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    Tattoo statt Kuh: Weibern im Wandel

    Unter dem Titel "Geschäfte, Handwerker und Unternehmer des Dorfes Weibern" haben Christiane Hoss und Gisela Klapperich, tatkräftig unterstützt von Bernhard Klapperich, eine Bestandsaufnahme vorgelegt, die sehr anschaulich verdeutlicht, wie sich die Präsenz an Gewerbetreibenden seit den Nachkriegsjahren verändert hat

    Maßgeblich an der Entstehung des neuen Buches beteiligt waren (von links) Gisela Klapperich, Bernhard Klapperich und Christiane Hoss.
    Maßgeblich an der Entstehung des neuen Buches beteiligt waren (von links) Gisela Klapperich, Bernhard Klapperich und Christiane Hoss.
    Foto: Hans-Josef Schneider

    Von unserem Mitarbeiter Hans-Josef Schneider

     Anfang der 1970er-Jahre wurde in Weibern eine neue Pension eröffnet. Das Haus André in der Hommersbergstraße 34 hatte 13 Betten und bot zunächst nur Übernachtung mit Frühstück, später auch Halb- und Vollpension. Margret André betrieb die Pension allein, nach dem Tode ihres Mannes Stefan schloss das Haus 1994 für immer seine Türen. Zu den ersten und wohl auch bekanntesten Gästen zählten US-amerikanische Sportler, die 1972 auf der Rückreise von den olympischen Sommerspielen in München in Weibern Station machten. So jedenfalls ist es nachzulesen in ihrem fünften Buch, das die Heimatfreunde Weibern herausgaben und einem größeren Kreis in der Eifelstube vorstellten.

    Unter dem Titel "Geschäfte, Handwerker und Unternehmer des Dorfes Weibern" haben Christiane Hoss, die sich schon mehr als 20 Jahre lang als Heimat- und Ahnenforscherin betätigt, und Gisela Klapperich, ehemalige Leiterin der Grundschule Weibern, tatkräftig unterstützt von Bernhard Klapperich und weiteren ortsansässigen Mitautoren eine Bestandsaufnahme vorgelegt, die sehr anschaulich verdeutlicht, wie sich die Präsenz an Gewerbetreibenden seit den Nachkriegsjahren verändert hat. In der Zeit von 1948 bis 1960 erlebte die Tuffsteinindustrie von Weibern eine zweite Blütezeit. Die hohe Zahl an Beschäftigten wirkte sich positiv auf den Lebensstandard im Tuffsteinort aus. Der kleinbürgerliche Wohlstand war wohl der Grund dafür, dass es in Weibern in den 1950er-Jahren bei etwa 1500 Einwohnern rund 65 kleine Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe aller Art gab.

    Heute gibt es die kleinen Geschäfte und Handwerksbetriebe nicht mehr, die Namen geraten mehr und mehr in Vergessenheit. Um aber die Erinnerung daran wach zu halten, aber auch um die Weiberner Geschichtsschreibung um ein weiteres Kapitel zu bereichern, wurde dieses Buch erstellt. Es ist bereits das fünfte Druckwerk, das von den Heimatfreunden herausgegeben wurde. Im Erstwerk (2013), "Gemeinde-Karte von Weibern: Die Namen der Fluren und Flurstücke der Gemarkung Weibern", wird der Leser mit der Lage der einzelnen Fluren und Flurstücke sowie der Bedeutung ihrer Namen vertraut gemacht, die zweite Neuerscheinung (2014) widmet sich der Herkunft und der Bedeutung der Weiberner Dorfnamen. Das dritte Buch trägt den Titel "Weiwene Verzellschje", der Autor ist Rudolf Reinhardt. Christiane Hoss und Änni Rausch beschäftigen sich in der vierten Ausgabe mit dem Weiberner Dialekt.

    Ausgangspunkt für die Herausgabe des neusten Druckwerks war eine winzige Festschrift zum 70-jährigen Bestehen des örtlichen Männergesangvereins. 50 Betriebe hatten 1949 mit ihren Werbeanzeigen zur Finanzierung der Festschrift beigetragen. Von 17 Unternehmen fehlte die Werbung. "Dieser daumengroße Wälzer, den uns Heinz-Peter Degen mitbrachte, war der Auslöser für dieses Buch", sagte Bernhard Klapperich bei der Vorstellung, ehe er exemplarisch an der Hommersbergstraße verdeutlichte, wie sich das Bild in fast sechs Jahrzehnten verändert hat, welche Betriebe völlig von der Bildfläche verschwunden sind und wo neue entstanden. Interessant auch, wie sich die Schwerpunkte verlagert haben und den neuzeitlichen Lebensverhältnissen angepasst wurden.

    1957 gab es in Weibern noch sieben Bäckereien und sieben Gemischtwarenhandlungen sowie drei Metzgereien. Heute trifft man stattdessen auf Kosmetik- und Fitnessstudios, Fahrschule und Versicherungs- oder Vermögensberatung. Handwerker wie Schmied, Schneider oder Schuster gehören weitgehend der Vergangenheit an. Über Anzeigen wie "Viehhandlung Gerhard Müller, habe dauernd tragende und Milchkühe zu verkaufen" oder "Jede Dame findet bei Klara Meyer den passenden Hut bei reicher Auswahl" kann man heutzutage nur noch lächeln. An ihre Stelle sind getreten "Perfect Harmony", "Phönix Tattoo" oder "Anti-Aging-Studio Claré". Die Nachfrage nach traditionellem, dörflichem Handwerk und der Bedarf an geringfügigen Dienstleistungen sind nicht mehr gegeben. In unserer Wohlstandsgesellschaft haben sich die Schwerpunkte verlagert hin zur Konzentration und Komprimierung von Angeboten (Discounter), aber auch zur Neuausrichtung von Dienstleistungen (Rundumservice fürs Haus). Und endgültig vorbei sind die Zeiten, als es in Weibern noch zwei Tankstellen oder mehr als ein halbes Dutzend Gasthäuser gab.

    Es ist ein Verdienst der Heimatfreunde und seiner Autoren, dass der Blick auf frühere, auf andere Zeiten gewahrt bleibt. Noch stehen ihnen Zeitzeugen zur Verfügung, die authentisch berichten können. Deren Zahl wird jedoch weniger. Also höchste Zeit, noch mehr aus deren Lebensumfeld in Wort und Bild festzuhalten. Hans-Peter Scharmann warf als Sprecher der Heimatfreunde einen Blick voraus: "Vier Autoren befassen sich mit unserem Dialekt, sie arbeiten an entsprechenden Geschichten, die auf Weiwene Platt wiedergegeben werden - nicht nur schriftlich, sondern auch auf einer Audio-CD. Zudem wurde die Schulchronik digitalisiert und wird demnächst auch veröffentlicht."

    Das neue Buch hat 126 Seiten und ist bebildert, im Din-A4-Format und in der gewählten Schriftgröße sehr seniorenfreundlich gestaltet. Es kann für 14,50 Euro bei den Heimatfreunden erworben werden. Kontaktadresse: Hans-Peter Scharmann, Hommersbergstraße 56, 56745 Weibern, Telefon: 02655/2124, E-Mail: hp.scharmann@me.com

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