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    Viele Stampfbetonwerke: Die Ahr und ihre Brücken (25)

    Wo Flüsse sind, da gibt es auch Brücken, die das Land dies- und jenseits des Wassers miteinander verbinden. Auch über die Ahr führen einige Dutzend Brücken, darunter recht besondere Bauwerke. Neben Fußgängerbrücken, ausrangierten oder noch befahrenen Eisenbahnbrücken und „normalen" Straßenbrücken gibt es sogar eine Autobahnbrücke, die das Ahrtal überspannt: die 1,5 Kilometer lange und bis zu 50 Meter hohe Ahrtalbrücke im Zuge der A 61, die 1975 als Balkenbrücke auf 21 mächtigen Pfeilern gebaut wurde.

    Ahrbrücke in Schuld“: Im Örtchen Schuld, durch das sich die Ahr in einer Schleife windet, gibt es gleich mehrere Brücken. Diese hier wurde in der Wilhelminischen Zeit nach dem Hochwasser von 1910 neu errichtet – nach außen hin klassisch, im Innern modern. Foto: Vollrath 
    Ahrbrücke in Schuld“: Im Örtchen Schuld, durch das sich die Ahr in einer Schleife windet, gibt es gleich mehrere Brücken. Diese hier wurde in der Wilhelminischen Zeit nach dem Hochwasser von 1910 neu errichtet – nach außen hin klassisch, im Innern modern.
    Foto: Vollrath 

    Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs 

    Doch nicht um dieses architektonische Mammut unter den Ahrbrücken soll es im Folgenden gehen. Ahrtal- und ortsbildprägend sind vor allem die kleinen Brücken, von denen es mitunter gleich mehrere in einem Dorf gibt. Etwa im Örtchen Schuld, durch das sich die Ahr in einer Schleife windet. Was auffällt: Viele der Ahrbrücken, besonders im Gebiet der heutigen Verbandsgemeinde Adenau, haben in etwa die gleiche Bauzeit - nämlich die Jahre 1910 bis 1912 - und ähneln einander in ihrem jeweiligen Erscheinungsbild. Als Gestaltungsgrundlage für diese Brücken dienten die Ahr-Bogenbrücken aus dem 18. Jahrhundert - ein architektonischer Rückgriff auf frühere Zeiten also. Verantwortlich für diese historistisch geprägte „Massenproduktion" der Ahrbrücken zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren zwei Umstände: einerseits das verheerende Hochwasser von 1910, das viele der alten Ahrbrücken zerstört hatte; andererseits die Kulturpolitik der Wilhelminischen Zeit. Alle der in dieser Zeit gebauten Brücken sind Massivbrücken (zumeist gewölbte Stampfbetonbrücken), bei denen eine Bruchsteinverkleidung als historischer „Anstrich" diente.

    „St.-Anna-Brücke in Mayschoß“: Ein Kuriosum unter den Ahrbrücken ist die St. Anna-Brücke in Laach bei Mayschoß: Sie ist eine der längsten Rundholzbrücken in Deutschland. Foto: Petra Ochs
    „St.-Anna-Brücke in Mayschoß“: Ein Kuriosum unter den Ahrbrücken ist die St. Anna-Brücke in Laach bei Mayschoß: Sie ist eine der längsten Rundholzbrücken in Deutschland.
    Foto: Petra Ochs

    In ihrem Kern modern, im Aussehen jedoch klassisch und althergebracht: Das entsprach voll und ganz der damals vom preußischen Gesetzgeber vorgegebenen Devise. „Es ist in hohem Maße erwünscht, beim bauenden Publikum die Erkenntnis zu wecken und zu befestigen, daß ein Straßen-, Stadt- und Landschaftsbild (...) ein kulturgeschichtliches Erbteil ist, dessen Wert erkannt und gewürdigt werden muß, daß es im künstlerischen Sinne ein Ganzes bildet, das durch aufdringliche, unschöne und fremdartige Neubauten ebenso sehr geschädigt wird, wie durch Beseitigung wesentlicher Teile des Vorhandenen", hatten die Ministerien des Inneren und der öffentlichen Arbeiten bereits einige Jahre zuvor in einem Erlass niedergeschrieben. Die neuen Ahrbrücken wurden als Gewölbebrücken - je nach Gelände und Flussbettbeschaffenheit - ein- bis dreibogig angelegt. Sie weisen im Unterschied zu ihren Vorgängerbauten größere Fahrbahnbreiten auf, sind technisch jedoch recht simpel konstruiert.

    Ahrbrücke in Schuld“: Im Örtchen Schuld, durch das sich die Ahr in einer Schleife windet, gibt es gleich mehrere Brücken. Diese hier wurde in der Wilhelminischen Zeit nach dem Hochwasser von 1910 neu errichtet – nach außen hin klassisch, im Innern modern. Foto: Petra Ochs
    Ahrbrücke in Schuld“: Im Örtchen Schuld, durch das sich die Ahr in einer Schleife windet, gibt es gleich mehrere Brücken. Diese hier wurde in der Wilhelminischen Zeit nach dem Hochwasser von 1910 neu errichtet – nach außen hin klassisch, im Innern modern.
    Foto: Petra Ochs

    Für die Entwürfe und die Bauausführung zeichnete die Firma Hüser & Cie. aus Oberkassel verantwortlich, während die architektonische Ausgestaltung der Brückenbauwerke auf Anregungen des damaligen „Kreisbaumeisters" aus Adenau zurückging. Noch aus alter Zeit, nämlich aus dem Jahr 1723, stammt die Nepomuk-Brücke in Rech, das Wahrzeichen des Weinbaudorfes und die einzige Verbindung zwischen Ortskern und Ahrrotweinstraße (B 266). Die hübsche vierbogige Steinbrücke steht unter Denkmalschutz und wird von der Statue des heiligen Johannes Nepomuk bewacht, die zentral auf der Brückenbrüstung thront. „Vor böser Zunge und Wassergefahr/St. Nepomuk uns immer bewahr", lautet die Inschrift im Sockel der Statue, die jedoch nicht mehr die Originalstatue des Brückenheiligen ist - diese wurde einst beim Sturz in die Ahr zerstört und später erneuert. Zusammen mit der Bruchsteinbrücke bei Dernau („Bröckemölle Brücke") abseits der B 266, die wohl schon 1717 erbaut wurde, gehört die Nepomuk-Brücke in Rech zu den ältesten Brücken über die Ahr. Als einzige von ihnen hat sie 1910 das verheerende Hochwasser überstanden - im Gegensatz zur Dernauer Brücke, die auch schon beim Hochwasser von 1804 massiv beschädigt worden war und wieder aufgebaut werden musste. Darauf verweist eine Steinplatte, die vor einigen Jahren per Zufall in der Ahr entdeckt wurde.

    „Alte Eisenbahnbrücke in Ahrbrück“: Die alte Eisenbahnbrücke wird bald Geschichte sein: Sie soll abgerissen werden und einer neuen Brücke Platz machen. Foto: Petra Ochs
    „Alte Eisenbahnbrücke in Ahrbrück“: Die alte Eisenbahnbrücke wird bald Geschichte sein: Sie soll abgerissen werden und einer neuen Brücke Platz machen.
    Foto: Petra Ochs

    Die lateinische Inschrift lässt sich sinngemäß so übersetzen: „Mit Mut und vereinter Kraft, dem Wohlwollen des Kaisers, dem Willen des Präfekten, unserem Geld ist die Brücke im Jahre 180x gebaut worden". Die Steintafel wurde zwischenzeitlich wieder auf der Innenseite der Brückenbrüstung eingesetzt; die vierte Ziffer der Jahreszahl ist nicht mehr zu erkennen. Auch die Recher Nepomuk-Brücke wurde im Verlauf ihrer Geschichte in Teilen erneuert. Bei der jüngsten Brückensanierung 2008 wurden die Pfeiler der Brücke sogar mit je zwei Fledermausnischen versehen. Ein Kuriosum ist die St.-Anna-Brücke in Laach bei Mayschoß, ihres Zeichens eine der längsten Rundholzbrücken in Deutschland: Die heimischen Douglasienstämme, die Ende 2004 als Träger für die 29 Meter lange Brücke über der Ahr montiert wurden, haben einen Durchmesser von durchschnittlich gut 80 Zentimetern. Die Jüngste unter den Ahrbrücken aber ist die gerade erst zwischen dem Mayschosser Ortsteil Laach und Reimerzhoven, einem Ortsteil von Altenahr, errichtete Brücke für den Lückenschluss des Ahrtalradweges (die RZ berichtete). 47 Meter lang ist die Schrägseilbrücke, die getrost auf einen Zwischenpfeiler verzichten kann: Das Gewicht der stählernen Brücke wird von Stahlseilen getragen, die über einen sieben Tonnen schweren, A-förmigen Pylon laufen - ein Exempel für moderne Baukultur, die bewusst auf Kontraste zur Landschaft setzt. 

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