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Kreisstadt

Spuren der Geschichte: Cäsar brachte die Römer an die Ahr (42)

Alle Wege führen nach Rom – auch im Ahrtal. Denn hier haben die alten Römer eine Menge Spuren hinterlassen. Gutshöfe, Töpfereien, Metallschmelzen, Militäranlagen und Tempel hat es hier zu altrömischer Zeit gegeben, und Bruchstücke davon sind bis heute erhalten geblieben.

Fotorunde durch die Roemervilla am Silberberg (im Uhrzeigersinn): Über Holzstege werden die Besucher durch die Ausstellung geleitet.
Fotorunde durch die Roemervilla am Silberberg (im Uhrzeigersinn): Über Holzstege werden die Besucher durch die Ausstellung geleitet.
Foto: Petra Ochs

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Das Zeugnis, das wohl am meisten beeindruckt, ist die Roemervilla am Silberberg, die in den 1980er-Jahren bei Straßenbauarbeiten freigelegt wurde. Seit 1993 ist die Ausgrabungsstätte ein Museum, das bis jetzt mehr als 650 000 Besucher angelockt hat.

Kühl ist es in der Roemervilla. Eine Heizung gibt es nicht, dafür eine zusätzliche Lüftung. Aus konservatorischen Gründen: Die verbliebenen Wandmalereien sind empfindlich, Tauwasser darf sich auf keinen Fall absetzen. Eine beeindruckende Dachkonstruktion aus heimischem Douglasienholz behütet die Ruinen des 2000 Jahre alten Herrenhauses mitsamt den Kleinfunden der Ausgrabung. Hüter dieses Schatzes sind Dr. Hubertus Ritzdorf, Leiter des Museums Roemervilla, und seine Kollegin Karin Hewel.

Beide wissen: Angeführt von Cäsar, der im ersten Jahrhundert vor Christus erfolgreich Krieg gegen die Germanen führte, brachten die Römer eine eindrucksvolle Kultur mit in die Region. Sie waren aber längst nicht die ersten Menschen, die im Ahrtal siedelten. "Die Römer waren hier nicht im menschenleeren Raum", erklärt Ritzdorf. Vor ihnen waren die Kelten im Ahrtal, genauer gesagt der keltische Stamm der Eburonen. Aber über die wisse man nicht so viel – mehr als ein paar Scherben sind von ihnen (zumindest im Ahrtal) nicht geblieben. Ganz anders sieht es da mit den Römern aus.

Doch Ritzdorf gibt auch dies zu bedenken: Die Römer im Ahrtal waren per se nicht alle Römer. Will heißen: Sie stammten längst nicht alle aus Rom, sondern waren Einheimische, die erst zu Römern wurden, als sie die römische Kultur für sich annahmen. "Römisch sein" als Exportschlager – das war die Linie der Römer. "Ihnen ging es ums Romanisieren", erklärt Karin Hewel. Und das auch in genetischer Hinsicht: Sie kamen, sahen und "mischten" sich im besten Wortsinne ein, indem sie mit der einheimischen Bevölkerung Familien gründeten. Eine Integration der besonderen Art beispielsweise für ehemalige Soldaten, die nach ihrer Abfindung blieben, wo sie waren: im schönen Ahrtal. Hier fühlten sie sich anscheinend recht gut aufgehoben. "Ein enges Tal im Hinterland des Grenzgebiets war relativ sicher", erklärt Karin Hewel.

Es war ein Geben und Nehmen: Die Römer bescherten den Menschen in den eroberten Gebieten technische Errungenschaften wie den Straßenbau und die Wasserleitung, übernahmen aber auch das Beste von dem, was sie hier vorfanden – eine gemeinsame Kultur wurde geschaffen. Mit den Römern zog der Wohlstand ein. Und wer zu Wohlstand gelangte, baute sein Haus nicht mehr aus Holz, sondern aus Stein. Mit den römischen Legionen hielten Handwerker wie Steinmetze und Töpfer Einzug, die sich im Ahrtal niederließen. Eine wirtschaftliche Blüte mit regen Handelsbeziehungen zu den übrigen Teilen des Reiches setzte ein. Zudem musste auch das römische Militär, das im nahe gelegenen Grenzgebiet zu den germanischen Stämmen stationiert war, versorgt werden – ein guter Markt für die römischen Gutshöfe im Ahrtal.

Und von denen gab es einige: Wie an einer Perlenkette aufgereiht, finden sich ihre Reste etwa alle anderthalb Kilometer an der Ahr entlang. In vielen Orten zwischen Ahrweiler bis hinauf nach Schuld sind römische Siedlungsstellen nachgewiesen, darunter auch Gewerbesiedlungen wie die römische Eisenschmelze "An den Maaren" im Ahrweiler Wald sowie Ziegeleien und Töpfereien bei Sinzig.

Einem Bergrutsch ist es zu verdanken, dass die Roemervilla am Silberberg so gut erhalten ist und nicht wie die anderen Villen von nachfolgenden Generationen als "Steinbruch" genutzt wurde. Dass da etwas sehr Altes unter dem vier Meter hohen Hangschutt verborgen liegt, war vielen Ahrweilern bekannt, als 1980 die Arbeiten zum Ausbau der B 267 begannen. Doch was in den folgenden zehn Jahren von den Landesarchäologen freigelegt wurde, war eine Sensation: das Herrenhaus eines römischen Gutshofs aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert nach Christus.

Wer genau die Roemervilla gebaut hat, bleibt ein Rätsel. Doch wer immer es war, der hier einst residierte, war Teil des gehobenen Mittelstands und bewirtschaftete Land. Vielleicht ja Weinberge, vielleicht aber auch nicht. Denn noch immer fehlt der eindeutige Beweis, ob zu römischer Zeit bereits Wein im Ahrtal angebaut wurde. Dr. Hubertus Ritzdorf hält es für wahrscheinlich, dass es so war. Ansonsten setzt er aber auf Handfestes: die Roemervilla selbst. "Hier im Haus ist fast alles original", sagt der Museumsleiter nicht ohne Stolz. Die Mauerreste geben Aufschluss über den Grundriss und die technischen Finessen des Baus, und ein großes Modell zeigt, wie das Anwesen einmal ausgesehen hat: Die zweigeschossige Villa mit großem Säulengang und ausgeklügelter Fußbodenheizung umfasste 1000 Quadratmeter, davon 200 Quadratmeter allein für das Badehaus. Alle Wände waren verputzt und bunt bemalt. "Da ging es auch ums Zeigen: Was hab ich. Das war Luxus", so Ritzdorf.

Da, wo sich früher das Badehaus der Villa anschloss, steht heute eine Mauer. Die Hälfte des Badehauses liegt dahinter – und zwar unter der Bundesstraße. Mosaike wurden in der Römervilla am Silberberg (anders als in den Resten des römischen Gutshofs in Schuld) nicht gefunden. Auch bei den Kleinfunden sieht es spärlich aus.

Früher gab es von der Villa aus einen freien Blick zur Ahr hinunter. Der ist heute zwar verwehrt, doch Karin Hewel stört das wenig. "Wenn die Sonne so schön steht wie heute, erübrigt sich eigentlich die Frage, warum die Römer hier gesiedelt haben", meint sie.

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