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    Simmern

    Austellung im Hunsrück-Museum: Karl Kaul zeigt die "andere" Seite der Kunst

    Mit der Ausstellung „Zeitkritisch“ endet die Jahres-Trilogie des Keidelheimer Künstlers Karl Kaul anlässlich seines 80. Geburtstages. Nach abstrakten und landschaftlichen Arbeiten sind im Simmerner Hunsrück-Museum bis zum Jahresende andere Werke zu sehen: Kunst voller Zeitkritik.

    Die Ausstellung „Zeitkritisch“ von Karl Kaul (2. von rechts) ist bis Jahresende im Hunsrück-Museum zu sehen. Stadtbürgermeister Andreas Nikolay, Museumsleiter Fritz Schellack und Ulrich Sopart, Beigeordneter der VG, unterstrichen bei der Vernissage im Museum die Bedeutung der Arbeiten des Keidelheimer Künstlers.  Fotos: Volker Boch
    Die Ausstellung „Zeitkritisch“ von Karl Kaul (2. von rechts) ist bis Jahresende im Hunsrück-Museum zu sehen. Stadtbürgermeister Andreas Nikolay, Museumsleiter Fritz Schellack und Ulrich Sopart, Beigeordneter der VG, unterstrichen bei der Vernissage im Museum die Bedeutung der Arbeiten des Keidelheimer Künstlers. Fotos: Volker Boch

    Es sind Bilder, die wehtun und aufwühlen, weil sie Verletzungen darstellen. Der Menschlichkeit. Von Menschen. Der Seele. Da ist beispielsweise das Porträt dieser jungen Frau, entstellt durch die Droge Crystal Meth. Der junge verstümmelte Mann, der Hooligan, der sich im Fußball vergisst, das Anbrüllen von Kindern in sogenannten Drill Academys. Menschen, die sich an Menschen vergehen, bis hin zur Massenvernichtung im Holocaust, gehören zur Zeitgeschichte. Die Menschheit ist oftmals unmenschlich und versucht dieses Vergehen an sich selbst häufig rasch wieder zu vergessen, sich abzulenken und zum Normalen zurückzukehren. Die mal sensible, mal kraftvolle Art Kauls, dies darzustellen, hält das Düstere im Alltäglichen auf teils offen-entlarvende, dann wieder subtil-sezierende Weise fest. Kaul dokumentiert ohne anzuklagen. Es ist kein mahnender Zeigefinger, sondern die Klarheit seiner Kunst, die den Blick noch wesentlich stärker auf das geschehene Unrecht zu lenken vermag als Lautstärke.

    Teils sehr persönlich sind die Arbeiten, die Karl Kaul bei der Ausstellungseröffnung gemeinsam mit seiner Frau Helga (2. von links) vorstellte.
    Teils sehr persönlich sind die Arbeiten, die Karl Kaul bei der Ausstellungseröffnung gemeinsam mit seiner Frau Helga (2. von links) vorstellte.

    „Zeitkritik bedeutet nicht, dass man immer provozieren muss“, sagt Museumsleiter Fritz Schellack bei der Eröffnung der Ausstellung im Simmerner Schloss. „Das Publikum will sich an schöner Kunst vergnügen“, erklärt er weiter. Zeitkritische Kunst sei daher oft verpönt worden. Berechtigt und wichtig, so erklärt Schellack, ist sie dennoch oder gerade deshalb. „Diese Ausstellung ist für uns etwas ganz Besonderes.“ Gemeinsam mit Stadtbürgermeister Andreas Nikolay freut er sich, diese andere Seite des vielfältigen Künstlers aus Keidelheim zu zeigen.

    In der Ausstellung sind Themen zu sehen, die Kaul seit Jahrzehnten begleiten und belasten, die wie jene Überbleibsel des Führerhauptquartiers Bunker „Wolfsschanze“ heute noch so aktuell sind wie vor fünf Jahrzehnten. Das am Straßenrand liegen gelassene Unfallopfer ist ein vergleichsweise historisches Bild, aber ebenso aktuell in der allgemeinen Gleichgültigkeit wie die Existenz von „Fake News“, ein blutiger Kampf unter dem Deckmantel sanft wirkender Religionen oder auch ein um sich schreiender Donald Trump.

    Gerade auf Kommunikation ist die moderne Gesellschaft getrimmt. So ließe sich eines der Hauptwerke in Kauls Präsentation auch dahingehend interpretieren, dass dieses Gemälde junge Menschen zeigt, die vornübergebeugt, dröge wirkend an einem Tisch sitzen. Solche Szenen, nicht nur junger, auf Smartphones starrender und in virtuelle Welten vertiefter Menschen, die sprachlos miteinander am Tisch sitzen, gibt es jeden Tag. Doch Kaul hat dieses Werk, das so wundervolle Lichtblicke durch ein am Rand des Bildes liegendes Fenster ins farbenprächtige Freie erlaubt, nicht von der „Generation 2.0“ gezeichnet, sondern von Senioren. Auf feinfühlige, liebevolle Weise nähert er sich dem Alltag in einem Wohnheim alter Menschen und beschreibt das Bild von betagten Mitbewohnern, die auf den Beginn des Mittagessens warten. Schweigend. Ein leises, sehr persönliches Bild, das Betrachter tief berührt.

    Die zeitkritischen Arbeiten, die bis zum Jahresende im Simmerner Museum zu sehen sind, runden eine eindrucksvolle Trilogie von Ausstellungen ab. „Dies ist keine ästhetische Präsentation“, erklärt Kaul, „es sind keine schönen Bilder.“ Aber es sind wichtige Arbeiten, die auf extrem kompakte, verdichtete Weise im Museum gezeigt werden. „Man nicht einfach vorbeigehen“, sagt Kaul, der sich freut, wenn die Besucher seine Zeitkritik annehmen – als Einladung zum Nachdenken. Volker Boch

    Die Ausstellung „Zeitkritisch“ ist im Hunsrück-Museum Simmern noch bis zum Jahresende zu sehen. An diesem Samstag und Sonntag lädt Karl Kaul zum Tag des offenen Ateliers ein, jeweils von 14 bis 19 Uhr in der Hauptstraße 3 in Keidelheim.

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