar-Oberstein konnte er 1998 mit einer Delegation auch diese Partnerschule in Kibumbwe besuchen. Während dieses Besuchs kam es zur Bildung einer weiteren Partnerschaft mit der Flurschule. Gutheil organisierte u.a. in Kirn eine Ostereieraktion mit der Hauptschule Kirn, mit der mehr als 100 000 D-Mark erwirtschaftet wurden. In Idar-Oberstein wurden bei zwei Sternwanderungen für die Partnerschaft 62 000 bzw. 24 000 DM eingenommen. 2003 wechselte Gutheil als Rektor an die Puricelli-Schule in Rheinböllen, an der schon eine Partnerschaft bestand, die von der späteren Konrektorin Marianne Enkelmann hervorragend betreut wurde. Auch hier wurden vielerlei Aktionen organisiert, womit u.a. für die Partnerschule zwei neue Schulen mit zwölf Klassenräumen errichtet werden konnten. Dabei wurden 80 Prozent der Kosten vom Partnerschaftsverein bzw. dem Innenministerium übernommen.

    Die Primärschule Rugote liegt im südlichen Teil Ruandas, weit ab von den Hauptstraßen. Während in den Ballungsgebieten um die Hauptstadt Kigali und entlang der Hauptverkehrsstraßen sich Ruanda im Vergleich zu 1998 eindrucksvoll positiv weiter entwickelt hat, ist hier die Armut noch stark spürbar. Die Schule hat mehr als 600 Schüler, die von 17 Lehrkräften unterrichtet werden. Die eine Hälfte geht morgens, die andere nachmittags zur Schule. Manche Schüler müssen viele Kilometer zur Schule zurücklegen.

    Unterrichtet wird in 15 Klassenräumen. Drei in einem alten Lehmbau untergebrachte Räume sollen jetzt abgerissen und durch neuere Gebäude ersetzt werden. Diese Räume verfügen über Fenster und Türen, eine große Tafel, Tische und Bänke für die Kinder und Betonfußboden. Hier haben die Kinder bessere Arbeitsbedingungen und mehr Platz.

    Der Rektor und der Bürgermeister dankten daher sehr für die Unterstützung durch die Puricelli-Schule, die auch Lehrbücher finanzierte und vor kurzem einige Laptops über das Koordinationsbüro in Kigali, das die Partnerschaften hervorragend betreut, anschaffte. Die Computer müssen aber immer wieder über Kilometer zur nächsten Steckdose transportiert werden, um die Akkus aufzuladen. In der Schule werden die Laptops dann jeweils so lange benutzt, bis die Akkus leer sind.

    In einer leider durch starken Regen etwas getrübten Feier brachten die Kinder, Eltern, Lehrer und Persönlichkeiten der Umgebung mit Tänzen, Gesangsdarbietungen und Reden ihren Dank zum Ausdruck. Bei einem Gang durch die Schule überzeugte sich Karl Hermann Gutheil von dem Erfolg der Partnerschaft und den Auswirkungen der Unterstützung. „Die Herzlichkeit, die allen Rheinland-Pfälzern in Ruanda entgegenschlägt, ist echt und eindrucksvoll“, berichtet der Rektor. Durch den direkten Kontakt zu den Schulen – Briefe und Bilder werden ausgetauscht – ist diese „Graswurzel-Partnerschaft“ beispielhaft.

    Mit drei Fußbällen und weiteren Geschenken brachte der Rektor aus Rheinböllen die Kinder und Erwachsenen zum Jubeln und Tanzen. Nicht nur für ihn, sondern auch für die Kinder in Rugote war dieser Tag ein einzigartiges Erlebnis, was sie auch auf Plakaten und Bildern deutlich machten. So freuten sie sich auch sehr über Steckbriefe der Sechstklässler aus Rheinböllen und zwei von den Hunsrücker Kindern angefertigte große Plakate, die nun in den Klassen die Wände verschönern.

    Alle waren sich einig, dass diese Partnerschaft weitergehen muss und für beide Seiten ein Gewinn ist. So hofft man in Rheinböllen, dass vielleicht ein Schüler dieser Schule im nächsten Jahr zur Delegation des Landes gehören könnte oder ein Jugendlicher aus Ruanda nach Rheinböllen kommt. EU-Abgeordneter Norbert Neuser dazu: „Ein Schüleraustausch klingt exotisch. Aber im nächsten Jahr wird die rheinland-pfälzische Partnerschaft mit Ruanda 30 Jahre alt. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, dass dann eine heimische Schulklasse nach Ruanda reist.“ tor

    Boppard Simmern
    Meistgelesene Artikel
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Sonntag

    6°C - 9°C
    Montag

    7°C - 10°C
    Dienstag

    9°C - 12°C
    Mittwoch

    8°C - 14°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Jahresrückblick 2016 der RHZ
    Anzeige