40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Ahrweiler
  • » Tal beflügelt die Fantasie: Maler und Lyriker begeistert (22)
  • Aus unserem Archiv
    Kreis Ahrweiler

    Tal beflügelt die Fantasie: Maler und Lyriker begeistert (22)

    „Maler werden uns genug begegnen, denn hier, nicht in Düsseldorf, ist die hohe Schule, wo sich ihre Skizzenbücher mit Studien füllen." Diese Erkenntnis über das in Künstlerkreisen äußerst beliebte Ahrtal schrieb Karl Simrock, seines Zeichens Übersetzer des Nibelungenliedes, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nieder. Von der Rheinromantik angesteckt, suchten damals viele Maler und Zeichner, aber auch Dichter und Denker die Nähe zu dem Flüsschen, das ähnlich wie der Rhein ihre Fantasie beflügelte.

    Dem Weinort Ahrweiler widmete Jean Nicolas Ponsart diese dekorative Abbildung.
    Dem Weinort Ahrweiler widmete Jean Nicolas Ponsart diese dekorative Abbildung.

    Von unserer Mitarbeiterin 
Petra Ochs

    Einer der ersten Künstler, die die Landschaft an der Ahr mit Pinsel, Stift und Zeichenfeder festhielten, war der Belgier Jean Nicolas Ponsart. Zu Beginn der 1830er-Jahre verfolgte er die Ahr von ihrer Quelle in Blankenheim bis zur Mündung in den Rhein. Die dabei entstandenen 28 Lithografien veröffentlichte er in der Mappe „Souvenirs de l'Eyfel et des Bords de l'Ahr dans la Prusse Rhénane". Aber auch deutsche Maler entdeckten bald darauf die romantische Ahrlandschaft für sich, darunter Vertreter der Düsseldorfer und Karlsruher Schule, unter ihnen Johann Wilhelm Schirmer und Carl Friedrich Lessing, Caspar Scheuren und Carl Schlickum, Theodor Verhas und Carl Ludwig Frommel. Durch den Kontakt mit den Düsseldorfer Malern kam auch der Düsseldorfer Theaterleiter Karl Leberecht Immermann an die Ahr. 1833 veröffentlichte er seine hier gefassten Eindrücke in der Schrift „Ahr und Lahn".

    Altenahr war bei den Künstlerreisenden besonders beliebt. Jean Nicolas Ponsart bannte auf seine Lithografie (r. Bildrand) auch den neu gebauten Tunnel durch die Ahrfelsen. 
    Altenahr war bei den Künstlerreisenden besonders beliebt. Jean Nicolas Ponsart bannte auf seine Lithografie (r. Bildrand) auch den neu gebauten Tunnel durch die Ahrfelsen. 

    Bildgewaltig schildert er dort den steilen Aufstieg zur „Ruine Altenahr", und in guter Erinnerung war ihm auch das Markenzeichen des Ahrtals geblieben: „Wein bauen sie, wo Fels und Kies nur einen Quadratmeter hergeben will. Wir haben Wein getrunken, welcher dem stärksten Burgunder an Feuer und Schwere nichts nachgab." Für Simrock drängen sich alle 
Reize im engen Tal zusammen Von seinen Wanderungen an der Ahr besonders inspiriert wurde der bereits genannte Karl Simrock. Für seine 1837 erschienene Sammlung der Rheinsagen griff er beherzt auf den Sagenschatz des Ahrtals zurück, und dem „Ahrgau" widmete er in seiner umfassenden Abhandlung „Das malerische und romantische Rheintal" ein eigenes kleines Kapitel. Hier lobte er die Ahr als ein „Flüßchen, in dessen mittlerm Thal von Ahrweiler bis Altenahr sich alle Reize zusammendrängen, die man in andern Nebenthälern des Rheins, mit Ausnahme des einzigen Nahthals, zerstreut suchen muß." Tiefe Eindrücke hinterließ die Ahr auch beim Lyriker Franz Emanuel Geibel.

    Während seines Studiums in Bonn unternahm der Lübecker im Juli 1835 einen Wanderausflug ins Ahrtal. Seiner Mutter schrieb er begeistert: „(...) überall kommen Dörfer zum Vorschein, an den steinigen steilen Felswänden zieht sich in üppiger Fülle der blühende Wein, und der Weg führt durch wogende Kornfelder. Die klare grüne Ahr windet sich in tausend Krümmungen durch die Bergschluchten, bis endlich von steiler Felsenkrone die zerfallene Ahrburg mit ihren Bögen und Türmen ins Tal herabwinkt." Ziel seiner Wanderung war die Altenahrer Burgruine.

    Das Örtchen Blankenheim, wie es der belgische Zeichner und Lithograf Jean Nicolas Ponsart in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sah.
    Das Örtchen Blankenheim, wie es der belgische Zeichner und Lithograf Jean Nicolas Ponsart in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sah.

    „Man blickt nämlich von dort in fünf verschiedene kesselartige Felsentäler hinab, durch die in den wunderbarsten Verschlingungen die wilde Ahr sich drängt", erinnert sich Geibel. Freiligrath widmet seiner Geliebten das „Rosenlied von der Ahr" Der Dichter Ferdinand Freiligrath, der sich 1839 im Alter von 29 Jahren in Unkel niederließ, widmete im Jahr darauf seiner Geliebten Ida Melos das „Rosenlied von der Ahr", von dem jedoch nur noch diese Zeilen überliefert sind: „Die Linde trieb Knospen und Ranken der Wein;/ wir schritten durch Busch und durch Schutt und Gestein,/ ich pflückt' eine Rose, die schönste der Ahr,/ du stecktest sie lächelnd ins bräunliche Haar." Und auch der Schriftsteller und Historiker Ernst Moritz Arndt, seinerzeit Rektor der Universität Bonn, war gerne im Ahrtal unterwegs - wenn auch erst in reiferen Jahren: 1844 veröffentlichte er im Alter von 75 Jahren die Schrift „Wanderungen aus und um Godesberg".

    Hoch oben auf der Landskron stehend, die Spuren der alten Herrschaftlichkeit betrachtend, sinniert er darin über den Lauf der Geschichte: „Wo sind alle die Geschlechter geblieben, welche dort oben gethront und in das fröhliche Licht des Tages und Lebens geschaut haben! Kaum winkt hin und wieder ein alter, bemooster und mit Gesträuch und Dornen bewachsener Turm, ein zerbröckeltes, mit Efeu umranktes Gemäuer, ein Zeichen ihres verschollenen Gedächtnisses, und Sagen und Märchen klingen durch ihre Namen hin." Seit seiner Jugend schon war das Ahrtal dem rheinischen Dichter und Arzt Wolfgang Müller vertraut: Seine Familie, die eigentlich in Königswinter wohnte, besaß ein Haus mit Weingut in Bodendorf. Später huldigte Müller der Ahr in seinem Versepos „Die Rheinfahrt": „Ihr Plaudern schallt uns lieblich in die Ohren, dann brauset sie und raset in den Schlund und bricht durch des Gebirges schroffe Dämme, und seltsam fügen rings sich in der Rund wirr, hochgetürmt, die schroffen Schieferkämme."

    Auch in Literatur: Auswanderern ein Denkmal gesetzt
    Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Donnerstag

    10°C - 15°C
    Freitag

    7°C - 13°C
    Samstag

    3°C - 8°C
    Sonntag

    3°C - 5°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach