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    Brohl-Lützing

    Wird Mosenmühle das Wasser abgedreht?

    In der Mühle unweit der Schweppenburg im Brohltal wird seit Jahrhunderten das Getreide von den Bauern der Region gemahlen. Seit nahezu 100 Jahren, genauer seit 1913, hat die Familie Mosen die Wassermühle gepachtet und geht dort dem traditionellen Handwerk nach. Mit der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien könnte jedoch das Aus kommen. Denn der Mühle soll durch den Bau einer Fischtreppe im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben werden.

    Noch kann Müllermeister Rainer Mosen für den Antrieb der Mahlwerke, Walzen und Transportbänder auf die Wasserkraft aus dem Brohlbach zählen. Durch eine Richtlinie aus Brüssel soll sich dies ändern.
    Noch kann Müllermeister Rainer Mosen für den Antrieb der Mahlwerke, Walzen und Transportbänder auf die Wasserkraft aus dem Brohlbach zählen. Durch eine Richtlinie aus Brüssel soll sich dies ändern.
    Foto: Andreas Wetzlar

    Brohl-Lützing - In der Mühle unweit der Schweppenburg im Brohltal wird seit Jahrhunderten das Getreide von den Bauern der Region gemahlen. Seit nahezu 100 Jahren, genauer seit 1913, hat die Familie Mosen die Wassermühle gepachtet und geht dort dem traditionellen Handwerk nach. Mit der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien könnte jedoch das Aus kommen. Denn der Mühle soll durch den Bau einer Fischtreppe im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben werden.

    „Sollte die Richtlinie, egal ob bis zum Jahr 2015 oder dem Ende der Übergangsregelung 2027, im vollen Umfang durchgesetzt werden, ist das Ende einer über Jahrhunderte gewachsenen Tradition erreicht“, bringt Mosen die Lage auf den Punkt.

    Seit dem Bestehen der Mühle, und deren Zeugnisse reichen bis in das Jahr 1365 zurück, werden die Mühlräder mit der Kraft des Wassers aus dem vorbeifließenden Brohlbach angetrieben. „Die Nutzung der Wasserkraft ist eine Existenzgrundlage für uns. Denn rund 60 Prozent der benötigten Energie wird über das Wasser abgedeckt. Nur so können wir als kleiner Familienbetrieb überhaupt im Konkurrenzkampf mit den Großen bestehen“, macht Mosen deutlich, der die Mühle in dritter Generation unter dem Namen Mosenmühle führt. Unterstützt wird der 56-Jährige, der seit 1980 als Müllermeister tätig ist, bei der Arbeit sowohl von Ehefrau Rita, den beiden Söhnen Lukas und Simon sowie dem Neffen Udo.

    Die Wasserkraft, dank der sich in der Mosenmühle seit Jahrhunderten alles dreht, wird dem Brohlbach rund 300 Meter vor der Mühle entnommen. Dazu wird ein Teil des Wassers in den Mühlengraben geleitet, sodass das im Durchmesser sieben Meter messende Mühlrad mit rund neun Umdrehungen pro Minute angetrieben wird. „Um die knapp 40 PS Leistung zu entwickeln, braucht es einfach eine gewisse Wassermasse in den 1,60 Meter breiten Schaufeln“, gibt Rainer Mosen zu bedenken.

    Derzeit stehen dem Müller aufgrund der zeitlich ungebundenen Wasserrechte, die mit der Mühle von der Familie des Freiherrn Karl-Theodor von Geyr zu Schweppenburg gepachtet wurden, rund 200 Sekundenliter Wasser zu. „Geht es nach der Wasserrahmenrichtlinie, dann sollten wir künftig mit gerade einmal noch 50 Sekundenliter an Wassermenge auskommen. Das reicht nicht aus, um das Mühlrad zu drehen“, so Mosen. Dann müsste der Antrieb der Förderbänder, Walzen und Mahlwerke über Strom aus der Steckdose aufrechterhalten werden. „Ein wirtschaftliches Arbeiten als Kleinbetrieb wäre dann nicht mehr möglich“, bilanziert Mosen. Sollten die zuständigen Behörden, die untere und obere Wasserbehörde in Ahrweiler und Koblenz, kein Einsehen zeigen, wäre das Ende der letzten im Kreis Ahrweiler vorhandenen mit Wasserkraft betriebenen Vollerwerbsmühle gekommen.

    So weit wird es allerdings nicht kommen, sagt die Kreisverwaltung Ahrweiler energisch: „Der Eigentümer der Mosenmühle besitzt zu 100 Prozent das Wasserrecht. Alle Maßnahmen bedürfen seiner Zustimmung; Renaturierungsmaßnahmen werden nicht gegen den Willen des Eigentümers durchgeführt. Die Funktionsfähigkeit der Mühle muss und soll erhalten bleiben“, so Pressesprecher Jürgen Kempenich auf RZ-Anfrage.

    Dem Umwelt- und Naturschutz, dem mit dem Bau einer Fischtreppe Rechnung getragen werden soll, steht Rainer Mosen im Übrigen sehr offen gegenüber. „Als Wassermüller sind wir schon von Berufswegen an einem gesunden Bach, der uns die Erwerbsgrundlage sichert, interessiert. Schon seit Jahren setzten wir Fische sowohl vor als auch hinter dem Wehr aus, an dem der Mühlengraben ansetzt“, erklärt Mosen.

    Mit diesem Vorgehen werde sichergestellt, dass sowohl in Richtung Quelle als auch in Richtung Rheinmündung die Artenvielfalt gesichert sei. Aber auch das Mühlrad selbst stellt laut Aussage Rainer Mosens eine aktive Form des Umweltschutzes dar: „Denn durch das Rad wird das Wasser aufgewirbelt und mit Sauerstoff versetzt.“

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