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    WestumWorkshops: "Herr der Steine" erklärt Hang zum Trockenmauerbau

    Das Gelände hinter dem Haus von Peter Berg am Hang des Mühlenberges in Westum ist nicht nur ein wundervoll gestalteter Garten, sondern auch zum Mekka der Trockenmauerbauer geworden. Von überall her kommen sie, um hier in Workshops das alte, fast untergegangene Handwerk zu erlernen.

    Peter Berg (stehend) mit Ursula Napp (links) und Andreas Scharf aus Bergisch-Gladbach(r.) haben bereits die Grundbegriffe gelernt.
    Peter Berg (stehend) mit Ursula Napp (links) und Andreas Scharf aus Bergisch-Gladbach(r.) haben bereits die Grundbegriffe gelernt.
    Foto: Jochen Tarrach

    Der Auszubildende Florian Wiesenhofer hat an der Schule für Garten- und Landschaftsgestaltung in Wien von den Workshops im historischen Trockenmauerbau bei Peter Berg gehört, Hobbygärtnerin und von Beruf Krankenschwester Ursula Napp aus Womerath im Hunsrück erfuhr es aus der Gartenbeilage der Rhein-Zeitung und der Meister für Garten- und Landschaftsbau, Knut-Erik Knobloch, aus Görlitz in Niederschlesien hat es in der Fachpresse gelesen. In der vergangenen Woche waren sie und zahlreiche weitere Interessenten nun zur Unterweisung in Westum.

    Grobe Platten aus Moselschiefer, Ahr-Grauwacke und Bergischer Grauwacke werden als Grundmaterial für die Trockenmauern in Westum angeliefert.
    Grobe Platten aus Moselschiefer, Ahr-Grauwacke und Bergischer Grauwacke werden als Grundmaterial für die Trockenmauern in Westum angeliefert.
    Foto: Jochen Tarrach

    Man nennt Peter Berg in Fachkreisen auch den „Herrn der Steine“. Dabei ist er doch eigentlich Gärtnermeister und Techniker für den Garten- und Landschaftsbau. Mehrfach hat er den Titel „Gartendesigner des Jahres“ gewonnen. „Herr der Steine“, das ist zu seiner Arbeit kein Widerspruch, denn zu einem ansprechend gestalteten Garten gehört eine Naturstein- oder Trockenmauer auch als wertvoller Lebensraum für Kleintiere und Pflanzen einfach dazu.

    Mauern aus Schiefer, Grauwacke oder auch schon einmal Basalt bestimmen gerade im Ahrtal nicht unerheblich das Landschaftsbild. Ob im eigenen Garten oder ihre großen Brüder an den steilen Hängen des Flusses, sie vermitteln eine außergewöhnliche Atmosphäre und sind Zeugnis einer besonderen Handwerkskunst, die immer mehr in Vergessenheit gerät. Über viele Jahrhunderte und bis zum Ende der 50er-Jahre gehörte der Unterhalt von Trockenmauern zu den regelmäßigen Arbeiten von Winzern und Gärtnern. Und dieses Erbe hat Peter Berg bewahrt.

    Geboren in Walporzheim, wuchs der knapp 60-jährige Peter Berg am Fuße der für die Ahrregion so typischen Terrassenweinberge auf. Diese ebenso beeindruckenden wie künstlerisch gestalteten Terrassen aus Naturstein sind es, die ihn bis heute nicht losgelassen haben und die sich nach Möglichkeit in seinen Gärten auch immer wieder finden. „Trockenmauerbau gehört zur Gartengestaltung einfach dazu“, sagt er. Für die heute oft als Ersatz gesetzten Gabionen (gefangene Steine), das sind Drahtgeflechte mit Schottersteinen drin, hat er nur ein Stirnrunzeln übrig.

    So hat er sich zur Aufgabe gemacht, das alte Handwerk des Mauerbaus aus Schiefer oder Grauwacke und völlig ohne Mörtel seinen Berufskollegen zu vermitteln. Einmal im Jahr veranstaltet er einen entsprechenden Workshop. „Die Liebe zum Handwerk ist meine Triebfeder, denn Geld verdienen lässt sich mit solchen Workshops nicht“, erklärt er.

    Ein Zuckerschlecken war die Arbeit bei der herrschenden Hitze in der vergangenen Woche nicht, denn der Moselschiefer, die Ahr-Grauwacke oder die Bergische-Grauwacke wird in großen Platten angeliefert, die erst einmal in passende, handliche Form gebracht werden müssen. Natürlich wird nicht einfach angefangen zu Hämmern und zu Setzen, sondern zuerst wird innerhalb der theoretischen Einweisung alles genau erklärt und besprochen. Und da gibt es viele Dinge zu beachten und Begriffe zu unterscheiden. Decksteine, Binder, Füllsteine, Bausteine und Fundamentsteine, doppelwandige Mauer, zweihäuptige Mauer, Mauerdicke (mindestens 1/3 der Höhe), Stoßfuge, Verband und Verkeilen und besonders „kein Wackeln“, das sind wirklich nur wenige der Fachbegriffe, egal, ob die Mauersteine nun senkrecht gestellt oder waagerecht gelegt werden.

    Schnell wird klar, dass Trockenmauerbau eine besondere Kunst ist, die Finderspitzengefühl, Ruhe und Geduld erfordert. Eine solche Mauer kann man nicht mal eben setzen. Ursula Napp berichtet, dass sie versucht habe, einen Handwerker zu finden, der ihr im Garten eine Trockenmauer setzt. Zuerst sei es fast unmöglich gewesen, jemanden zu finden, dann sei es viel zu teuer gewesen. „So habe ich allen Mut zusammengenommen und habe mich hier zum Workshop angemeldet. Nun baue ich meine Mauer selber“, sagt sie mit schelmischem Lächeln.

    Peter Berg hat genug Platz, um noch viele Mauerbauseminare durchzuführen. Diesen Platz brauch er auch, denn was einmal steht, wird aus Achtung vor dem Handwerk und der Arbeit nicht wieder abgerissen. Trotzdem ist es kein wirres Durcheinander von Mauerstücken, sondern ein wohldurchdachtes Gartengelände, das seinesgleichen sucht.

    Von unserem Mitarbeiter
    Jochen Tarrach

    Trockenmauern haben viele Vorteile

    Bei Hanggärten kommt dem Naturstein- und dem Trockenmauerbau eine besondere Bedeutung zu. Natursteinmauern bringen die notwendige Flexibilität mit sich, um feine gestalterische Nuancen zu setzen. Sie sind flexibel und nehmen leichte Bewegungen des Hanges auf.

    Starre Betonmauern oder gemauerte Mauern können das nicht. Trockenmauern sind wasserdurchlässig. Somit kann sich dahinter kein Wasser anstauen und zusätzlichen Druck ausüben. Sie lassen sich geschwungen errichten und können den natürlichen Hangverläufen angepasst werden. Ihr größter Vorzug liegt in der Möglichkeit, sie begrünen zu können. Die Begrünung lockert das schroffe, kantige Mauerbild durch den wolkigen Habitus vieler Pflanzen auf. Die Stabilität erhält eine Trockenmauer durch ihr Eigengewicht. tar

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