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Bickenbach

Bürger vermuten Umweltskandal an Bickenbacher Windradbaustelle: Kreis schickt Gutachter

Thomas Torkler

Reste von Stromkabeln und Steckdosen und weiteres potenziell umweltschädliches Material haben Bürger an der Baustelle für ein Windrad in Bickenbach entdeckt. Die zuständige Behörde, in diesem Fall der Rhein-Hunsrück-Kreis, wurde informiert und und reagierte umgehend. Am Mittwoch gingen Gutachter an der Baustelle der Sache auf den Grund.

Alle zwei bis drei Meter wurde der verfüllte Bauschutt wieder ausgebaggert, um stichprobenartig zu ergründen, ob sich weitere Störstoffe in dem Material an der Windradbaustelle im Erdreich befinden. Nach erster Sichtung war dies nicht der Fall. Die chemische Analyse steht noch aus.  Foto: Werner Dupuis
Alle zwei bis drei Meter wurde der verfüllte Bauschutt wieder ausgebaggert, um stichprobenartig zu ergründen, ob sich weitere Störstoffe in dem Material an der Windradbaustelle im Erdreich befinden. Nach erster Sichtung war dies nicht der Fall. Die chemische Analyse steht noch aus.
Foto: Werner Dupuis

Ein Archäologe hatte laut Medienberichten bei einem Spaziergang in der Nähe der Bickenbacher Baustelle Reste von Stromkabeln entdeckt, Schaltgehäuse von Steckdosen, Gummiringe, Abdichtungen sowie Teile von Fensterrahmen. Umweltschützer befürchten, dass Projektbetreiber auf Windradbaustellen Verfüllstoffe verwenden, die umweltschädliche Materialien enthalten und die normalerweise auf die Deponie gehören.

Sandra Zilles, Dezernentin der Kreisverwaltung, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass in Absprache mit dem Projektbetreiber Experten bestellt wurden, um zu ergründen, ob es sich um einen Umweltskandal handelt oder nicht. „Nach erster augenscheinlicher Sichtung haben die Gutachter nichts gefunden“, erklärt Zilles.

Mit einem Bagger wurden auf dem mit Recycling-Material bereits verfüllten Baugelände alle zwei bis drei Meter mehrere Löcher ausgehoben und das Material untersucht. „Wir haben bis zwei Meter in die Tiefe bis zur Tragschicht ausgebaggert“, sagt die Dezernentin.

Material wird nun im Labor untersucht

Ein endgültiges Ergebnis der Untersuchungen kann aber erst vorgelegt werden, wenn die Aushubproben chemisch untersucht worden sind. „Das Material geht heute noch ins Labor“, sagte Heinz-Dieter Wieß am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Wieß ist bei der Kreisverwaltung im Fachbereich Bauen und Umwelt zuständig für die Genehmigung von Windkraftanlagen. Bei der Blickkontrolle habe man festgestellt, dass es sich bei dem Aushub aufgrund der Zusammensetzung des Materials um „ganz normalen Bauschutt“ handele. „Bislang sieht alles unauffällig aus, aber chemische Verunreinigungen sieht man dem Material ja nicht an“, so Wieß. Er rechnet nicht vor Freitag nächster Woche mit Ergebnissen der Laboranalyse.

Zu dem in Bickenbach entdeckten Fremdmaterial, wie Kabelreste, Steckdosen und Stoffreste, sagt Wieß: „Bei Bauschutt muss man damit leben, dass da auch Störstoffe drin sind.“ Allerdings bewege sich die Menge der in Bickenbach entdeckten Materialien „innerhalb der Toleranz des Gesetzgebers“.

Szene aus dem SWR-Filmbeitrag: Fotos mit dem – inzwischen vebauten – Füllmaterial , die Bürger in Bickenbach gemacht hatten.
Szene aus dem SWR-Filmbeitrag: Fotos mit dem – inzwischen vebauten – Füllmaterial , die Bürger in Bickenbach gemacht hatten.
Foto: SWRaktuell

Bei den Stoffresten handele es sich um ein Teil eines sogenannten Geotextils. Das sehe aus wie ein Stoffrest, aber es handele sich um den Teil einer Unterlage, die immer im Erdreich ausgelegt werde, bevor eine Schotterschicht aufgebracht wird. „Das ist gängige Praxis“, sagt Wieß und räumt ein: „Sicher, Kabelreste sind nicht schön, aber wenn der vom Gesetzgeber vorgeschriebene prozentuale Anteil nicht überschritten wird, ist dagegen nichts einzuwenden.“

mehr zum Thema: <a href="http://www.ardmediathek.de/tv/SWR-Aktuell-Rheinland-Pfalz/Umweltsch%C3%A4dlicher-Bauschutt-unter-Windr%C3%A4/SWR-Rheinland-Pfalz/Video?bcastId=205724&documentId=48189390" target="_blank">Bodenproben an der Baustelle</a>
Foto: SWR-Video

Die Gutachter vor Ort kamen zur gleichen Bewertung wie Dezernentin Sandra Zilles und Heinz-Dieter Wieß und verwiesen auf die chemische Analyse, die vor einer abschließenden Bewertung abgewartet werden müsse.

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Torkler

Streitthema Lärm: Die Kritik an den Rädern reißt nicht ab

Bickenbach/Schnellbach. Der Streit um die Windräder von Bickenbach dauert seit Langem an. Unter anderem waren gegen die Baugenehmigung für das zuletzt diskutierte einzelne Windrad Dutzende Widersprüche bei der Kreisverwaltung eingegangen. Aktuell ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord dazu aufgefordert, eine neue Begutachtung des Lärms vorzunehmen.

Nach dem Spruch des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Koblenz, das im August einen Baustopp aufgehoben hat, ist die lange juristische Gegenwehr betroffener Bürger vorerst zum Erliegen gekommen. Zahlreiche Bürger, die privat Widerspruch gegen die Genehmigung des Windrades eingelegt hatten, haben diesen zurückgenommen. Wie die Schnellbacher Ortsvorsteherin Dagmar Pera erläutert, ist die Kritik „nach wie vor unverändert“ – sowohl bezüglich der Genehmigung als auch mit Blick auf verschiedene Vorgänge vor Ort bis hin zum Vorwurf möglicher illegaler Entsorgungen im Rahmen von Bodenverfüllungen. Fakt ist aber auch: Für eine umfangreichere juristische Gegenwehr fehlen den Bürgern schlicht die Mittel.

Pera skizziert, dass allein durch die beiden Eilverfahren beim Verwaltungsgericht und beim OVG für die letztlich unterlegenen Kläger Kosten in Höhe von rund 15.000 Euro aufgelaufen sind. Allein aus diesem Grund hätten die Bürger ihre Widersprüche gegen die Genehmigung zurückgenommen. Denn der Weg in ein sogenanntes Hauptsacheverfahren, also der Weg in ein vertieftes Klageverfahren, hätte neue Kosten bedeutet, die wohl den Rahmen des Machbaren bei Weitem gesprengt hätten. Nicht umsonst freuen sich die Schnellbacher über potenzielle Spender, die im Nachgang der Auseinandersetzung mithelfen, die finanzielle Situation zu verbessern.

Inhaltlich setzen die Kritiker auf einen Vorstoß des Beltheimer Bürgermeisters Uwe Hammes. Dieser hat Ende Oktober eine Schallimmissionsmessung in Schnellbach „an mehreren Stellen im Ort“ bei der SGD Nord beantragt, „von einem neutralen Gutachter“. Hammes fordert explizit einen Experten, der nicht „für Investoren tätig war“. Hintergrund der Forderung nach einem Gutachten sind neue Erkenntnisse beim Thema Lärm.

Hammes verweist auf die Arbeit der Länderarbeitsgruppe Immission, die darauf schließen lasse, dass die bei Windkraftgenehmigungen durchweg herangezogene Richtlinie „TA Lärm“ neu zu bewerten sei. Die SGD solle in Schnellbach aus diesem Grund eine neue Analyse vornehmen, fordert der Bürgermeister. Eine Antwort der SGD liegt bislang nicht vor. Volker Boch

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