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Gelsdorf

So schmeckt Heimat: RZ nimmt regionale Erzeuger unter die Lupe – Teil 9 Hof Münch

Celina de Cuveland

Der Chicorée ist eigentlich arm dran. Denn er gehört zu den Gemüsesorten, die mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben. Zu bitter, zu ungewöhnlich, zu langweilig. Dabei ist Chicorée alles andere als das. Zumindest, wenn er von Landwirt Theo Münch aus der Grafschaft kommt.

Landwirt Theo Münch mit einer Kiste voll erntereifem Chicorée.
Landwirt Theo Münch mit einer Kiste voll erntereifem Chicorée.
Foto: Celina de Cuveland

„Unser Chicorée ist zum Beispiel viel weniger bitter als der Chicorée aus Frankreich“, erklärt Münch. „Das liegt an dem Wasser aus der Warnbachtalsperre, mit dem wir die Wurzeln bewässern. Das enthält wenig Kalk und macht den Chicorée nicht so bitter.“ Aber wie wird der zur Art der Gemeinen Wegwarte zählende Salat eigentlich angebaut? Wie sieht die Chicoréepflanze aus? Und was kann man aus Chicorée alles machen?

Wenn jemand aus dem Kreis Ahrweiler diese Fragen beantworten kann, dann Theo Münch. Der Landwirt baut Winterweizen, Zuckerrüben, Rhabarber und Erdbeeren an. Vor allem aber produziert er auf 75 Hektar Land in der Grafschaft Chicorée als Sonderkultur. Keine einfache Aufgabe, ist der Anbau von Chicorée doch tatsächlich sehr aufwendig und speziell. „Wenn Chicorée auf dem Feld steht, sieht er tatsächlich aus wie Löwenzahn“, erklärt Münch. „Nur dass die Pflanze unterirdisch eine riesige rübenartige Wurzel bildet, die immer tiefer in die Erde wächst und immer dicker wird.“ Gesät wird Chicorée übrigens im Mai, anschließend wächst die Pflanze auf dem Feld bis die Wurzel vier bis sechs Zentimeter dick ist. Dann wird sie aus der Erde gezogen, die Wurzel wird von der Pflanze abgetrennt und für mindestens 14 Tage kühl gelagert. Münch fährt seine Wurzeln dafür in holländische Kühlhäuser.

„So simulieren wir einen Winter“, erklärt Münch. „Die Wurzel treibt erst wieder aus, wenn es wärmer wird.“ So gewährleistet Münch, dass er das ganze Jahr über frischen Chicorée anbieten kann. Der Spross bildet sich, sobald die Wurzel Wasser bekommt und es wärmer wird. Deshalb setzt Münch die Wurzeln zu 350 bis 450 Stück in große Treibkisten, in denen sie im Wasser stehen. Dann geht es ab in die großen Treibräume. Dort ist es angenehm kühl und vor allem eines: dunkel. Denn der Chicorée darf im Wachstum kein Licht abbekommen. Sonst werden die hellen Blätter des Sprosses grün. Und das ist im Handel nicht gewünscht. Außerdem kann es dann passieren, dass sich kein richtiger dicker Spross bildet, wie wir ihn aus dem Supermarkt kennen, sondern ein einziger langer Blütenstängel. Bekommt der Chicorée Licht, will er blühen. Deshalb treiben die Wurzeln in ewiger Dunkelheit aus.

Mit dieser Maschine trennt ein Arbeiter die Wurzel von der zartbitter schmeckenden Knospe. Die Wurzeln werden als Tierfutter genutzt.
Mit dieser Maschine trennt ein Arbeiter die Wurzel von der zartbitter schmeckenden Knospe. Die Wurzeln werden als Tierfutter genutzt.
Foto: Celina de Cuveland

Nach ein paar Wochen sind die Sprosse dann erntereif. Wurzel und Spross werden voneinander getrennt, Arbeiterinnen packen den Chicorée in 500-Gramm-Packs. So landet er dann in den Supermärkten wie Penny, Aldi und Netto in der Umgebung. Aber Chicorée ist nicht gleich Chicorée. „Unser Chicorée ist nicht so bitter wie beispielsweise der aus Frankreich“, verrät Münch. „Das liegt an unserem guten Wasser von der Warnbachtalsperre. Das ist wenig kalkhaltig. Dann bildet er weniger Bitterstoffe.“ Flexine, Topscore, Sweet Lady, First Lady und Vintor sind nur einige der Sorten, die Landwirt Münch auf den Feldern rund um seinen Hof in Gelsdorf anbaut. Und die schmecken nicht nur seinen Kunden.

Auch bei den Münchs landet Chicorée regelmäßig auf dem Tisch. Gerne isst ihn die Familie als Salat. Aber, was viele Bürger gar nicht wissen, man kann ihn auch warm essen. Zum Beispiel überbacken aus dem Ofen oder in der Pfanne gedünstet. Sogar der Hund der Münchs frisst die Chicoreeblätter gern.

Übrigens: Die Wurzeln, die, nachdem der Spross ausgebildet ist, abgeschnitten werden, dienen als Tierfutter. Vor allem Rinder freuen sich über die nährstoffreichen Leckerbissen. „Die Tiere wissen eben, was gut für sie ist“, kommentiert Landwirt Münch mit einem Lächeln.

Von unserer Reporterin Celina de Cuveland

Einfach und lecker aus der Bauernküche: Rezepte mit Chicorée

Schnelle Gerichte mit schmackhaftem Chicorée - Zutaten jeweils für vier Personen

Familie Münch baut nicht nur Chicorée an, regelmäßig kommt das Gemüse auch auf den Mittagstisch. Hier ein paar Beispiele, was man mit dem Gemüse zubereiten kann:

Überbackener Chicorée

Sie brauchen: 4 El Butter, 4 El Mehl, 600 ml Milch, 1 Bund Petersilie, Salz, Pfeffer, 4 Chicorée, 8 Scheiben gekochter Schinken, 100 g geriebener Gouda oder Emmentaler
So funktioniert's: Ofen auf 180 Grad (Umluft 160 Grad) vorheizen. Butter im Topf schmelzen, Mehl einrühren und bei mittlerer Hitze unter Rühren 3 Minuten anschwitzen. Milch zugießen, mit dem Schneebesen kräftig unterrühren und bei mittlerer Hitze etwas köcheln. Petersilie grob hacken, in die Sauce geben und fein pürieren. Mit Salz und Pfeffer würzen. Chicorée putzen, Strunk entfernen, längs halbieren und in kochendem Salzwasser circa 5 Minuten vorgaren. Abtropfen lassen. Auflaufform fetten. Chicoréehälften mit je einer Scheibe gekochtem Schinken umwickeln und in die Form legen. Die Soße über den Chicorée geben, mit geriebenem Käse bestreuen und im heißen Backofen 20 Minuten goldbraun überbacken.

Chicorée-Salat mit Walnusssoße

Sie brauchen: 500 g Chicorée (etwa 4 Stück), 1 Birne in Vierteln, 2 Äpfel in Vierteln, 250 ml Kefir, 1 El Zitronensaft, 1,5 El Honig, 75 g zerbröselte Walnüsse, Salz, Pfeffer
So funktioniert's: Aus dem Chicorée den Strunk keilförmig herausschneiden, einige Blätter zur Deko verwahren. Den übrigen Chicoree quer in Streifen schneiden, mit Birnen- und Apfelscheibchen vermischen. Aus Kefir, Zitronensaft, Honig und Walnusskernen ein Dressing herstellen, herzhaft mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit dem Salat vermengen.

Bandnudeln mit Lachs und Chicorée

Sie brauchen: 400 g Lachsfilet, 2 Chicorée (etwa 250 Gramm), 2 Bio-Orangen, 2 El Rapsöl, 2 TL Mehl, 300 ml Milch, 250 g Bandnudeln, 2 El saure Sahne, Salz und Pfeffer
So funktioniert's: In einem Topf reichlich Salzwasser für die Nudeln zum Kochen bringen. Das Lachsfilet mit einem scharfen Messer in etwa 2 x 2 cm große Würfel schneiden. Chicorée putzen, waschen und halbieren, den Strunk herausschneiden und die Hälften in dünne Scheiben schneiden. Orangen waschen, abtrocknen und Schale fein abreiben. Orangen halbieren und auspressen. Öl in einer tiefen Pfanne erhitzen und den Chicorée darin 1 bis 2 Minuten bei mittlerer Hitze andünsten. Mit Mehl bestäuben und Milch angießen. Salz, Pfeffer und Orangenschale unterrühren. Bei kleiner Hitze zugedeckt 5 Minuten garen. Bandnudeln bissfest kochen. Orangensaft, saure Sahne und Lachswürfel unter den Chicorée heben. Bei kleiner Hitze 3 bis 4 Minuten garziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Nudeln abgießen, abtropfen lassen und mit der Lachs-Chicorée-Sauce servieren.

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