40.000
Aus unserem Archiv
Meckenheim

So schmeckt Heimat: RZ nimmt regionale Erzeuger unter die Lupe – Teil 7 Obsthof Rönn

Celina de Cuveland

Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Rönn im Meckenheimer Stadtteil Ersdorf ist nun wirklich nicht das, was man einen normalen Bauernhof schimpfen könnte. Hier entstehen Ideen, hier sprudelt es nur so vor Energie und vor allem auch vor Ideologie. Denn Michael und Monika Rönn sind rührig. Wenn sie so erzählen, von all den Projekten, die sie bereits angestoßen haben oder noch anstoßen möchten, kann man nur staunen. Und hoffen, dass all das nicht vielleicht irgendwann zu viel wird.

Monika und Michael Rönn stellen ihren Betrieb gerade auf biologischen Obstbau um.
Monika und Michael Rönn stellen ihren Betrieb gerade auf biologischen Obstbau um.
Foto: Celina de Cuveland

Beginnen wir mit dem größten Projekt. Am 1. August 2016 hat die Familie beschlossen, den bisher konventionellen Betrieb auf Bio-Obstbau umzustellen. 36 Monate dauert so etwas, folglich stecken die Rönns noch in den letzten Zügen ihrer Umstellung. „Ab nächstem Jahr verkaufen wir dann Voll-Bioware“, erklärt Monika Rönn, nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. „Im Moment nehmen die meisten Supermärkte unsere Äpfel nicht ins Sortiment, weil wir noch nicht sicher sagen können, dass alle Rückstände von konventionellen Spritzmitteln aus den Äpfeln und Birnen verschwunden sind.“ Deshalb sind die Äpfel auch als eine Art Umstellungsware gekennzeichnet, die die Familie Rönn zum Beispiel in ihrem Hofladen-Automat verkaufen.

Der Obst-Automat auf dem Hof der Familie Rönn in der Meckenheimer Pater-Müller-Straße 1 kann an sieben Tagen wöchentlich von Kunden genutzt werden. Von 9 bis 20 Uhr steht das große Hoftor offen, hinter dem sich der Automat verbrigt. Dort gibt es Äpfel, Birnen, Johannisbeeren, Eier, Zwiebeln und Kartoffeln. Die Äpfel, Birnen und Johannisbeeren stammen vom Obsthof Rönn und sind Produkte, die sich in der Umstellung auf Bioware befinden. Die anderen Produkte stammen meist von Biohöfen aus der Umgebung oder vom Bio-Großhandel. Momentan kann man an dem Automaten nur mit Bargeld zahlen, die Rönns arbeiten aber an einer Methode zur Kartenzahlung. Der Automat wechselt. Die Preise stehen auf den Schließfächern, in denen sich die Ware hinter einer Glasscheibe befindet. Hat man bezahlt, öffnet sich das Schließfach und man kann die Produkte entnehmen.
Der Obst-Automat auf dem Hof der Familie Rönn in der Meckenheimer Pater-Müller-Straße 1 kann an sieben Tagen wöchentlich von Kunden genutzt werden. Von 9 bis 20 Uhr steht das große Hoftor offen, hinter dem sich der Automat verbrigt. Dort gibt es Äpfel, Birnen, Johannisbeeren, Eier, Zwiebeln und Kartoffeln. Die Äpfel, Birnen und Johannisbeeren stammen vom Obsthof Rönn und sind Produkte, die sich in der Umstellung auf Bioware befinden. Die anderen Produkte stammen meist von Biohöfen aus der Umgebung oder vom Bio-Großhandel. Momentan kann man an dem Automaten nur mit Bargeld zahlen, die Rönns arbeiten aber an einer Methode zur Kartenzahlung. Der Automat wechselt. Die Preise stehen auf den Schließfächern, in denen sich die Ware hinter einer Glasscheibe befindet. Hat man bezahlt, öffnet sich das Schließfach und man kann die Produkte entnehmen.
Foto: Celina de Cuveland

Ein Hofladen-Automat? Ja, und damit wären wir schon bei dem nächsten Projekt. Noch vor etwa sechs Jahren gab es auf dem Obsthof Rönn einen eigenen Hofladen. Doch der lag im Hof und damit etwa zehn Meter von der Hauptstraße entfernt. „Wir haben festgestellt, dass die Hemmschwelle für Kunden tatsächlich hoch ist, diese kleine Abzweigung von der Hauptstraße zu nehmen“, erklärt Monika Rönn. Deshalb haben sich die Rönns kurzerhand entschieden, in das große Hoftor einen Automaten zu stellen. Aus dem können sich die Kunden selbst Äpfel, Birnen, Eier, Zwiebeln, Johannisbeeren und Kartoffeln ziehen, wenn sie im Gegenzug den Automatren mit dem Betrag an Geld füttern, der auf den jeweiligen Produkten steht. Dann öffnet sich ein Schließfach und der Kunde kann die Ware entnehmen. „Das ist einfach, spart Zeit und Personal“, bringt es Monika Rönn auf den Punkt.

Eine weitere Möglichkeit, ihre Produkte an den Mann zu bringen, haben die Rönns in den sogenannten Marktschwärmereien entdeckt. Über diesen Online-Marktplatz können Kunden bei den Erzeugern direkt ihre Produkte online vorbestellen und bezahlen. Für die Schwärmereien gibt es dann feste Termine, an denen die Erzeuger zu einer Art Markt bei einem Gastgeber zusammenkommen. Der Vorteil gegenüber dem Wochenmarkt: Die Landwirte bringen nur so viele ihrer Produkte mit, wie sie vorab online schon verkauft haben. Die Kunden bekommen eine Nummer, bringen diese zur Schwärmerei mit und tauschen sie gegen die Ware ein. Diese Schwärmereien gibt es zum Beispiel in Köln und Bonn. „Uns hat der direkte Kontakt mit den Kunden und das Feedback gefehlt“, berichtet Monika Rönn. „Deshalb haben wir uns für die Marktschwärmereien entschieden.“

Die Maschine, mit der Monika Rönn ihre Äpfel graviert, kann auch Gravuren in andere Materialien lasern.
Die Maschine, mit der Monika Rönn ihre Äpfel graviert, kann auch Gravuren in andere Materialien lasern.
Foto: Celina de Cuveland

Außerdem bieten die Rönns Apfelpatenschaften an, verkaufen ihre Äpfel unter anderem mit Wunschgravuren – etwa für Veranstaltungen – und beginnen mit der solidarischen Landwirtschaft. Auf dem Obsthof in Ersdorf tut sich was. „Ich glaube, wir Landwirte müssen anfangen, neue Wege zu gehen“, erklärt Monika Rönn ihren Tatendrang. „Wer sich immer nur an alten Traditionen festhält, kann nicht langfristig überleben.“ Jetzt, mit dem Biobetrieb, müssen sie und ihr Mann viel bewusster und sorgfältiger die Entwicklungen auf ihren Plantagen beobachten. Das tut beiden auch ein bisschen gut, nach den vielen Jahren konventioneller Landwirtschaft. Es ist ein neuer Weg für die Rönns, aber sie freuen sich, ihn gehen zu können.

Von unserer Mitarbeiterin Celina de Cuveland

  • Infos zum Obsthof Rönn gibt es hier

"Mitmacher" gefragt

Projekt Solidarische Landwirtschaft auf dem Obsthof:

Monika Rönn nennt die rund 50 Leute, die schon Teil des solidarischen Landwirtschaftsprojektes auf dem Obsthof Rönn sind, liebevoll die „Mitmacher“. Weil ihr Mitglieder zu sehr nach Verein und Teilnehmer zu passiv klingt. Denn das wäre, was solidarische Landwirtschaft nicht sein soll: Ein passives Obstkisten-Abonnement.

Stattdessen bewirtschaften die Mitmacher eine eigene Apfelplantage, dürfen Ideen einbringen, bei der Ernte helfen und das dafür bezahlen, was ihnen das Stück Landleben wert ist. Dafür gibt's etwa fünf Kilo Obst im Monat, manchmal auch noch ein paar Kürbisse und ein wenig Apfelsaft oben drauf. Die Idee, die hinter dem Projekt steckt, erklärt Monika Rönn so: „Es ist ein landwirtschaftliches Konzept der Zukunft. Im Idealfall würde ein Betrieb sich irgendwann nur noch über die SoLaWi finanzieren. nachhaltiges und faires Wirtschaften steht im Vordergrund. Man hätte einen festen Kundenstamm, der ein festes Budget bezahlt und dafür die Produkte des Hofes bekommt.“ Die Rönns betreiben die erste Obst-SoLaWi in Deutschland. 

Bad Neuenahr-Ahrweiler
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Bad Neuenahr-Ahrweiler
Dienstag

5°C - 14°C
Mittwoch

3°C - 10°C
Donnerstag

1°C - 9°C
Freitag

0°C - 9°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach