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Kreis Ahrweiler

Vom Ahr-Bleichert zum Spitzenwein (32)

Auf rund 100 000 Hektar wird in Deutschland Wein angebaut. Das größte geschlossene Weinbaugebiet für Rotwein ist das Ahrtal: Hier sind es 564 Hektar, auf denen zwischen Altenahr und Bad Neuenahr-Ahrweiler in elf Winzerorten und 40 Einzellagen Wein angebaut wird.

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Eigentlich liegt das Ahrtal ja knapp außerhalb der "Weinbauzonen" dieser Welt, die sich zwischen dem 30. und 50. Grad nördlicher Breite und dem 30. und 40 Grad südlicher Breite befinden. Dass hier überhaupt Wein gedeiht, ist der Tatsache zu verdanken, dass sich eine "Klimaoase" gebildet hat: 1400 Sonnenstunden, nur 650 Millimeter Niederschlag und 9,8 Grad Jahrestemperatur im 30-jährigen Mittel – bei diesen Bedingungen können die Trauben an den Rebhängen entlang der Ahr gut ausreifen. Die steilen, felsigen Südhänge heizen sich bei Sonnenbestrahlung rasch auf und geben die gespeicherte Wärme nur langsam an die Reben weiter, sodass auch nachts ausgeglichene Temperaturen herrschen.

Wie aber der Wein an die Ahr kam, ist nach wie vor nicht vollends geklärt. Dass die alten Römer, die immerhin fast 500 Jahre hier verweilten, ihn mitbrachten, ist nicht auszuschließen. So wurden bei Grabungen alte Wurzelstöcke gefunden, die auf Weinbau in der Römerzeit schließen lassen. Als Indiz werden auch die altrömischen Münzen aus der Zeit von Kaisers Gallienus (260-268 n. Chr.) gesehen, die im Jahr 1853 bei Erweiterungsarbeiten des Apollinarisbrunnens in Bad Neuenahr auf einem freigelegten Weinberg in 4,50 Meter Tiefe gefunden wurden. Nichtsdestotrotz gibt es keine verlässlichen Bodenfunde. Paul Gieler aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, Autor des Büchleins "Wein und Weinbau an der Ahr", glaubt nicht daran, dass schon die Römer im Ahrtal Wein angebaut haben. "An der Ahr wurde bisher auch kein einziges Kelterhaus gefunden, das für den Weinbau der Römer typisch ist", gibt er zu bedenken.

Mönche etablierten den Weinbau

Die erste urkundliche Erwähnung des Weinbaus an der Ahr fällt erst ins 9. Jahrhundert. Es waren Mönche, die den Weinbau vollends etablierten. Das Güterverzeichnis der Abtei Prüm von 893 gibt davon Aufschluss, dass Klöster und Stifte Weingärten (Wingerte) besaßen. Die Rede ist hier von größeren Weinbergen in acht Ahrsiedlungen, darunter in Ahrweiler, Walporzheim, Dernau und Altenahr. Ins Jahr 1490 fällt die erste Erwähnung von Rotwein an der Ahr. Gielers Theorie ist, dass Mönche ihn aus ihren Mutterklöstern in Burgund mitgebracht haben. Früher hatte der Ahrwein allerdings die Bezeichnung "Ahr-Bleichert": Weil der Rotwein wie Weißwein hergestellt wurde, hatte er eine blässliche Farbe, ähnlich dem Roséwein.

So erfolgreich wie heute waren die Weine von der Ahr nicht immer: Im 19. Jahrhundert gab es eine Absatzkrise. Aus vielfältigen Gründen fiel es den Ahrwinzern immer schwerer, ihre Weine an den Kunden zu bringen. Hinzu kamen Missernten und eine Schädlingskatastrophe: Die Reblaus trat 1881 auf den Plan. Die schiere Not brachte die Winzer dazu, näher zusammenzurücken und ihr Heil in der Kooperation zu suchen: 1868 wurde in Mayschoß ein Winzerverein gegründet – die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, wie sie heute heißt, ist damit die älteste Winzergenossenschaft überhaupt. Das Beispiel machte Schule: Bis 1898 gründeten sich im Ahrtal weitere 19 Winzergenossenschaften.

Noch heute sind 90 Prozent der Ahrwinzer in drei Winzergenossenschaften organisiert. Und Paul Gieler glaubt sogar: "Ohne Genossenschaften gäbe es keinen Weinbau mehr an der Ahr." Grund: Die meisten Winzer sind Nebenerwerbswinzer – 505 der aktuell 622 Weinbaubetriebe an der Ahr bewirtschaften weniger als ein Hektar Rebfläche. Der Weinbau der Ahr vollzieht sich (nicht erst bei der Lese) vor allem in Handarbeit. Pro Hektar sind durchschnittlich 1000 Arbeitsstunden im Weinberg zu leisten, in den Steillagen und bei der althergebrachten Pfahlerziehung noch mehr. Gerade die Spitzenweine der Ahr können nur mit viel Aufwand erzeugt werden, doch die hohe Weinqualität belohnt die beschwerliche Arbeit.

Spätburgunder, die launische Diva

Die vorherrschende Rebsorte an der Ahr ist und bleibt der Spätburgunder. Gerade diese Spezialisierung ist die große Stärke der Ahrwinzer – nirgendwo sonst wird prozentual so viel Spätburgunder angebaut wie an der Ahr, nämlich 62 Prozent der angebauten Reben. Mit großem Abstand folgen Frühburgunder, Portugieser, Riesling und Dornfelder. Die Rebsorte Spätburgunder gilt als eine der Königinnen des Rotweinanbaus, aber auch als launische Diva. "Spätburgunder kann nicht jeder", bringt es Paul Gieler auf den Punkt.

Zudem gibt es an der Ahr einen der niedrigsten Hektarerträge in Deutschland: Pro Hektar Rebfläche gibt es durchschnittlich nur 7500 Liter Wein. Die Mengenreduzierung hat ein besseres Blatt-Frucht-Verhältnis zur Folge: Die Traube kann besser ausreifen, mehr Mineral- und Aromastoffe einlagern und somit einen ganz eigenen Charakter entwickeln. Eine weitere Besonderheit ist die Ankopplung an den Tourismus: Die günstige Lage und landschaftliche Schönheit des Ahrtals locken viele Besucher – und die mögen den Ahrwein. Dadurch kommt auch die hohe Quote der Weindirektvermarktung zustande: Sie liegt bei stattlichen 60 bis 70 Prozent.

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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