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    Vettelhoven

    Trend: Immer mehr junge Frauen lieben die Jagd

    Sie ist jung, gelernte Bürokauffrau und brennt für die Jagd: Julia de Weerth ist Jungjägerin, im vergangenen Jahr hat sie ihre Jagdprüfung bestanden. Wie sie machen immer mehr junge Frauen einen eigenen Jagdschein. Die 24-Jährige hat eine Theorie, woher dieser Trend kommt.

    Jungjägerin Julia de Weerth (r.) auf einem Rundgang durchs Revier mit Ariana Beigi, Pressesprecherin der Kreisjägerschaft. Frauen in Jagdkleidung werden in Zukunft wohl häufiger in den Wäldern des Kreises Ahrweiler anzutreffen sein.
    Jungjägerin Julia de Weerth (r.) auf einem Rundgang durchs Revier mit Ariana Beigi, Pressesprecherin der Kreisjägerschaft. Frauen in Jagdkleidung werden in Zukunft wohl häufiger in den Wäldern des Kreises Ahrweiler anzutreffen sein.
    Foto: vollrath

    Von unserer Reporterin Celina de Cuveland

    Wenn Julia de Weerth in der Abenddämmerung über die weitläufigen Wiesen schaut, fühlt sie sich wohl. Stunden, manchmal Tage lang sitzt die 24-Jährige auf einem der Hochsitze des Reviers, in dem sie jagen darf, und beobachtet still die Wildtiere. Bis plötzlich das passende Stück Wild aus dem Gebüsch tritt. Julia zielt, ein Schuss bricht.

    So wie die gelernte Bürokauffrau aus Vettelhoven machen immer mehr junge Menschen einen eigenen Jagdschein. Darunter ist auch ein auffallend großer Anteil junger Frauen. Dieser Trend macht sich bei der Kreisjägerschaft (KJS) Ahrweiler deutlich bemerkbar. "Inzwischen sind ungefähr die Hälfte der Teilnehmer in jedem Jagdscheinkurs jünger als 40 Jahre", sagt Ariane Beigi, Pressesprecherin der KJS. "Außerdem gibt es immer ein bis zwei Jugendliche pro Kurs, die zwischen 16 und 18 Jahre alt sind und einen Jugendjagdschein machen." Woher diese Verjüngung der Jäger kommt, kann sich Julia de Weerth nicht recht erklären. Sie glaubt, dass die jungen Menschen heutzutage die Nähe zur Natur suchen und sich vermehrt für die Herkunft von den Lebensmitteln interessieren, die sie essen. "Wildfleisch ist ein super Bio-Produkt", sagt sie. "Der Trend geht hin zur gesunden Ernährung. Da spielt die Herkunft der Lebensmittel eine große Rolle."

    Julia de Weerth ist mit der Jagd aufgewachsen und ging mit ihrem Opa regelmäßig auf Ansitzjagd. Ihrer Familie gehört eine sogenannte Eigenjagd, die aus mindestens 75 Hektar zusammenhängender Flächen bestehen muss, die land- oder forstwirtschaftlich bewirtschaftet werden. Nachdem ihr Opa den Jagdschein aufgrund seines hohen Alters abgegeben hatte, entschloss sich Julia dazu, ihren eigenen Schein zu machen.

    Im August 2014 begann sie bei der Kreisjägerschaft mit der umfangreichen Ausbildung zur Jägerin, die auch "grünes Abitur" genannt wird. In einem neunmonatigen Mentorenprogramm bei der KJS Ahrweiler lernte sie alles rund um die Themen Jagdrecht, Tier- und Naturschutz, Landschaftspflege, Waffenkunde, Jagdbetrieb, Land- und Waldbau sowie Wildtierkunde. Trotzdem war Julia nervös, als die Abnahme nahte.

    Im Mai vergangenen Jahres hielt sie dann endlich ihren eigenen Jagdschein in der Hand. Inzwischen kümmert sie sich um ein Revier nahe Niederzissen, wo sie vom Jagdpächter einen Begehungsschein erhalten hat. Dort können Rehwild, Schwarzwild und Raubwild bejagt werden. Julia selbst isst gerne Wildfleisch, auch das kennt sie aus ihrer Kindheit. Aber wenn sie an ihre Leidenschaft zur Jägerei denkt, geht es ihr nicht um das Erlegen des Wildes. "Jäger tragen aktiv zum Natur- und Artenschutz bei", sagt sie. "Und erlegen nicht wahllos ein Tier."

    Bevor Julia überhaupt auf die Jagd gehen darf, muss sie mit dem Pächter absprechen, welches Wildtier sie wo bejagen darf. Dabei spielen das Alter und Geschlecht des Wildes, die Ausprägung der Gehörne und die generelle körperliche Verfassung eine große Rolle. Ist diese Absprache getroffen, muss die Jägerin noch warten, bis ihr tatsächlich das vereinbarte Stück Wild vor die Büchse läuft. Und das kann lange dauern. "Es kann sein, dass ich sieben Tage die Woche ins Revier fahre, ohne etwas zu erlegen", sagt Julia de Weerth. "Wir pflanzen aber auch Hecken oder kaufen Flächen an und sichern so die Biotope des Wildes." An ihre erste Jagd kann sich die 24-Jährige noch gut erinnern. Als sie den schwachen Bock nach Wochen des Wartens erlegt hatte, ging sie erst einmal in sich.

    Julia de Weerth ist sich ihrer Rolle als Jägerin sehr bewusst. Sie weiß, dass sie viel Schaden anrichten kann, wenn sie auf das falsche Wildtier zielt oder es nicht richtig trifft. "Das Schönste ist für mich, wenn ich in der Natur unterwegs bin und etwas dafür tun kann, dass all das, was ich liebe, erhalten bleibt", sagt sie.

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